Flüchtlingshel­fer wehren sich gegen Mateschitz

ARCHIVBILD: DIETRICH MATESCHITZ
Foto: APA/BARBARA GINDL Dietrich Mateschitz bekommt Contra.

Red Bull-Chef hatte Flüchtlingshelfer kritisiert. Über 50 von ihnen wehren sich in einem offenen Brief.

Das vielbeachtete Interview, das Red BullChef Dietrich Mateschitz am Wochenende der Kleinen Zeitung gegeben hatte, hat ein Nachspiel. Über 50 Flüchtlingshelfer aus Salzburg wandten sich am Sonntag in einem offenen Brief aus Protest an Mateschitz. Sie fühlen sich von ihn auf zynische Weise verhöhnt.

In einem an kontroversen Thesen reichen Interview hatte Mateschitz unter anderem gesagt: "Keiner von denen, die 'Willkommen' oder 'Wir schaffen das' gerufen haben, hat sein Gästezimmer frei gemacht oder in seinem Garten ein Zelt stehen, in dem fünf Auswanderer wohnen können."

Daran stören sich die Flüchtlingshelfer. "Mit dieser Aussage, die nicht nur falsch sondern auch in höchstem Maße zynisch ist, verhöhnen Sie jene Menschen, die sich nun seit fast zwei Jahren ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren", schreibt die Gruppe. "Für dieses ehrenamtliche Engagement brauchen wir keinen Applaus, denn wir tun all dies aus der ehrlichen Überzeugung heraus, dass es richtig ist." Jedoch: "Ein Funken mehr Respekt wäre angebracht gewesen.

Den vollen Brief veröffentlicht kurier.at im angehängten Artikel. Die erste Unterzeichnerin des Briefes ist Anna Schiester, die in Salzburg die Aktion "Flüchtlinge - Willkommen in Salzburg" initiiert hat und Mitarbeiterin im Landtagsbüro der Grünen ist. 

Protest gegen Mateschitz

Der offene Brief an Mateschitz im Wortlaut

Mit diesem Brief wandten sich die Flüchtlingshelfer an den Milliardär.

Offener Brief an Dietrich Mateschitz

Betreff: Herr Mateschitz, wir FlüchtlingshelferInnen brauchen keinen Applaus, aber verhöhnen lassen wir uns auch nicht!

Salzburg, am 9. April 2017

Herr Mateschitz, wir beziehen uns mit diesem Offenen Brief auf Ihre Aussagen zur österreichischen Flüchtlingspolitik, mit denen Sie in der Kleinen Zeitung und allen relevanten österreichischen Medien zititert werden. Konkret wollen wir zur Ihrem Zitat „Ich rede über Fakten, und ich rede über Scheinheiligkeiten. Ich rede darüber, dass keiner von denen, die „Willkommen“ oder „Wir schaffen das“ gerufen haben, sein Gästezimmer frei gemacht oder in seinem Garten ein Zelt stehen hat, in dem fünf Auswanderer wohnen können” Stellung beziehen.

Mit dieser Aussage, die nicht nur falsch sondern auch in höchstem Maße zynisch ist, verhöhnen Sie jene Menschen, die sich nun seit fast zwei Jahren ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Dies empört uns umso mehr aus Ihrem Mund, Herr Mateschitz, sind Sie doch ein bekannter und einflussreicher Geschäfts- und Medienmann, dessen Meinung bei vielen Menschen Gehör findet.

Es gibt sowohl in Salzburg als auch in ganz Österreich unzählige beherzte Menschen, die Geflüchtete dauerhaft bei sich in den eigenen vier Wänden aufgenommen haben, ihnen Wohnraum zur Verfügung stellen oder ihnen bei der Miete unter die Arme greifen. In Notsituationen – wie sie im Sommer und Herbst 2015 fast täglich der Fall waren – haben viele von uns ihre Türen geöffnet und nächtelang für fremde, schutzsuchende Menschen ihre Schlafzimmer geräumt, weil viele von uns nicht einmal über ein Gästezimmer geschweige denn einen Garten verfügen.

Viele von uns haben im Sommer/Herbst 2015 monatelang ihre gesamte Freizeit geopfert, um die erschöpften Frischangekommenen in den großen Camps an der Grenze menschenwürdig mit dem Notwendigsten zu versorgen. Und diese Hilfe hält bis heute an, auch wenn sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Denn nun liegt der Schwerpunkt auf dem Bereich Integration. Es geht jetzt darum, den bei uns Schutzsuchenden bei ihrem Start in ein neues, fremdes Leben zur Seite stehen und die von allen Seiten geforderte Integration zu unterstützen.
Auf unserer täglichen Agenda stehen die Unterstützung beim Erwerb der deutschen Sprache, Behördengänge, die gemeinsame Suche nach Lehrplätzen und Arbeitsstellen, und vieles mehr. Nicht selten werden dabei private finanzielle Mittel eingesetzt. Mit Sicherheit würde niemand von uns würde sagen, dass all das immer einfach ist. Wir stehen täglich vor Herausforderungen, aber diesen stellen wir uns – denn nur so können wir als Gesellschaft das „schaffen“.

Für dieses ehrenamtliche Engagement brauchen wir keinen Applaus, denn wir tun all dies aus der ehrlichen Überzeugung heraus, dass es richtig ist. Aber mit Ihren jüngsten Aussagen verhöhnen Sie unser tägliches Tun für ein gelingendes Zusammenleben! Ein Funken mehr Respekt wäre angebracht gewesen.

Grüße,

Anna Schiester, MA
Initiatorin der Plattform „Flüchtlinge – Willkommen in Salzburg“

MitunterzeichnerInnen: (allesamt ehrenamtliche FlüchtlingshelferInnen aus Stadt und Land Salzburg)
Mag.a Andrea Unterrainer, MBA
Ute und Günter Stark
Othmar Danninger
Christina Lainer
Melanie Auer
Gabriele Auer
Brigitte Leister
Mag.a Michaela Ferschmann
Irene Schiester
Wencke Zellner
Cornelia Grünwald
Anna Schmid
Liselotte Kaiser
Heidi Visin
Elisabeth Katharina Hallinger
Dr. Andreas Gradert, Msc MA
Mag.a Christine Brandstätter
Horst Köpfelsberger
Astrid Stockinger
Max Leittich
Regina Greisberger
Alexandra Hederer
Elke Zimmermann
Elke Primosch
Mag.a Christine Bliem
Mag. Dr. in Kimbie Humer-Vogl
Regina Bianchi
Mag.a Gabi Rupnik
Michaela Marehard
Mag.a Barbara Sieberth
Rebekka Schönauer
Mag. Fritz Wendlinger
Brigitte Bordeaux
Michaela und Georg Walter
Christine Kofler
Susanna (Nachname der Initiatorin bekannt)
Karl Achleitner
Selina Nowak
Vera Schlager
Diana Visin
Helmut Krenn
Elisabeth (Nachname der Initiatorin bekannt)
Olivia Bergauer
Bine Böcher
Sascha Thaler
Uli, Nicki und Susi Leitinger
Brigitte Maier
Johanna Hartung
Werner Kammerer
Sonja Schiff, MA
Norbert Weiss
Doraja Eberle

(kurier) Erstellt am
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