RUSSIA-INTERNET-TELEGRAM

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Chronik Österreich
12/21/2021

Drogen-Hotspot Telegram: Das Geschäft floriert

Der Handel mit illegalen Substanzen mittels Messengerdienst Telegram befindet sich auf einem hohen Niveau. Das Bundeskriminalamt kann ihn nur begrenzt überwachen.

von Antonio Šećerović

Spricht Daniel Lichtenegger über die neuesten Trends beim Drogenverkauf im Internet, so verwendet er fast nur ein Wort: Telegram. Der Leiter des Büros zur Bekämpfung der Drogenkriminalität im Bundeskriminalamt (BK) beobachtet, wie sich das Drogengeschäft immer stärker von der Straße ins Internet verlagert hat.

Das Geschäft im virtuellen Raum floriert in der Pandemie auf einem „hohen Niveau“, sagt der Experte. Wurde früher in dunklen Parks und Gassen gedealt, wird das heute in vielen Fällen beim Messengerdienst Telegram gemacht.

Es handelt sich um eine App, mit der die Nutzer untereinander – auch anonym – kommunizieren können. Das Erschreckende daran ist, dass man relativ leicht in eine der Gruppen mit teils 70.000 Mitgliedern gelangt, wo sich „verifizierte Verkäufer“ als „zuverlässig und seriös“ vorstellen. Dort bieten Dealer unterschiedliche Preise, Qualität und Liefermöglichkeiten an. Bezahlt wird nicht mit Bargeld, sondern mit diversen Kryptowährungen.

drogen telegram

Derartige Drogengeschäfte sind dem BK längst bekannt. Aber wie kann es dann sein, dass Dealer weiter online ihrem Geschäft nachgehen können? „Die Überwachung solcher Plattformen passiert, soweit dies rechtlich möglich ist. Zwei große Hindernisse machen die Ermittlungen noch schwieriger als sie schon sind: die rechtliche Handhabe und begrenzte Ressourcen“, erklärt Lichtenegger.

Keine Mangelware

Laut Schätzungen finden zehn Prozent des Gesamthandels von Rauschgift virtuell statt, die Dunkelziffer jedoch soll deutlich höher sein. „Auch wenn die Grenzen durch die Lockdowns dicht waren, gab es keinen Mangel an Ware“, stellt der Experte fest. Die Preise seien in der Corona-Zeit relativ stabil geblieben.

Im Gegensatz zum Straßenverkauf, wo Cannabis als die Droge Nummer eins galt, dominieren im Online-Handel synthetische Drogen wie Amphetamine, die zu 80 Prozent vom niederländischen Markt kommen.

Doch zurück zum Online-Drogenmarkt: In einem Telegram-Kanal mit Hanfblatt als Profilbild verlangt ein Dealer beispielsweise bis zu 3.200 Euro für 50 Gramm Kokain. Die Dealer, die sich selbst meist Namen mit Bezug zu Drogen gegeben haben, bieten eine Lieferung spätestens eine Stunde nach der Zahlung an.

„Pfadfinderkekse“

Im Angebot stehen Kokain und Cannabis, aber auch das Pferdebetäubungsmittel Ketamin sowie Amphetamine und halluzinogene Pilze. Der Renner sind derzeit Cannabis-Sorten wie die „Weiße Witwe“, „Zitronendiesel“ oder „Pfadfinderkekse“.

Telegram ist dabei eine Alternative zum Darknet, einem schwer zugänglichen Teil des Internets, wo kriminelle Banden organisiert Drogen und Waffen verkaufen. Wobei in diesen dunklen Sphären noch immer die Mehrheit der Online-Drogengeschäfte abläuft.

Egal ob Telegram oder Darknet, die Zusteller schicken die Ware oft per Post. Laut dem Bundeskriminalamt wurden seit 2016 insgesamt 17.600 Drogen-Postsendungen mit knapp 900 Kilo Rauschgift beschlagnahmt, davon 60 Kilogramm im Corona-Jahr 2020.

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