Chronik | Österreich
30.10.2018

Festung Hohensalzburg nach Unwetter schwer beschädigt

Wahrzeichen von "Sturmwalze getroffen". Rekordregen sorgt für Vermurungen, nächstes Tief kommt. Regierung verspricht schnelle Hilfe.

Schwere Unwetter haben vor allem in Kärnten, Osttirol, Salzburg und in anderen Teilen Österreichs schwere Schäden angerichtet. Die Bundesregierung hat nach den Unwetter- und Hochwasserschäden schnelle und unbürokratische Hilfe angekündigt. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) will sich noch heute selbst ein Bild von der Lage in den betroffenen Gebieten machen.

"Mehrere Hunderttausend Euro"

Bei dem Föhnsturm dürfte eine einzige starke Windböe für die große Zerstörung auf der Festung Hohensalzburg verantwortlich gewesen sein. "Der finanzielle Schaden beträgt mehrere Hunderttausend Euro", sagte Burgverwalter Bernhard Heil im APA-Gespräch. Nun gelte es, die betroffenen Gebäude so rasch wie möglich wetterfest zu machen. Denn bereits am Donnerstag könnte Regen drohen.

Hohe Salzburg Föhnsturm

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"Kurz vor halb acht in der Früh sind zwei Gebäude im Südosten der Festung von einer Sturmwalze getroffen worden", berichtete Heil. Beim Zeughaus, wo früher Kanonen und Rüstungen lagerten, wurde der Dachstuhl auf der gesamten Länge abgehoben und zu großen Teilen mitgerissen. Beim Schüttkasten, einem alten Getreidespeicher, schlug der Wind ein etwa fünf mal sieben Meter großes Loch ins Dach.

"Spezialisten der Berufsfeuerwehr sind momentan damit beschäftigt, die Dächer von Hunderten losen Schindeln und Holzteilen zu reinigen, damit nichts mehr herunterfallen kann", so Heil. Danach werde man sofort damit beginnen, eine Notabdeckung mit Brettern und Dachpappe zu errichten.

Die Festung wird am Mittwoch wieder für Besucher geöffnet. Allerdings ist die Auffahrt nur mit der Festungsbahn möglich. Der Fußweg auf das Wahrzeichen, der Burghof und der Zugang zur St. Georgs-Kirche bleiben aus Sicherheitsgründen gesperrt. Wie das Land am Nachmittag mitteilte, können die Innenräume jedoch uneingeschränkt besichtigt werden.

Vermurungen und Windwurf in Kärnten

Die heftigen Niederschläge und der Föhnsturm haben vor allem in Kärnten zahlreiche Vermurungen ausgelöst, dazu gibt es massiven Windwurf samt den damit einhergehenden Schäden, etwa bei der Stromversorgung.

Wie ein Rundruf der APA in den betroffenen Gebieten in Kärnten ergab, waren die Straßen ins Lesachtal (Bezirk Hermagor) und ins Obere Mölltal (Bezirk Spittal an der Drau) wegen Murenabgängen am Nachmittag nach wie vor unpassierbar. Neben dem Lesachtal hatte es im Bezirk Hermagor auch die Ortschaft Rattendorf schwer getroffen.

Im Drautal hatte die Bahn nach wie vor den Betrieb eingestellt, Gleisanlagen wurden überflutet. Auch Schienenersatzverkehr konnte es am Dienstagnachmittag noch keinen geben. Für die hochgefährdete Gemeinde Lavamünd (Bezirk Wolfsberg), wo die Drau am tiefsten Punkt Kärntens das Bundesland verlässt, konnten die Verantwortlichen noch keine Entwarnung geben.

Bilder: Dramatische Hochwasserlage im Gailtal

Hochwasser im Kärntner Gailtal

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Hochwasserlage im Kärntner Gailtal

Hochwasserlage im Kärntner Gailtal

Hochwasserlage im Kärntner Gailtal

Hochwasserlage im Kärntner Gailtal

Hochwasserlage im Kärntner Gailtal

Hochwasserlage im Kärntner Gailtal

Hochwasserlage im Kärntner Gailtal

Hochwasserlage im Kärntner Gailtal

Hochwasserlage im Kärntner Gailtal

"Der Süden hat in den vergangenen vier Tagen so viel Niederschlag abbekommen wie Wien in einem ganzen Jahr", teilte die ZAMG am Dienstag mit. Und nach einem Zwischenhoch am Mittwoch wird es dort auch am Donnerstag und Freitag neuerlich regnen. "Nicht so stark wie zuletzt, aber angesichts der bereits durchnässten Böden ist jeder Tropfen einer zu viel."

In den vergangenen vier Tagen wurden an manchen Messstellen Spitzenwerte von bis zu 600 mm gemessen. In Wien kommen über ein ganzes Jahr etwa 500 bis 600 mm zusammen. In den vergangenen 72 Stunden kommen alle drei Spitzenreiter bei den Niederschlägen aus Kärnten: Kötschach Mauthen, Kornat, und Dellach im Drautal mit 439,8, 414,8 und 346,5 Liter pro Quadratmeter. 314,9 Liter waren es in Kolm Saigurn in Salzburg.

Gleichzeitig zu dem starken Regen hat der Südföhn an der Alpennordseite für große Windspitzen, auch im Osten Österreichs, gesorgt. 174,6 km/h wurden am Brunnenkogel in Tirol gemessen. 159,1 waren es am Feuerkogel in Oberösterreich. Sogar am Semmering/Sonnwendstein wurden enorme 155,5 km/h verzeichnet.

Die aktuelle Wetterprognose finden Sie hier.

Tirol: Brennerbahnstrecke unterbrochen

Die Brennerbahnstrecke ist am Dienstag zwischen Innsbruck und Matrei nicht befahrbar gewesen. Mehrere umgestürzte Bäume beschädigten die Oberleitung beider Gleise auf einer Länge von rund 800 Metern. Die Reparaturarbeiten dürften bis in die Abendstunden dauern. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. Starke Sturmböen würden die Arbeiten erschweren, hieß es seitens der ÖBB. Zwischen Matrei und dem Brenner verkehren die Züge planmäßig.

Lage in Osttirol entspannt sich

Die Lage in Osttirol hat sich am Dienstagvormittag zunehmend entspannt. Die Pegelstände der Bäche und Flüsse sanken deutlich und auch Regen und Wind ließen nach. Wichtige Straßenverbindungen konnten am Vormittag wieder geöffnet werden. Der Stromausfall in mehreren Gemeinden dauerte jedoch noch an.

Die Großglocknerstraße (B107) und die Drautalstraße (B100) bis Kärnten wurden wieder geöffnet. Die Felbertauernstraße (B108) soll jedoch nicht vor Mittag geöffnet werden. In Arnbach im Gemeindegebiet von Sillian hatte der Pegel der Drau in der Nacht die hundertjährliche Hochwassermarke überschritten. Die Drau war aber dennoch nicht über die Ufer getreten.

Südtirol: Feuerwehrmann von Baum erschlagen

Steiermark: Rund 6.000 Haushalte ohne Strom

Nach Sturmböen in der Nacht auf Dienstag waren in der Früh rund 6.000 steirische Haushalte ohne Elektrizität. Zahlreiche Bäume waren auf Stromleitungen gefallen. Besonders betroffen waren das obere Mürztal, der Norden des Bezirkes Weiz, der Raum Bruck/Mur und Pernegg sowie der Raum Knittelfeld und Soboth, erklärte Energie Steiermark-Sprecher Urs Harnik-Lauris.Bis Dienstagabend sollen wieder alle Haushalte zumindest provisorisch mit Strom versorgt werden können. Schwierigkeiten bei der Reparatur machten vor allem verlegte Zufahrtsstraßen.

Südbahnstrecke nach Sperre wieder geöffnet

Die Südbahnstrecke am Semmering ist am Dienstagnachmittag nach einer unwetterbedingten Sperre wieder freigegeben worden. Nachdem seit Mittag ein Gleis wieder befahrbar war, folgte kurz vor 14.30 Uhr das zweite. Unterbrochen war am Nachmittag die Verbindung zwischen dem St. Pöltner Stadtteil Viehofen und Herzogenburg. Dort war laut ÖBB ein Baum ins Gleis gefallen.

Die Sperre bei St. Pölten werde voraussichtlich bis 17.00 Uhr dauern, sagte ÖBB-Sprecher Karl Leitner. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.

 

Der Sturm hat in Teilen Niederösterreichs zu Stromausfällen geführt. In der Nacht auf Dienstag waren vorübergehend bis zu 3.000 Kunden betroffen, sagte EVN-Sprecher Stefan Zach. Bäume waren auf Leitungen und Trafostationen gefallen, am Vormittag waren noch knapp 800 Haushalte, vor allem im Alpenvorland und im Mariazellerland, ohne Strom. "Es gibt sehr viele Schadensstellen", so Zach zur APA.

 Auch zu einigen Straßensperren kam es aufgrund des Sturms. Wegen umgestürzter Bäume nicht befahrbar waren am Dienstagvormittag die B21 zwischen der Straßenkreuzung Kalte Kuchl und dem Ochssattel in beiden Richtungen sowie u.a. die L102 und die L5213 im Raum Türnitz (Bezirk Lilienfeld).

 

2.900 Feuerwehrleute standen in OÖ im Einsatz

Windspitzen von bis zu 120 km/h haben in der Nacht auf Dienstag zu etlichen Sturmschäden in Oberösterreich geführt. Rund 2.900 Feuerwehrleute standen im Einsatz. Am stärksten betroffen war der südliche Teil des Bundeslandes mit den Bezirken Vöcklabruck, Gmunden, Kirchdorf und Steyr-Land.

 

Video: Wetterprognose

Vorschau: Beruhigung vor dem nächsten Tief

Nun soll sich die Situation durch ein Zwischenhoch kurzzeitig beruhigen. Im Süden lässt der Regen nach, doch durch den Südföhn bleibt es warm mit Tageshöchsttemperaturen zwischen 15 und 20 Grad.

Bereits am Donnerstag kommt das nächste Italientief auf uns zu - mit großen Niederschlagsmengen im Süden und Südwesten. Wie viel es tatsächlich werden wird, dazu sei es derzeit noch zu früh. Durch die Südströmung sei jedenfalls in den nächsten Tagen kein Winter in Sicht.