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Chronik Österreich
07/09/2021

Expertin: "In Ferien nicht wieder Homeschooling spielen"

Eltern sollen zumindest im Juli auf Kontrastprogramm zum Schuljahr setzen und die Lehrerrolle ablegen.

Eine Woche nach Wien, Niederösterreich und Burgenland starten heute, Freitag, nach der Zeugnisverteilung in allen anderen Bundesländern die Sommerferien. Und die sollten gerade nach dem ungewöhnlichen, stark von Corona geprägten Schuljahr wirklich zum Abschalten genutzt werden, empfiehlt Andrea Richter, Leiterin der NÖ-Schulpsychologie. "Wir sollten versuchen, nicht das Corona-Jahr in die Ferien hineinzuziehen und in den Ferien nicht wieder Homeschooling zu spielen."

Damit die Schülerinnen und Schüler das ungewöhnliche vergangene Schuljahr besser verdauen können, sollen die Eltern - wie in einem normalen Jahr auch - zumindest im Juli "die Schule Schule sein lassen", betonte Richter gegenüber der APA. Nach der vielen Zeit daheim sollten die Kinder und Jugendlichen jetzt ihre Freizeit genießen und im Freien - unter Einhaltung der noch notwendigen Hygieneregeln - ihre Freunde treffen können.

Eine besondere Herausforderung ist für Richter in diesem Jahr, die durch den Fernunterricht aufgezwungenen neuen Rollen wieder abzulegen. "Es ist wichtig, dass man schaut, dass das Kinderzimmer wieder zum Kinderzimmer wird und die Eltern wieder zu Eltern werden und diese Lehrerrolle ganz bewusst wieder ablegen. Das ist eine Mischkulanz, die nicht gesund ist." Gerade Jugendliche, die den Großteil des Schuljahres vor dem Computer gelernt haben, sollten auch ganz bewusst weg vom Bildschirm und stattdessen viel ins Freie gehen und dort gemeinsam mit Freunden Bewegung machen.

Bei der Frage, wann die Kinder wieder sanft auf die Rückkehr in die Schule vorbereitet werden sollen, sollten die Eltern ganz genau auf den wirklichen Bedarf achten, betonte Richter. Denn jene Schüler, deren Eltern sie beim Lernen gut begleiten konnten, hätten teilweise ohnehin keine Lernlücken. Gerade diese Eltern seien aber auch diejenigen, die aus Sorge, dass ihre Kinder wegen der pandemiebedingten Einschränkungen nicht den sonst üblichen Stoff durchnehmen konnten, zum Vorlernen im August bereit wären. "Man muss hier wirklich schauen, ob das auch tatsächlich notwendig ist."

Die Schule werde sich zu Beginn des kommenden Schuljahrs ohnehin stark darauf konzentrieren müssen, im vergangenen Jahr Versäumtes aufzuholen. Diejenigen, die wirklich große Wissenslücken angehäuft haben, würden sich in diesem Fall allerdings trotzdem plagen. Hier sollten die Eltern die Kinder schon in den Ferien dabei unterstützen, Basiswissen wieder aufzufrischen und etwa bei Volksschülern versuchen, langsam wieder ins Rechnen, Lesen und Schreiben reinzukommen. "Aber nicht im August volles Programm!", so die Psychologin. Das sei nur für jene Schülerinnen und Schüler sinnvoll, die im September eine Nachprüfung vor sich haben. Diese würden nämlich oft zu spät mit dem Lernen beginnen.

Auf die Ungewissheiten des kommenden Schuljahrs - von der Ausgestaltung der Test- und Maskenpflicht bis hin zu einer möglichen Neuauflage des Fernunterrichts - sollten die Kinder mit möglichst viel Gelassenheit vorbereitet werden, empfiehlt Richter. Nach dem Motto: "Wir haben das vergangene Schuljahr mit dem vielen Auf und Ab geschafft, da werden wir das nächste Schuljahr auch schaffen. Und vielleicht wird es ja auch ein ganz normales Schuljahr."

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