Bis 2030 investiert die öffentliche Hand 100 Millionen Euro in das Radwegenetz

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Chronik Österreich
10/22/2019

Fahrradsattel statt Autositz: Graz baut Highways für Radler

Bis 2030 pumpt die öffentliche Hand 100 Millionen Euro in den Ausbau. Das dürfte Parkflächen treffen.

von Elisabeth Holzer

Ab 2021 soll das Radwege-Netz in und um Graz neu aufgestellt werden. Angedacht sind Rad-Highways aus den Umlandgemeinden in die Landeshauptstadt, auf denen sportliche Fahrer oder solche auf E-Bikes auch locker mit 30 km/h unterwegs sein können sowie Schnellverbindungen innerhalb der Stadt. Damit soll der Radverkehrsanteil von derzeit 17 Prozent zumindest verdoppelt werden.

Je 50 Millionen Euro investieren die Stadt Graz und das Land Steiermark in das Vorhaben. Damit will ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl die Vorbilder Amsterdam oder Kopenhagen nicht nur ein-, sondern sogar überholen: Bezogen auf die Einwohneranzahl würden in Amsterdam elf Euro und in Kopenhagen 21 Euro pro Kopf für Radinfrastruktur aufgewendet in Graz seien es künftig 33 Euro. „Das wird international Aufsehen erregen“, vermutet Nagl.

Mutig sein

Bis auf die Finanzierung steht allerdings noch nichts, die exakte Verkehrsplanung beginnt erst. „Man wird mutig sein müssen, um dem Radverkehr jenen Stellenwert zu geben, den er braucht“, prophezeit SPÖ-Verkehrslandesrat Anton Lang. „Man wird über Dinge diskutieren müssen, die heute nicht so populär sind.“

370.000 Kfz-Fahrten

Stadtchef Nagl ist da etwas konkreter: „Das Fahrrad wird in einigen Bereichen anderes verdrängen“, gesteht er zu. „Da wird es zum Beispiel die Problematik des Parkens geben.“ Auch die Frage, ob Straßen für den motorisierten Individualverkehr gesperrt werden könnten, steht im Raum. Nagl verspricht jedenfalls ein Bürgerbeteiligungsmodell, ehe die neuen Radrouten festgelegt werden.

 

Das Ziel haben Politiker wie Verkehrsplaner dagegen schon klar vor Augen: So viele Grazer und Einpendler aus Graz-Umgebung wie möglich vom Autositz auf den Fahrradsattel zu bringen. Schon jetzt werden durchschnittlich 370.000 Kfz-Fahrten wochentags in der Landeshauptstadt registriert.

Fünf bis zehn Kilometer

Der Autoverkehr wird jedoch angesichts der Prognosen immer mehr zum Problem: Die Einwohnerzahl von Graz und Umgebung soll bis 2030 um 20 Prozent wachsen. Gleichzeitig sind aber innerstädtische Pkw-Fahrten extrem kurz: 40 Prozent sind maximal fünf Kilometer lang, 60 Prozent höchstens zehn Kilometer.

Zur Präsentation des Projekts am Dienstag nicht eingeladen war die zuständige Verkehrsstadträtin von der KPÖ, Elke Kahr, dagegen allerdings der ÖVP-Landeshauptmann und sein SPÖ-Stellvertreter. Nagl kommentiert dies nur knapp: „Es sind alle Ermöglicher da, die diese Summe bereitstellen.“ Kahr lobt die Aktivitäten rund um das Rad via Presseaussendung dennoch: Diese seien ein „erfreulichen Schwenk kurz von den Landtagswahlen“.