Chronik | Österreich
06.09.2017

Dubiose Flugzeugunfälle: Minister sucht Verräter

Angeblich falsch zertifizierte Flugzeuge stürzten ab, es gab rund 30 Tote – nun ermittelt der Staatsanwalt. Gegen jenen, der Informationen dazu nach außen gegeben hat.

In anderen Ländern hätten die KURIER-Enthüllungen vom vorvergangenen Wochenende wohl das Zeug zu einem gehörigen Skandal: Ein internes (und bis dahin geheim gehaltenes) Dokument des Verkehrsministeriums besagt, dass zwei von Austro-Control zugelassene Flugzeugtypen vielleicht nie hätten abheben dürfen. Denn sie entsprachen "teilweise nicht den Anforderungen der Luftfahrt". Bei den Motoren habe die "vorausgesagt Standfestigkeit mit der tatsächlichen bei weitem nicht übereingestimmt". Es wurden Stecker und Kontakt verwendet die "teilweise lediglich den Anforderungen für Straßenfahrzeuge, nicht aber den Anforderungen der Luftfahrt" entsprechen. Der niederösterreichische Hersteller Diamond Aircraft bestreitet alle Vorwürfe vehement.

Keine Berichte

In der Folge stürzten mehrere Maschinen der betroffenen Typen DA 40 und DA 42 ab. Vor allem in den Jahren 2007 bis 2009 kam es – noch mit den damals verwendeten Thielert-Motoren – zu mehreren Unfällen, allein dabei starben 18 Menschen. Drei Unglücke passierten in Österreich. Zu keinem einzigen gibt es einen fertigen Untersuchungsbericht des Verkehrsministeriums. So lange dauerten nicht einmal Ermittlungen bei der Concorde oder jener im Atlantik abgestürzten Air-France-Maschine.

Insgesamt starben laut internationalen Datenbanken rund 30 Menschen bei Abstürzen mit den Thielert-betriebenen Flugzeugen. Verkehrsminister Jörg Leichtfried reagiert nun. Am Dienstag brachte sein Ressort eine Sachverhaltsdarstellungen gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft ein. Es geht um Verletzung des Amtsgeheimnis. "Wie jetzt bekannt wurde, war im Rahmen von Untersuchungen anlässlich eines Flugzeugabsturzes im Herbst 2007 der interne Entwurf eines vorläufigen Berichts vorab an beteiligte Parteien weitergegeben worden. Das ist rechtswidrig, zumal (...) die Dokumente einer Sicherheitsuntersuchung einer besonderen Vertraulichkeit unterliegen. Und dabei können finanzielle, berufliche und geschäftliche Interessen von Dritten geschädigt worden sein."

Die Staatsanwaltschaft soll also nun den Verräter suchen. Weitere Konsequenzen gibt es bisher nicht.