Chronik | Österreich
01.06.2018

Erst Hitze, dann Unwetter: Gemeinden unter Wasser

Heftiger Regen machte auch am Freitag wieder in weiten Teilen Österreichs große Probleme.

Seit einer Woche dasselbe Bild: Sonnenschein und Hitze bis zu 30 Grad bis Mittag und ab dem späteren Nachmittag brauen sich Unwetter zusammen.

So passierte es am Feiertag in Kärnten und Teilen der Steiermark, aber auch ab Freitagmittag zeichnete sich ein ähnliches Szenario ab. Von Nordosten her zogen dichte Wolken zunächst in Richtung Mürztal. Am Freitagnachmittag kam ein Lenker in Kainbach mit seinem Pkw auf der hagelglatten Fahrbahn ins Schleudern, bei dem Unfall wurden drei Menschen leicht verletzt. In Graz stand die Endhaltestelle der Buslinie 64 im Stiftingtal unter Wasser, die Mariatroster Straße war wegen Überflutung gesperrt. Auch die A-9-Abfahrt in Seiersberg-Pirka wurde wegen Überschwemmung gesperrt.

Ortsteil überschwemmt

Betroffen war in der Steiermark vor allem der Westen. In Schwanberg, Bezirk Deutschlandsberg, rutschte ein Hang und vermurte zwei Häuser. In Kärnten mussten allein in und rund um Spittal sowie im Görschitztal Feuerwehren 70-mal ausrücken. In Bad Kleinkirchheim war die Lage angespannt: Ein Haus wurde evakuiert, eine Mure drohte abzugehen, das Gebäude steht in der Gefahrenzone. In Seeboden kamen die Feuerwehrleute nur über Umwege zum Rüsthaus, ein ganzer Ortsteil war überschwemmt worden.

Bei Trebesing wurde die Katschergstraße von Geröll verlegt, die B 99 war gesperrt. Einige Bauernhöfe waren deshalb nur mit Traktoren über Wiesenwege erreichbar.

Im Südburgenland herrschte am Freitag der Ausnahmezustand: Die Feuerwehren mussten in den Bezirken Oberwart und Güssing zu etwa 150 Einsätzen ausrücken. In Riedlingsdorf wurden auf der überflutetet Straße vier Personen aus dem Pkw geborgen. Zig Wohnhäuser standen unter Wasser.

Schwere Gewitter im südlichen Niederösterreich

In den niederösterreichischen Bezirken Wiener Neustadt und Neunkirchen standen knapp 40 Feuerwehren im Einsatz, um überflutete Keller auszupumpen und Straßen von Vermurungen zu säubern. Binnen kürzester Zeit wurden an die 80 Unwettereinsätze in der Region registriert. Die Feuerwehr-Bezirksalarmzentrale Neunkirchen musste die Telefone mit zehn Disponenten besetzen, um die Vielzahl der Notrufe zu bewältigen. 

Am Nachmittag entlud sich im Waldviertel eine kleinräumige Gewitterzelle über dem Ort Matzles bei Waidhofen/Thaya. Kleinkörniger Hagel verstopfte die Kanalgitter, die Wassermassen füllten die Keller von sechs Wohnhäusern. Zehn Feuerwehren rückten mit Pumpen an.

Dramatische Szenen im Burgenland

Auch im Südburgenland kam es zu heftigen Regenfällen, die zwei Verletzte forderten und dutzende Häuser überfluteten. „So eine Katastrophe hatten wir noch nie“ sagt Thomas Böhm, Bürgermeister und Feuerwehrmann von Loipersdorf-Kitzladen (Bezirk Oberwart). Binnen kurzer Zeit war der Stögersbach aufgrund des Starkregens über die Ufer getreten. Die Hauptstraße war für den Verkehr gesperrt, der Katastrophenhilfsdienst der Feuerwehr stand im Einsatz.

„Etwa 60 bis 70 Keller bzw. Häuser stehen unter Wasser. Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist noch gar nicht abschätzbar“, sagt der erschütterte Ortschef am Freitagabend im Gespräch mit dem KURIER. Selbst vor zwei Jahren, als die Gemeinde vom Unwetter stark betroffen war, sei die Situation nicht derart dramatisch gewesen wie dieses mal, sagt Böhm.

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Vom Blitz getroffen

Laut Landessicherheitszentrale (LSZ) Burgenland gab es am Freitag bis 18.30 Uhr exakt 136 Feuerwehreinsätze im Landessüden. Am schlimmsten betroffen war der westliche Teil des Bezirkes Oberwart, unter anderem mit den Ortschaften Grafenschachen, Markt Allhau und Buchschachen. 94 Feuerwehren müssten laut LSZ binnen kurzer Zeit ausrücken. In Strem und Eisenhüttl (Bezirk Güssing) wurden zwei Motorradfahrer verletzt, nachdem sie mit ihren Bikes auf der überfluteten Straße zu Sturz gekommen waren.

Allein in Pinkafeld gab es 62 Einsatzadressen, schildert Feuerwehrkommandant Kurt Tripamer. „Weil der Blitz in ein Wohnhaus eingeschlagen hat und das Haus in Flammen stand, mussten wir noch weitere Feuerwehren nachalarmieren“, sagt er. Den Einsatzkräften gelang es schließlich, ein Übergreifen des Feuers auf Nachbargebäude zu verhindern.

Pinka überflutet Straßen

In Riedlingsdorf musste die Feuerwehr vier Personen mittels Seilwinde aus einem Pkw bergen. Weil die Pinka die Straße überflutet hatte, konnten sich die Insassen nicht mehr selbst aus dem Wagen befreien, schildert Ortsfeuerwehrchef Stefan Zettl. „Der Lenker des Fahrzeuges wurde von den Wassermaßen überrascht.“

Auch in Grafenschachen wurden etliche Häuser durch das starke Unwetter in Mitleidenschaft gezogen. Etliche der verzweifelten Bewohner konnten ihre Häuser am Freitag gar nicht erreichen. Das Kriseninterventionsteam war vor Ort.

Am Freitagabend ließen die Regenfälle nach, die Pegel der Pinka und des Stögerbaches sanken leicht. Am Abend gab es laut LSZ nur noch vereinzelt Einsatzmeldungen.