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Chronik Österreich
07/18/2022

Fieberkurve in Wiens Spitälern immer noch am Papier statt am Tablet

Die Stadt habe die Digitalisierung verschlafen, kritisiert die ÖVP. Das Büro des Gesundheitsstadtrats kontert mit Gegenbeispielen

von Josef Gebhard

„Wir machen Wien zur Digitalisierungshauptstadt Europas“, lautet ein Slogan, den Bürgermeister Michael Ludwig und die Stadtregierung gerne gebetsmühlenartig wiederholen.

Von diesem hehren Anspruch ist die Stadt allerdings noch ein Stück weit entfernt – um es vorsichtig zu formulieren. Und dies gelte besonders für den Gesundheitsbereich, wie die Wiener ÖVP kritisiert.

Die Partei hat eine Anfrage an Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) gestellt, um herauszufinden, wie weit diverse Projekte in den Gemeindespitälern schon gediehen sind. Die Antwort aus dem Stadtratsbüro fällt in einigen Teilbereichen eher ernüchternd aus.

Beispiel Elektronische Fieberkurve: Die elektronische Eingabe der Gesundheitsdaten stellt eine enorme Erleichterung für das Personal dar und trägt auch zu mehr Patientensicherheit bei. „In den Ordensspitälern ist sie schon im Einsatz“, sagt ÖVP-Digitalisierungssprecher Erol Holawatsch. Anders in den Gemeindespitälern des Wigev: Die E-Fieberkurve wurde im Jahr 2019 auf der Rheumatologie des Krankenhauses Hietzing pilotiert, wurde dann aber wieder zurückgestellt. Derzeit befinden sich die Pilotierungen mit erweiterten Funktionen an drei Standorten erst kurz vor der Umsetzung.

Ähnlich schleppend voran geht auch der Ausbau der Online-Terminvereinbarung in den Ambulanzen: Sie ist erst in den Kliniken Hietzing und Floridsdorf möglich. Eine Online-Ambulanz, bei der chronisch Kranke betreut werden, ohne sich vor Ort einfinden zu müssen, gibt es überhaupt erst auf der Rheuma-Ambulanz der Klinik Hietzing.

EDV-Probleme

Dazu passt die jüngste Kritik des Stadtrechnungshofs wonach die EDV-Planungssysteme für Operationen zum Teil so unzulänglich sind, dass das Personal auf Papier-Aufzeichnungen zurückgreifen muss.

„Die Digitalisierung im Wigev steckt weiterhin in den Kinderschuhen, obwohl vieles davon eine Selbstverständlichkeit sein soll“, kritisiert ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec.

Vorwürfe, die man im Büro Hacker nicht auf sich sitzen lassen will. Ein Sprecher verweist auf die zahlreichen erfolgreichen Digitalisierungsprojekte, die man in den vergangenen Jahren umgesetzt habe. Zum Beispiel das Impfservice Wien, das noch kurz vor der Pandemie neu aufgestellt wurde – mit Online-Angeboten wie einem persönlichen Impfregister und der Terminvereinbarung via Internet.

Homecare App

Im Zuge der Pandemie wurde eine Homecare App entwickelt, mit der der Gesundheitsstatus des Nutzers regelmäßig abgefragt wird. Das helfe auch bei der Planung der nötigen Spitalskapazitäten für Corona-Patienten, erläutert der Sprecher. „Anwendungen wie diese können dann nach der Pandemie für andere Gesundheitsbereiche eingesetzt werden“, betont er.

Bewährt habe sich laut Sprecher auch die digitale Anmeldung für Geburtsplätze. „Sie wurde im Vorjahr von 11.700 Frauen genutzt. Dank ihrer Hilfe können nahezu

80 Prozent der Frauen in ihrer Wunschklinik entbinden“, betont der Sprecher. Er verweist auch auf die Plattform Oncare, die für Krebskranke entwickelt wurde. Und auf das Testsystem „Alles Gurgelt“.

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