Die Coronakrise bietet Erdbebenforschern ungeahnte Chancen. Durch den wochenlangen Stillstand vieler gesellschaftlicher Bereiche ist es auch auf der Erdoberfläche ruhiger geworden. 

© APA/ROLAND SCHLAGER

Chronik Österreich
03/31/2021

Ein Erdbeben (fast) wie damals

Magnitude 4,6. Wie vor 50 Jahren lag das Epizentrum bei Neunkirchen. Binnen 24 Stunden gab es Dutzende Nachbeben

von Birgit Seiser, Patrick Wammerl

Die KURIER-Schlagzeile von vor knapp 50 Jahren könnte dieser Tage genauso stehen bleiben. Nur inhaltlich müsste – zum Glück – einiges verändert werden. Am Dienstagabend erschütterte ein Erbeben die Region rund um Neunkirchen. Mit einer Stärke von 4,6 war das Beben in weiten Teilen Österreichs deutlich spürbar, ebenso in Bratislava. Das Epizentrum lag in Breitenau am Steinfelde, nur wenige Kilometer entfernt von Seebenstein, dem Epizentrum des Bebens von 1972. Die Meldungen über Schäden sind allerdings anders als damals. Laut den Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gibt es nur eine Meldung über einen Riss in einer Hauswand. Vor 50 Jahren setzten die Erdstöße Gebäuden hingegen enorm zu. Sogar der Wiener Neustädter Dom wurde damals beschädigt, Straßen waren wegen herabgefallener Kamine stundenlang gesperrt.

Erinnerungen geweckt

Christine Spiegel wurde Zeugin beider Beben. Die Niederösterreicherin war vor 49 Jahren wie auch am Dienstag im Bezirk Neunkirchen quasi im Epizentrum. „Wir haben uns damals, 1972, eine Wohnung angesehen und sind am Balkon gestanden. Plötzlich hat alles gebebt und die Erde und Bäume haben sich wellenförmig bewegt. Das war sehr erschreckend“, erklärt die Pensionistin im Gespräch mit dem KURIER. Am Dienstag war die 74-Jährige gerade im Haus ihrer Tochter in Seebenstein, um nach den Hunden und Katzen zu sehen, als ein gewaltiger „Rumms“ durch das Gebäude ging. „Es hat alles gewackelt. Ich bin intuitiv sofort in den Garten hinaus gegangen. Das hat man uns früher so eingebläut“, sagt Spiegel.

Nach ein paar Sekunden war der Spuk wieder vorbei – zumindest der spürbare. Experten der ZAMG berichteten nämlich, dass es bereits Dutzende leichte Nachbeben gegeben habe. Bis zum Redaktionsschluss waren es 38. Das Stärkste war mit einer Magnitude von 2,2 am Mittwochnachmittag aber nicht wahrnehmbar.

Beben war zu erwarten

Dass es bald zu einem heftigen Beben kommen würde, war erwartbar – obwohl die Vorhersage von Erdstößen unmöglich ist. Hier kann man aber die Statistik bemühen, wie Maria del Puy Papi-Isaba, Abteilung Geophysik der ZAMG erklärt: „Solche Beben ereignen sich alle paar Jahrzehnte. Das letzte größere in der Region war im Jahr 2000 in Ebreichsdorf. Damals wurde eine Magnitude von 4,8 gemessen. Man kann sich das so vorstellen, als hätte die Erde überschüssige Energie entladen, weswegen es eher unwahrscheinlich ist, dass es bald wieder zu starken Beben kommt. Aber trotzdem muss gesagt sein, dass das nicht wie beim Wetter ist. Man kann Erdbeben nicht prognostizieren.“

Die Region südlich von Wien ist erdbebenanfällig. Das liegt an einer horizontalen Verschiebung in der Mur-Mürztal-Furche. Der östliche Erdkrustenteil wird dort weiter nach Osten gedrängt. Durch diese Bewegung entstand das Wiener Becken, das von einer Tiefenstörung durchquert wird. Diese erstreckt sich von Seebenstein über Wiener Neustadt, Ebreichsdorf und Schwadorf bis nach Marchegg.

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