© Kurier/Juerg Christandl

Reportage
02/14/2021

Erdbeben in Kroatien: KURIER-Leser sammelten 182.000 Euro

Hoffnung: Im Erdbebengebiet rund um die Stadt Petrinja waren in den vergangenen Wochen berührende Szenen zu beobachten.

von Uwe Mauch

Mladen und Stojan, es sind Geschichten wie ihre, die das viel zitierte Glück im Unglück gut beschreiben: Mladen, der Besitzer einer Kfz-Werkstatt in Ivanić-Grad, ist Kroate; der 91-jährige Pensionist Stojan aus dem 15-Einwohner-Dorf Drenovac Banski gehört der serbisch-stämmigen Minderheit an. Das schwere Erdbeben kurz vor Jahreswechsel hat die beiden Männer zu Freunden werden lassen.

Bereits zwei Tage nach dem Unglück läutete Mladen mit fünf Freunden, privatem Werkzeug, großem Elan und gespendeten neuen Dachziegeln an Stojans Haustür.

Der rüstige Senior, dessen Nachbarn zu Kriegsende vor 25 Jahren in der Mehrzahl nach Serbien geflüchtet sind, wundert sich heute noch: „Die Burschen haben den ganzen Tag auf meinem Dach ohne Pause gearbeitet. Am Abend waren sie fertig. Ich weiß noch immer nicht, wie ich ihnen danken soll.“

Gut dreißig Dächer hat Mladen mit seiner „ekipa“ aus Freiwilligen in wenigen Tagen gedeckt. Doch nicht nur die Hilfsbereitschaft in Kroatien war und ist außergewöhnlich, auch viele Menschen aus Österreich haben ihren Nachbarn geholfen.

Dražen Klarić, Mitarbeiter der Caritas in Sisak, freut sich, dass man bereits hundert Container ausliefern konnte, darunter die ersten, die dank der Spenden der KURIER-Leserschaft (siehe rechts) angekauft wurden.

Unter teils schwierigen Bedingungen suchen sich die Sattelschlepper mit den aufgeladenen Containern ihren Weg durchs Erdbebengebiet. Viele Straßen, die von den Städten Sisak, Petrinja oder Glina zu den zerstörten Dörfern führen, waren schon vor dem Beben in katastrophalem Zustand. Die lange anhaltenden Niederschläge haben sie noch löchriger gemacht.

„Doch die Lage ist für uns etwas übersichtlicher geworden“, erklärt Klarić. „Somit werden wir in Kürze unser Ziel erreichen.“ Rund 200 Container sollen ausgeliefert werden. Diese können von den Bewohnern bis zu drei Jahre lang kostenlos geliehen werden. „Zeitgleich starten wir ein eigenes Haus-Wiederaufbau-Programm.“

„Klein-Lieboch“

So viele Feuerwehrautos aus Österreich hätten sie noch nie gesehen, erzählen Polizisten einer Zagreber Spezialeinheit für Konvoifahrten. Auch privat organisierte Hilfslieferungen gab es ohne Ende. In Kürze bringen Burgenlandkroaten erneut Betten und Baumaterial „runter“.

Schön ist auch diese Geschichte: Sieben Gemeinden, Pfarrgemeinden und dazu ein lokal ansässiges Transportunternehmen in Lieboch bei Graz haben sich zusammengetan. Mit dem Geld, das gesammelt wurde, konnten 14 Container angekauft und nach Sisak als „Klein-Lieboch“ transferiert werden.

„Bei uns hat Helfen Tradition“, sagt Initiator Gerhard Huber. „Seit 25 Jahren schon unterstützen wir eine kleine Stadt in Slawonien. Dadurch sind langjährige Freundschaften entstanden.“

Einen Container hat auch die Merkur Versicherung im Rahmen der KURIER-Hilfsaktion gespendet. Sie hat in Zagreb eine moderne Privatklinik für ihre Versicherten eingerichtet. Dort betonen beide Geschäftsführer, dass sie es damit nicht belassen wollen: „Wir werden unsere Klinik für die Erdbebenopfer öffnen“, erklären die Grazerin Andrea Schleich und ihr Zagreber Kollege Robert Vrca. „Und zwar für das Personal aus dem Krankenhaus Sisak, das ja durch das Erdbeben besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.“

Damit wolle man speziell jenen helfen, „die unter extrem schwierigen Arbeitsbedingungen kranke Menschen betreuen und dabei sicher keine Zeit haben, um auf ihre eigene Gesundheit zu achten“. Tatsächlich ist die Lage in den wenigen zugänglichen Abteilungen prekär. Covid-Patienten und akute Notfälle müssen derzeit in Militärzelten behandelt werden.

„Als Lebensgrundlage“

Inzwischen beginnt der Schnee in der von Armut geprägten Region Banovina zu schmelzen. Innovative Helfer wie der Zagreber Rot-Kreuz-Mann Petar Penava bereiten bereits weitere Hilfprojekte vor. Während des Erdbebens sind viele Nutztiere unter den Trümmern einstürzender Ställe begraben worden, so Penava. Daher hat er diesen Plan im Auge: „Wir wollen Tiere als Lebensgrundlage für die Betroffenen anschaffen.“

Ein ähnliches Konzept verfolgt die Caritas seit Jahren bei einer ganz anderen Hilfsaktion. Das Motto dort: „Meine Ziege sichert Frieden und Wohlstand in Burundi.“

Positive Reaktionen auf die KURIER-Hilfsaktion

„Ein herzliches Dankeschön für Ihre ausführliche Berichterstattung“ sandte der Botschafter der Republik Kroatien in Wien, Daniel Glunčić, zu Beginn der Woche an die KURIER-Redaktion. Zeitgleich zollte sein österreichischer Kollege in Zagreb, Markus Wuketich, seinen Respekt.

Michael Opriesnig, Generalsekretär beim Österreichischen Roten Kreuz, bedankt sich  bei den KURIER-Lesern „für ihre großzügigen Spenden“. Und Andreas Knapp, Auslandshilfe-Generalsekretär der Caritas Österreich, betont: „Diese Spenden  haben für die Betroffenen einen echten Unterschied gemacht. Die beheizbaren Wohncontainer ermöglichen es Dorfbewohnern, bei ihren Häusern, Tieren und Gärten zu bleiben und somit ihre Lebensgrundlage zu erhalten.“

Auf den Spendenkonten der beiden Kooperationspartner sind bisher 127.000 Euro eingegangen. Darüber hinaus wurde die Hilfsaktion  von österreichischen Unternehmen, die in Kroatien tätig sind, unterstützt: Sie haben Container im Gegenwert von 55.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Die beiden professionellen Helfer Opriesnig und Knapp planen nun bereits die nächsten Schritte: „Für den Wiederaufbau ist ein langer Atem nötig.“

So will man in den kommenden beiden Jahren  35.000 Menschen in Mittelkroatien bei ihrem Neuanfang finanziell und mit Gerätschaften unterstützen. Mit dem Geld können sie Reparaturen vornehmen, Saatgut, Nutztiere und Baumaterial erwerben. Eine zweite Säule ist die gesundheitliche und psychologische Hilfe der Betroffenen.

Die Spendenkonten der Caritas und vom Roten Kreuz bleiben für KURIER-Leser weiterhin geöffnet.

Gemeinsam stark: Der KURIER kooperiert bei seiner Spendenaktion mit den beiden Hilfsorganisationen Rotes Kreuz und Caritas. Darüber hinaus unterstützen erfahrene Mitarbeiter des AußenwirtschaftsCenter Zagreb der Wirtschaftskammer (WKÖ) die Aktion mit ihrer in Kroatien erworbenen Expertise.

Caritas: Kennwort: „Kroatienhilfe KURIER“. Der IBAN des Spendenkontos der Caritas lautet: AT23 2011 1000 0123 4560

Rotes Kreuz: Kennwort: „KURIER Erdbebenhilfe Kroatien“.  Der IBAN des Rot-Kreuz-Spendenkontos lautet: AT57 2011 1400 1440 0144

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