© Elisabeth Holzer

Chronik Österreich
06/23/2020

Ein Rad-Ring um die Grazer City

Stadt Graz will binnen zehn Jahren die Radweg-Kilometer mehr als verdoppeln. Investiert werden 100 Millionen Euro.

von Elisabeth Holzer

1.100 oberirdische Parkplätze für Autos sowie weitere 2.418 Stellflächen in Tiefgaragen stehen in der Innenstadt exakt 1.541 ausgewiesenen Abstellplätzen für Fahrräder gegenüber. Die aktuelle Statistik zeigt das zahlenmäßig unstimmige Verhältnis Pkw versus Rad in Graz sehr deutlich. Diesen Weg will die Stadtpolitik endgültig verlassen: Binnen zehn Jahren soll das Radwegenetz auf 320 Kilometer angewachsen sein, derzeit ist es 120 Kilometer lang.

Radhauptstadt Europas

„Wir wollen mitspielen, wenn es um die Radhauptstädte Europas geht“, begründet Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP). „Über Raumordnung und Bebauungspläne wird das Rad bei uns einen stärkeren Stellenwert bekommen.“

Auch finanziell, was den Aus- und Neubau betrifft: Bis 2030 investieren Stadt und Land Steiermark jeweils 50 Millionen Euro dafür. Die Hälfte des Geldes fließt in „Rad-Highways“, breite Wege, die Platz genug für flotte (E-)Biker bieten, die auch aus dem Umland einpendeln.

Haltestellen einbauen

Die restliche Summe verteilt sich auf den innerstädtischen Ausbau sowie Infrastruktur wie neue Abstellplätze. So soll es bei jeder der rund 800 Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel in Graz auch sichere Radabstellplätze geben.

Noch liegen die Pläne nur in Umrissen vor, doch sie sind ambitioniert. Die Altstadt soll von einem Ring aus „Rad-Highways“ umschlossen und dadurch zur „verkehrsberuhigten Zone“ werden.

Weniger Parkplätze

Das bedeutet mehr Platz für Radler wie Fußgänger, aber auch neue Bäume oder Gastgärten. Parkende Autos werden dann weichen müssen. „Es geht um eine Flächenumverteilung. Das wird natürlich auf Kosten des ruhenden Verkehrs gehen“, betont Verkehrsstadträtin Elke Kahr (KPÖ).

Die Dimensionen lassen sich derzeit nur schwer abschätzen. Am Beispiel des Bezirks Jakomini könnte es sich laut Stadtchef Nagl um bis zu 30 Prozent der Stellflächen handeln.

Den Begriff „autofrei“ nach Wiener Vorbild benützen die Grazer Stadtpolitiker aber nicht. „Wir müssen auch an die Bewohner der Innenstadt denken, an die Menschen, die mit dem Auto kommen müssen“, überlegt Nagl. „Da muss uns in Sachen Garagierung noch etwas einfallen.“

Autos unter die Erde

Pkw gänzlich von der Oberfläche zu verbannen wäre ein Kapazitätsproblem, derzeit hat Graz in der von den Maßnahmen betroffenen Kernzone nur sechs Tiefgaragen. Außerdem gäbe dies Anlass zu Debatten in der ÖVP-FPÖ-Koalition: FPÖ-Vizebürgermeister Mario Eustacchio will keine „Kampfansagen gegen das Auto“ hören: „Es darf nicht sein, dass gewisse kleine Lobbygruppen, die sehr laut sind, zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Lahmlegen der Innenstadtwirtschaft geht gar nicht.“ Vielmehr seien Anreize zum Umsatteln nötig. „Wir müssen das Angebot bringen, dass mehr Autos unter die Erde kommen.“

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