© Nikolaus Tuschar

Reportage
05/06/2020

Ein herzliches Adieu dem Landstreicherbart

Barbiere haben zurzeit Hochkonjunktur und volle Terminkalender. Der KURIER hat einen Salon in Klagenfurt besucht.

von Nikolaus Tuschar

Der große Vorteil der Bärte liege darin, dass man nicht mehr viel von den Gesichtern sehe: Was der amerikanische Westernheld John Wayne einst im Scherz sagte, ist für so manche Partnerin eines Bartträgers wohl nicht mehr amüsant. Gilt doch als Faustregel, dass Bart- ebenso wie Kopfhaare um 0,35 bis 0,40 Millimeter pro Tag wachsen.

Nun waren seit dem österreichweiten Lockdown am 16. März neben den meisten größeren Geschäften und Friseuren auch Barbiere von Schließungen betroffen: Erst seit 2. Mai dürfen sie ihre Läden wieder betreiben – und das nur unter Einhaltung der strengen Hygienevorschriften.

Wie ein KURIER-Lokalaugenschein am Dienstagvormittag zeigt, wurden nicht nur Friseure, sondern wohl auch die Barbiere schmerzlich vermisst: Gegen 10 Uhr stellten sich in der Bahnhofstraße in Klagenfurt zahlreiche bärtige Männer in einer Reihe auf. Für Außenstehende könnte die Szenerie durchaus an ein Casting für die Fortsetzung des Films „Cast Away“ mit Tom Hanks als Schiffbrüchigen erinnern.

Gewartet wird grundsätzlich draußen, während drinnen schon fleißig geschnitten wird. Die Wartezeiten halten sich in Grenzen, am Dienstagvormittag wartet man rund 20 bis 30 Minuten – den Wartenden wird türkischer Kaffee kredenzt.

Ohne Termin geht jedoch nichts. Für den KURIER wird allerdings eine Ausnahme gemacht: „Der Terminkalender ist bis in die nächste Woche gut gefüllt“, sagt einer der Mitarbeiter und deutet auf den dicht beschriebenen Kalender auf der Theke.

Barbier hinter Vollvisier

Im Salon gilt Maskenpflicht – für Kunden wie für Mitarbeiter. Als Besucher muss man Maske tragen, auch während des Haarschnitts. Sie darf nur dann abgelegt werden, wenn es dem Bart an den Kragen geht. Die Mitarbeiter selbst haben größtenteils ein Vollvisier aus Plexiglas, einige tragen auch einfache Mund-Nasen-Schutzmasken. Bei jedem neuen Kunden wechseln die Mitarbeiter selbstverständlich ihre Schutzhandschuhe.

Der Kunde Haris Elmazovic freut sich, nach mehreren Wochen des Nicht-Rasierens nicht mehr auszusehen wie ein Schiffbrüchiger, wie er scherzt. „Nach Wochen des absoluten Ausnahmezustands ist ein Besuch beim Barbier Balsam für die Seele. Es ist eine Schritt Richtung Normalität.“

Und das Gefühl nach der frischen Rasur – unbezahlbar.

 

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