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Chronik Österreich
07/26/2022

Unwetter und Murenabgänge in Kärnten, Tirol und Salzburg

Mölltalstraße, Reschenpass und weitere Straßen nach Murenabgängen gesperrt. Drei Autos wurden mitgerissen. Ein Pfarrer wird seit Freitag vermisst.

Zwei massive Murenabgänge haben am späten Montagabend die Mölltalstraße (B106) in Oberkärnten verlegt. Wie die Landespolizeidirektion Kärnten am Dienstag in der Früh mitteilte, löste sich zwischen Kilometer 37,8 und 39,5 "teilweise der gesamte südseitige Hang oberhalb der Bundesstraße". Drei Autos seien erfasst und teilweise mitgerissen worden, doch konnten sich alle Insassen selbst befreien und blieben unverletzt. Wegen einer Mure war auch der Tiroler Reschenpass gesperrt.

An den Fahrzeugen und Straßenleiteinrichtungen sei Sachschaden entstanden, hieß es. Die Mölltalstraße bleibe zwischen Tresdorf und Latzendorf (Bezirk Spittal an der Drau) bis zum Ende der Aufräumarbeiten am Dienstag gesperrt. Damit ist der oberhalb der Gemeinde Stall liegende Teil des Kärntner Gebirgstales, darunter die Orte Rangersdorf, Winklern oder Heiligenblut, nur über Osttirol, konkret die Großglocknerstraße (B107), erreichbar.

Ausweichroute gesperrt

Ebenfalls nur eine großräumige Umfahrungsmöglichkeit gibt es für all jene, die vom Oberinntal in den Südtiroler Vinschgau fahren möchten. Nachdem eine Mure auf der italienischen Seite des Passes abgegangen war, ist die Reschenstraße (B180) am Grenzübergang komplett gesperrt. Ausweichen kann man nur über den Brennerpass oder die mautpflichtige Timmelsjoch Hochalpenstraße.

Die kürzeste Ausweichroute über das Schweizer Engadin scheidet nämlich aufgrund eines weiteren Erdrutsches aus. Wie die Nachrichtenagentur sda am Dienstag in der Früh meldet, verlegte eine Mure den Ofenpass, der das Engadin mit dem Münstertal und in weiterer Folge Südtirol verbindet. Das Münstertal im äußersten Osten der Schweiz war damit vom Rest des Landes komplett abgeschnitten, auch die Postbusverbindung in das Tal und nach Südtirol war bis auf weiteres unterbrochen.

Drei Tage nach den schweren Unwettern ist es am Montagabend im Tiroler Stubaital (Bezirk Innsbruck-Land) neuerlich zu mehreren Murenabgängen infolge von Starkregen gekommen. Der Parkplatz der Gletscherbahn wurde überflutet und ein geparktes Auto mitgerissen, teilte die Landespolizeidirektion Tirol am Dienstag in der Früh mit. Personenschäden seien keine gemeldet worden, die Stubaier Gletscherstraße wurde für den gesamten Verkehr gesperrt.

Im Ortsteil Gasteig hielt die Brücke der L232 einem Murenabgang stand, doch wurde die Straße gesperrt. Auch der Radweg entlang der Ruetz musste gesperrt werden, ebenso wie die Gemeindestraßen Oberberg und Mühlenweg sowie der Uferweg ab der Einmündung des Oberbergbaches in die Ruetz bis zum Eingang ins Oberbergtal.

Zudem musste in Neustift in einer Tischlerei und einem Musiklokal Wasser abgepumpt werden. In der Gemeinde Schönberg kam es auf der B183 ebenfalls zu einem Murenabgang, weswegen die Straße für den gesamten Verkehr gesperrt werden musste.

In Finkenberg (Bezirk Schwaz) brachte das Unwetter einen Baum auf einem Hotelparkplatz zu Fall, der drei geparkte Autos schwer beschädigte. Verletzt wurde dabei niemand.

Die entstandenen Schäden belaufen sich laut einer ersten Schätzung auf rund sechs Millionen Euro. Die Landesregierung sicherte am Dienstag Gemeinden und Privatpersonen eine rasche Umsetzung der erforderlichen Instandsetzungs- und Verbauungsmaßnahmen sowie die Bereitstellung der notwendigen Mittel zu. 

Von den Millionenschäden ist laut Sicherheitsreferent LHStv. Josef Geisler (ÖVP) eine Million Euro dem Landesstraßennetz (Brücke und Aufräumarbeiten) zuzurechnen, 2,5 Millionen Euro der Wildbach- und Lawinenverbauung und 2,5 Millionen Euro dem Wasserbau (an der Pitze, Mellach und Ruetz). Zusätzlich seien über 20 private Schadensereignisse registriert worden. „Tirol wird nicht zuletzt aufgrund seiner Topografie seit jeher von Naturereignissen heimgesucht. Die Natur können wir nicht beherrschen. Aber wir können uns umfassend vorbereiten, bestmöglich schützen und im Ereignisfalls rasch und unbürokratisch helfen“, hielt Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) fest, der am Dienstag an einer Sitzung der Einsatzleitung im Stubaital teilgenommen hatte.

Konkret werde, analog zu früheren Katastrophenereignissen, eine Beihilfe in der Höhe von 50 Prozent des jeweils anerkannten Schadens gewährt. „Davon sind 50 Prozent als Soforthilfe des geschätzten Schadens anzusehen - österreichweit ist das eine einzigartige Vorgehensweise“, hoben Platter und Geisler hervor.

Suche nach Pfarrer "derzeit unmöglich"

Die neuerlichen Unwetter ereigneten sich, während die Aufräumarbeiten nach den Elementarereignissen vom Freitag noch im vollen Gange waren. Zudem wird weiterhin ein Pfarrer vermisst, dessen Auto am Freitag von der Ruetz mitgerissen worden war. Am Montag wurden im Bachbett neuerlich nur Fahrzeugteile gefunden. Die Suche nach dem vermissten Geistlichen ist laut Wasserrettung derzeit unmöglich.

„Wir haben aktuell keine Chance“, schilderte Konrad Kirchebner von der Tiroler Wasserrettung der APA. Nach den neuerlichen Murenabgänge habe man im Wasser aufgrund der Verschmutzung keine gute Sicht, zudem sei der Wasserstand viel zu hoch, erklärte er. „Wir müssen besseres Wetter abwarten“, meinte Kirchebner. Am Mittwoch werde die Lage neu beurteilt. Aber bei der Aufgabe handle es sich um die „Suche der Nadel im Heuhaufen“, verdeutlichte er die Herausforderung.

Der Pfarrer wurde Freitagabend in seinem Auto sitzend von den Fluten mitgerissen. Bei einer Suchaktion am Samstag wurden lediglich private Gegenstände wie eine Bibel, Dokumente und eine Visitenkarte gefunden. Ein Teil des Fahrzeugs des 60-Jährigen war am Samstag in der Ruetz gefunden worden.

Der Leiter der Abteilung Krisen- und Gefahrenmanagement des Landes Tirol, Elmar Rizzoli, hatte am Montag mit Blick auf die erwarteten Unwetter an die Bevölkerung appelliert, entsprechend Vorsicht walten zu lassen und "beispielsweise nicht unbedingt notwendige Autofahrten oder Spaziergänge zu vermeiden bzw. von gefährdeten Bereichen wie Fließgewässern Abstand zu halten". Das betreffe "allen voran die bereits am Wochenende stark betroffenen Gebiete", betonte Rizzoli in einer Aussendung.

In Thomatal im Salzburger Lungau ist in der Nacht auf Dienstag ein Bauernhof während eines Unwetters von einer Mure beschädigt worden. Die Bewohner waren laut Polizei im Haus geblieben und sind unverletzt, die Tiere wurden aus dem Stall gebracht. Durch den Murenabgang im Bereich des Fischergrabens wurde ein Teil der Bundschuh-Landesstraße verschüttet.

Mitarbeiter der Straßenmeisterei Lungau sowie eines Erdbauunternehmens haben noch in der Nacht begonnen, die Straße von den Geröllmassen zu befreien. Im Einsatz standen auch 20 Feuerwehrleute der örtlichen Feuerwehr. Die Bundschuh-Landesstraße bleibt solange gesperrt, bis die Aufräumarbeiten abgeschlossen sind.

18 Einsätze in Kärnten

In Kärnten gab es in der Nacht auf Dienstag 18 Feuerwehreinsätze wegen der Unwetter. Laut Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) hielt sich das Ausmaß der Schäden in Grenzen, nur im Mölltal (Bezirk Spittal an der Drau) gab es massivere Probleme. Am Dienstag zu Mittag war nur mehr die Feuerwehr Stall im Mölltal mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Eine Mure hatte in der Nacht die Mölltal Straße (B106) bei Stall verlegt. Laut Polizei hatte sich der südseitige Hang gelöst und war auf die Straße gerutscht. Drei Autos wurden mitgerissen. Den Insassen gelang es, sich selbst zu befreien. Verletzt wurde niemand.

Die Mölltal Straße bleibt vorerst gesperrt, sagte Bezirkshauptmann Klaus Brandner Dienstagmittag auf APA-Anfrage, es wurden klein- und großräumige Umfahrungen eingerichtet. Man könne die Gefahrensituation noch nicht zu 100 Prozent einschätzen, Schlechtwetter sei angesagt. „Das Wetter sollte sich morgen bessern, dann hoffen wir, die Straße wieder aufmachen zu können.“ Die Schäden seien bei diesem Unwetter nur sehr kleinräumig aufgetreten. In Stall im Mölltal wurde ein Haus vermurt, außerdem wurden mehrere Brücken entlang kleinerer Güterwege weggespült.

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