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Chronik Österreich
09/06/2019

Dürre Zeiten: "Wir befinden uns schon mitten in der Klimakrise"

Trockenheit und andere Wetterextreme verursachen laut erster Bilanz der Hagelversicherung 150 Millionen Euro Schaden.

von Kevin Kada, Claudia Koglbauer-Schöll

Die Getreideernte ist längst eingefahren, jetzt steht die Ernte von Soja, Mais, Zuckerrüben und Kürbis bevor. „Für diese Herbstkulturen sind sehr deutliche Ausfälle zu befürchten“, sagt Wolf Reheis von der Landwirtschaftskammer Burgenland. Der Experte der Pflanzenbauabteilung befürchtet 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag als bei einer Durchschnittsernte. Das trockene Wetter und die geringe Niederschlagsmenge habe den Kulturen zugesetzt, erklärt Reheis. Die Hagelversicherung hat am Donnerstag bereits eine erste Bilanz der Schäden, die heuer durch Ernteausfälle entstanden sind, gezogen: 150 Millionen Euro betrage der Schaden, der aufgrund der Wetterextreme entstanden sei.

„Mittlerweile vergeht kaum noch ein Jahr ohne großflächige Dürreschäden in der Landwirtschaft“, sagt Kurt Weinberger, Chef der Österreichischen Hagelversicherung. Die extreme Trockenheit habe sich bereits in den vergangenen sechs Jahren mit einem Schaden in der Landwirtschaft von einer Dreiviertelmilliarde Euro zu Buche geschlagen, rechnet Weinberger vor.

Der heurige Sommer sei der zweitwärmste, der Juni der wärmste und trockenste Monat in der 253-jährigen Messgeschichte gewesen. Und auch wenn sich in diesem Jahr die Dürreschäden von 230 Millionen Euro im Vorjahr um mehr als die Hälfte – auf rund 100 Millionen – halbiert hätten, betrage der Gesamtschaden durch Ernteausfälle dieses Jahr dennoch mehr als 150 Millionen Euro.

Nieder- und Oberösterreich besonders betroffen

Besonders betroffen sind Landwirte in Teilen von Niederösterreich und Oberösterreich, regional in den westlichen Bundesländern sowie in Oberkärnten, im oberen Murtal und im Nord- und Mittelburgenland – hier blieb der Regen heuer großteils aus. „Die Schadenssituation ist vor allem vom Standort und auch von der Beschaffenheit der Böden abhängig“, heißt es von der Hagelversicherung.

Während das Wintergetreide trotz eines überdurchschnittlich warmen und vor allem im Norden niederschlagsarmen April – aber einem kühlen und regnerischen Mai – glimpflich davongekommen sei, haben mangelnder Niederschlag und die hohen Temperaturen in den Sommermonaten vielerorts das Grünland und den Mais in Mitleidenschaft gezogen.

"Wir befinden uns schon mitten in einer Klimakrise"

Dass diese extremen Witterungsbedingungen bedingt durch den Klimawandel keine Ausnahme bleiben werden, davon ist Weinberger überzeugt: „Wir befinden uns schon mitten in einer Klimakrise. Die bereits eingetretenen Auswirkungen der Erderwärmung können wir nicht mehr reduzieren, sondern maximal stabilisieren.“

Mehr als 70 Prozent der Agrarflächen sind bereits gegen Hagel, Dürre, Überschwemmung, Frost, etc. versichert. Ein weiteres Problem, das durch extreme Wetterbedingungen hervorgerufen wird, sind Schädlinge wie beispielsweise Mäuse. Im nö. Weinviertel sorgte heuer eine große Mäuseplage für heftige Einbußen bei der Getreideernte. Teilweise haben die Nager ganze Felder leer gefressen, eine Versicherung kommt für diese Schäden nicht auf. Auch die Weinbauern bangen derzeit, denn auch ihre reifen Trauben könnten den Nagern schmecken.