Chronik | Österreich
25.07.2018

Dubiose Geschäfte mit alten Euros: Wie aus Schrott Geld wird

Legal, illegal oder halblegal? Via Asien werden kaputte Münzen wieder wertvoll.

Am heutigen Mittwoch steht in Feldkirch ein Deutscher wegen Verdacht des Betruges vor Gericht. In seinem Wagen fand die Vorarlberger Polizei 117 Kilogramm Münzen: Schweizer Franken, Euro und sogar Deutsche Mark. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann Teil eines äußerst dubiosen, weltumspannenden Geschäftsmodells ist, über das man in der verschwiegenen Finanzbranche lieber nicht so gerne spricht. Aus Schrott werden dabei Millionen Euro gemacht.

Das funktioniert folgendermaßen: Über zwei verschiedene Wege kommen vor allem chinesische Firmen zu altem, kaputten Geld. Der eine ist auf der Homepage einer Firma aus Hong Kong beschrieben: „In jedem verschrotteten Auto in den USA werden im Schnitt ein Dollar und 65 Cent vergessen. In guten Jahren werden 14 Millionen Autos verschrottet. Allein in den USA warten also 20 Millionen Dollar pro Jahr darauf, entdeckt zu werden.“

Tonnenweise Münzschrott

Und es gibt auch noch eine weitere Methode, zu altem Geld zu kommen. Allein die deutsche Bank verschrottet pro Jahr rund 500 Tonnen altes Geld. Die Euros werden zerlegt, verbogen und unbrauchbar gemacht. Doch es wird vermutet, dass dieses Altmetall über verschlungene Wege ebenfalls nach Asien gebracht und dort wieder zusammengesetzt wird.

Die Münzen werden dann in China als Kiloware verkauft und von Interessenten nach Europa gebracht. Manche versuchen das Geld in Automaten zu werfen, andere gehen zu den Nationalbanken und tauschen dort um. In Österreich landen bei der Münze Österreich mehrere solche Fälle pro Jahr.

Im Februar 2016 wurde das Gesetz verschärft. Offenbar gab es zu viele Fälle, wie es in Exekutivkreisen heißt. In Deutschland soll es einen Fall gegeben haben in dem es um Millionen Euro ging. Ein ganz markanter Fall hat kürzlich auch Justiz und Kriminalpolizei in Niederösterreich beschäftigt. Ein namhaftes Entsorgungsunternehmen wollte bei der Münze Österreich unkenntliche, beschädigte und alte Münzen zu „echtem“ Geld für den Zahlungsverkehr machen.

Betrugsermittlungen

Das Misstrauen hatte zur Folge, dass bei dem Entsorgungsbetrieb die Betrugsermittler des Landeskriminalamtes einmarschierten, weil bei der Münze Österreich die Alarmglocken geläutet hatten. Da die Firma kistenweise alte und teils kaputte Münzen zu Euros machen wollte, war man stutzig geworden.

Die Sache ließ sich allerdings von den Kriminalisten aufklären. Der Entsorgungsspezialist kauft im Rahmen seiner Tätigkeit in großen Mengen Alt- und Buntmetall zur Wiederverwertung an. Dabei finden sich auch immer wieder alte Münzen in den Metallbeständen. Diese wollte die Firma zu Geld machen. Auf Grund der verschärften Richtlinien wurden aber nur solche Münzen eingetauscht, die tatsächlich auch als Euro identifiziert werden konnten. Die Auseinandersetzung kochte hoch.

Von den mehr als 50.000 Euro, die sich die Firma erwartet hatte, wurde etwa nur die Hälfte von der Münze Österreich als Euro anerkannt und umgetauscht. Der Rest war unlesbar oder ausländisches Geld. Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt.

„Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen, deshalb hat es keinen Sinn, da etwas zu versuchen“, sagt Sprecherin Andrea Lang. Auf gut Deutsch: Verdachtsfälle, etwa wenn jemand mit 100 Kilo unlesbarer Münzen aus einem angeblichen Wünschelbrunnen vor der Türe steht, werden zur Anzeige gebracht. „Wenn man sich beispielsweise den Fall in Vorarlberg anschaut, dann muss man sich schon überlegen, warum hat jemand 117 Kilo Münzen im Auto?“

Aus China

Der Deutsche rechtfertigt sich jedenfalls damit, dass er zwei Mal im Monat nach China fährt und um 30.000 Euro alte Münzen vor allem aus verschrotteten Waschmaschinen und Trockenautomaten aus Wäschereien aufkauft. Das sind rund 400 Kilo pro Fahrt.

Was er nicht in Automaten werfen kann, führt er zur Deutschen Bundesbank. Auch die 117 Kilo waren dafür gedacht.

Handelt es sich dabei tatsächlich um unbrauchbar gemachte Münzen, dann droht dem Mann auch noch ein Schuldspruch wegen Weitergabe und Besitz nachgemachten oder verfälschten Geldes. Dafür drohen bis zu fünf Jahre Haft und bei einem Wert von mehr als 300.000 Euro sogar zehn.