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Chronik Österreich
10/04/2020

Ein 54-Jähriger wird Polizist

Gilbert Brandl war Journalist. Jetzt ist er der älteste Polizei-Schüler.

von Michaela Reibenwein

Wenn er als Kind Räuber und Gendarm spielte, war Gilbert Brandl der Gendarm. „Natürlich“, bekräftigt er. „Aber ich hab’ die Räuber immer heimlich losgebunden. Es waren ja Kinder.“

Und es ist tatsächlich ein Kindheitstraum, den sich der Mann aus Wien-Meidling gerade erfüllt – mit 54 Jahren macht Brandl gerade die Polizeiausbildung in der Wiener Marokkanerkaserne. Er ist der älteste Polizeischüler. Nicht nur in seiner Klasse. Mit den jungen Mitschülern gebe es gar keine Probleme. „Aber die besten Witze übers Alter kommen immer noch von mir!“, stellt er klar und lacht.

„Kein Rennfahrer“

Brandl kommt beruflich aus einer völlig anderen Ecke. Lange Jahre war er als Journalist tätig. Für Zeitungen und Zeitschriften, fürs Radio oder für Videoproduktionen und das klassische Fernsehen.

Sein Traumjob war das nicht. „Als Kind willst du zur Polizei oder zur Feuerwehr. Oder du willst Rennfahrer sein.“ Der Rennfahrer scheiterte für den jungen Gilbert Brandl am fehlenden Führerschein, der Feuerwehrmann am frühen Aufstehen. „Da blieb halt der Polizist über.“

Doch es hat lange gedauert, bis dieser Berufswunsch in Erfüllung ging. Als Brandl merkte, dass seine Zeit als Journalist zu Ende geht, ermutigte ihn ein Freund – der selbst Polizist ist – doch noch die Aufnahmeprüfung zu machen. Also versuchte er es. „Und ich bin prompt durchgefallen“, erzählt Brandl.

Was folgte, waren zwei Jahre lang Training. „Mit einem befreundeten Triathleten. Der hat mich im Winter tatsächlich über den gefrorenen See gejagt – wie im Film Rocky.“ Die Mühe machte sich belohnt. Beim zweiten Anlauf schaffte Brandl dann den Aufnahmetest.

Jetzt sitzt er also mit deutlich jüngeren Mitschülern in der Klasse. Übt das richtige Verhalten bei Einsätzen. Diskutiert über rechtliche Aspekte. Und „lernt so viel wie nie zuvor.“

Der Nächste ist 46

Dass er mit Abstand der älteste Schüler ist (der nächstälteste Kollege in Ausbildung ist 46 Jahre alt, Anm.), spiele keine Rolle, sagt er. „Wir fangen alle bei null an.“ Und die Witze übers Alter, die hält er aus. „Ich fühle mich angekommen.“ Brandl ist gekommen, um zu bleiben. Zumindest die nächsten elf Jahre bis zur Pension.

Wo er sich genau bei der Polizei sieht? „Für die WEGA, die Cobra und den Hubschrauberpilot wird es sich nicht mehr ausgehen“, grinst er. „Aber sonst bin ich gerne überall dabei. Wichtig ist mir, dass ich den Menschen helfen kann. Ob das beim Schulweg sichern ist oder indem ich einer alten Frau dabei helfe, ihren Autoschlüssel zu finden, ist mir egal.“ Er selbst habe nie schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht. Nie? „Ja, okay. Ich habe vor Kurzem 50 Euro Strafe wegen Schnellfahrens gezahlt. Aber da war ich selber schuld.“

Die ersten Erfahrungen als Polizist hat er bereits in der ersten Praxisphase beim Stadtpolizeikommando Döbling sammeln können. Dort hat er für verwunderte Reaktionen gesorgt: „Die Leute gehen automatisch eher auf dich zu, weil sie glauben, du bist der Polizist mit mehr Erfahrung. Da musst du ihnen schon einmal erklären, dass du hier gerade gar nichts zu sagen hast und erst in der Ausbildung bist.“

In drei Wochen steht eine Dienstprüfung an. Dann folgen noch einmal vier Monate Praxis. Geht alles gut, wird Brandl am 1. März 2021 als Inspektor den regulären Dienst beginnen.

Doch etwas hat sich verändert. Das Krimi schauen. „Wenn beim ,Tatort‘ eine gefährliche Drohung mit einer Nötigung verwechselt wird – dann ärgere ich mich“, sagt Brandl schmunzelnd. Der Medienmensch ist in der Polizistenwelt angekommen.

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