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Chronik Österreich
09/16/2020

Familie und Freizeit: Wo die neuen Corona-Cluster derzeit wachsen

Mehr als die Hälfte bildet sich durch Treffen mit der Verwandtschaft. Doch Ansteckungen in Lokalen und im Job nehmen zu.

von Elisabeth Holzer

Wenn auch nur eine Empfehlung für gelb eingestufte Regionen - es klang drastisch: Die Vorarlberger Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher riet am Montag, Risikogruppen nur mit Mund-Nasen-Schutz zu besuchen, also auch ältere Familienmitglieder.

70 Lokalgäste angesteckt

Die Zahlen geben der Politikerin recht: Die meisten neuen Corona-Cluster entstehen derzeit im Familienbereich. Doch Ansteckungen am Arbeitsplatz und bei Freizeitaktivitäten - etwa Lokalbesuche - wachsen. Ein Punkt, der vor allem Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) ärgert: Eine infizierte Person in einem Innsbrucker Nachtlokal zog einen Cluster von mittlerweile nun schon 70 positiv Getesteten nach sich.

"Verstöße in der Nachtgastronomie werden wir nicht tolerieren", kündigte Platter an, das betroffene Lokal wurde vorerst behördlich geschlossen.

Abstand halten - auch daheim

Wo wachsen nun die neuen Cluster? "Hauptübertragungsort ist und bleibt die Familie", erläutert Roland Achatz, Sprecher der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). "Aber genau das ist schwierig zu kommunizieren, dass man auch zu Hause auf Abstand achten soll. Das unterschätzt man völlig."

Die Cluster-Bildung lässt sich derzeit so einstufen:

Private Feiern, Familienverband: Laut AGES-Statistik steht "Haushalt" an der Spitze -  derzeit mit 50,6 Prozent aller Cluster. Allerdings sind dies Daten vom 9. September: Im Gegensatz zu schlichten Meldung von Neuinfektionen dauert die Nachvollziehbarkeit von Clustern länger, etwa durch die Suche nach Kontaktpersonen. Eines ist aber klar: Im Herbst und Winter dürften sich diese Ansteckungsherde weiter entzünden - Aktivitäten, die jetzt noch im Freien stattfinden können, verlegen sich dann zunehmend in den Wohnbereich. Umfasst von dem Bereich sind auch Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstage.

Arbeitsplatz: Das Ende der Sommerferien und die vermehrte Rückkehr aus dem Home Office ist deutlich ablesbar. 15,6 Prozent der Cluster entstehen bereits im Job. Auffällig waren zuletzt gehäufte Ansteckungen bei einem Paketdienstleister in Oberösterreich, 60 Infektionen sind mittlerweile bestätigt. Einen kleineren Cluster gibt es auch in einem Hotel in der Steiermark.

Urlaubsrückkehrer: Noch an dritter Stelle mit 11,6 Prozent. Das wird mit dem Beginn der Schulzeit sinken, prognostizieren die Experten der AGES.

Freizeitaktivitäten: Derzeit an vierter Steller der Cluster-Entstehung (7,6 Prozent). Birgt aber leider Potenzial für viel mehr, siehe Nachtgastronomie in Innsbruck mit 70 Fällen oder eine Vorstellung der MUK-Privatuni  in Wien, wo es zu 46 Ansteckungen kam. In Niederösterreich waren am Dienstag 31 Infektionen nach einem "Dämmerschoppen" in einem Gasthaus gemeldet, ein Fall in einem Nachtlokal in Krems löste 15 weitere Infektionen aus. Auch in Graz gab es aufgrund einer Infizierten Person in einem Clublokal vor kurzem Alarm: 220 Menschen muussten in Quarantäne - zum Glück gab es nur sechs weitere Ansteckungen.

Auch die Politik ist betroffen, wenn auch noch ohne Cluster-Bildung: Ein ÖVP-Mandatar in Niederösterreich wurde positiv getestet, fünf Personen mussten  in Quarantäne. Der SPÖ-Bürgermeister von Ybbs, Alois Schroll, ist ebenfalls infiziert: Die Nachverfolgung von Kontaktpersonen läuft, nachem Schroll auch bei einem Fußballmatch war sowie ein lokales Event besuchte.

Senioren- und Pflegeheime sowie Spitäler: Rangieren mit 2,2 Prozent beziehungsweise 1,2 Prozent relativ weit unten - noch: In Graz wurden zuletzt 45 Klienten und Mitarbeiter eines einzigen Heimes positiv gestetet.

Schulen und Kindergärten: Da die Zahlen der AGES für Cluster-Bildungen mit 9. September enden, verursachen Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen vorest nur 0,9 Prozent der neuen Cluster. Allerdings sind mit der Rückkehr zum normalen Schulbetrieb bereits Fälle von Ansteckungen in Schulen bekannt geworden. In Niederösterreich waren beispielsweise 32 Schul- und sechs Kindergartenstandorte betroffen.

Insgesamt wurden 31 Schüler, zehn Lehrer und zwei Kindergartenkinder im Bundesland positiv gestetet. Das sind aber keine Cluster, da diese Ansteckungen von außen in die Einrichtungen gebracht und nicht dort weiter verbreitet wurden. In Oberösterreich gab es bis Dienstag 14 Corona-Ansteckungen in Schulen.

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