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Chronik Österreich
10/22/2020

Dschihadismus-Vorwürfe: Tanner beruft Militär-Imam ab

Der Vorwurf stammt von der FPÖ, die sich auf ein Video des selbst ernannten Islamexperten Irfan Peci beruft.

von Bernhard Ichner

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) beendet die Zusammenarbeit mit dem Militär-Imam des Bundesheeres. Anlass sind Anschuldigungen, Abdulmedzid S. habe öffentlich Sympathie für die ehemalige Dschihad-Bewegung in Bosnien gezeigt. Tanner forderte die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) am Donnerstag via Medien auf, den Imam zu ersetzen.

„Der politische Islam hat keinen Platz im Bundesheer“, erklärt die Ministerin in einer Aussendung. Man habe umgehend mit umfassenden Prüfungen begonnen. Sollten sich die Anschuldigungen erhärten, würden weitere Maßnahmen folgen. Die Zusammenarbeit mit der IGGÖ bleibe „selbstverständlich bestehen“, man werde umgehend in Gespräche mit ihr treten.

Zuvor hatte FPÖ-Wehrsprecher Reinhard Bösch den Vorwurf erhoben, der Imam sympathisiere mit dem Dschihad in Bosnien, teile Dschihadisten-Videos und stehe in Kontakt zu Kriegsverbrechern.

„Islamistenjäger“ sympathisiert mit Pegida

Bezogen haben dürfte Bösch diese Informationen von Irfan Peci. Der  „Islamistenjäger“, wie er sich selbst nennt, zeigt in einem Youtube-Video unter anderem ein Foto des Imams mit dem bosnischen General Atif Dudakovic, der am Balkan für die Ermordung Hunderter Serben verantwortlich gewesen sein soll. Das Bild soll der Imam mit „Held“ übertitelt haben.

Irfan Peci ist seinerseits allerdings auch kein Unbekannter. Deutsche Medien berichten etwa über Auftritte des selbst ernannten Islamexperten bei Pegida-Treffen sowie über rassistische Aussagen. Fotos zeigen ihn Seite an Seite mit Identitären-Chef Martin Sellner.

IGGÖ prüft die Causa

Bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft zeigt man sich von der Kommunikationsstrategie des Ministeriums irritiert. "Leider scheint es zur Normalität zu werden, dass Entscheidungen von Ministerien nur noch via Medien kommuniziert werden", kritisiert IGGÖ-Präsident Ümit Vural.

Der besagte Imam sei bis dato nicht negativ aufgefallen. Da Imame aber Vorbilder seien und "zu Besonnenheit, Verfassungstreue und interreligiösem Frieden stehen müssen", werde man die Causa gewissenhaft prüfen und dem Ministerium die Entscheidung mitteilen, sagt Vural. Die Seelsorge im Bundesheer sei unabhängig davon weiter gewährleistet.

Dass sich das Ministerium auf ein Video des Pegida-Sympathisanten Irfan Peci stützt und ohne weitere Prüfung der Vorwürfe den Imam absetzte, kritisiert unter anderen Politologe Thomas Schmidinger.

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