Gespritzt wird Heroin mittlerweile nur mehr selten. Viele schnupfen die Drogen

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Chronik Österreich
03/12/2021

Drogenproblem in Kärnten: Drei Tote in einem Monat

In Kärnten ist so viel Heroin am Markt wie selten zuvor. Warum die „schmutzige“ Droge ein Comeback erlebt und was Online-Bewertungen damit zu tun haben.

von Anja Kröll

Mitte Februar: Ein 21-Jähriger wird tot in der Wohnung seines Onkels in Klagenfurt aufgefunden. Anfang März: Ein zweifacher Familienvater (35) wird leblos in seiner Wohnung in Klagenfurt aufgefunden. Donnerstag, 11. März: Ein 32-Jähriger wird leblos vor seiner Wohnung in Klagenfurt aufgefunden.

Es sind drei Fälle aus Kärnten, die eines verbindet: Alle drei Todesopfer sollen durch den Konsum von Drogen – offenbar Heroin – verstorben sein. Und es sind Fälle, die das Jahr 2018 in Erinnerung rufen. Insgesamt 25 Drogentote waren damals in Kärnten zu beklagen. Das beschauliche Bundesland im Süden Österreichs schaffte es auf den unrühmlichen zweiten Platz bei den Drogentoten hinter Wien.

Alltagsdroge Heroin

Die folgenden Jahre brachten dann einen deutlichen Rückgang bei den Drogentoten. 2020 waren fünf Tote zu beklagen. Doch mit drei Drogentoten in nur einem Monat präsentiert sich nun 2021 wieder ein anderes Bild.

Eines, das auch Profis, wie Karl Schnitzer, Leiter der Suchtmittelgruppe im Landeskriminalamt Kärnten, vor ein Rätsel stellen. Hinzu kommt, dass Heroin offenbar ein riesiges Revival erlebt. Eine Droge, die lange als „schmutzig“ verrufen war, mit Fernsehbildern von Junkies mit einer Nadel im Arm gleichgesetzt wurde. „Wie ich als Drogenfahnder begonnen habe, war Heroin sporadisch verbreitet, weil jeder Angst davor hatte. Heute ist es eine Alltagsdroge“, erzählt Schnitzer.

Seit 30 Jahren ist er Drogenfahnder und verwendet Wörter wie „Teufelszeug“, wenn er Heroin meint. Gespritzt wird die Substanz, die enorm schnell abhängig macht, dabei nur mehr von wenigen, vielmehr sei der Konsum durch Schnupfen verbreitet.

Corona-Krise und Drogen

Der Chef-Drogenfahnder will aber auch einen Zusammenhang mit der Corona-Krise nicht ausschließen. „Die Corona-Folgen machen gerade mit psychisch labilen Leuten etwas. Heroin holt einen runter, für viele wohl ein Anreiz.“ Dass Heroin das Bundesland regelrecht überschwemmt, dürfte an zwei Dingen liegen.

Erstens: Die leichte Zugänglichkeit in Slowenien. Hatte das Rauschgift in den vergangenen Jahren bereits generell einen Preisverfall erlebt, sind die Dumpingpreise im Kärntner Nachbarland noch deutlicher spürbar. „Die Leute fahren direkt zu ihren Dealern. Wenn man mehr kauft, gibt es eine Art Mengenrabatt“, erklärt Schnitzer. Die Zusammenarbeit mit den slowenischen Kollegen der Exekutive laufe gut, alle zwei Wochen würde es Koordinierungssitzungen zum Infoaustausch geben, aber unterschiedliche Gesetzeslagen bleiben Realität.

Zweitens: Das Darknet. Jener verborgene Teil des Internets, auf das User mit einem speziellen Browser zugreifen können. Dort kann von Drogen über Waffen alles anonym erstanden werden. Käufer und Verkäufer bekommen sich nie zu Gesicht, erfahren ihre wahren Namen nicht, bezahlen mit Kryptowährungen.

Ranking für Dealer

Hinzukommt, dass die Verkäufer bewertet werden können. Ähnlich wie bei anderen Kaufplattformen. Super Heroin, langsame Lieferung. „Diese Rankings nehmen vielen die Angst vor der einst schmutzigen Droge“, sagt ein Wiener Drogenfahnder.

Geliefert wird meist per Post. So gelangen die Drogen bis in die entlegensten Winkel des Landes. „Man muss nicht mal vor die Tür gehen, um sie zu kaufen“, sagt Schnitzer. Die Drogenpost soll laut Schätzungen mittlerweile rund zehn Prozent der Suchtgift-Kriminalität ausmachen. Da Drogenaufgriffe aber ein klassisches Kontrolldelikt sind, dürfte es nach oben Luft geben.

Doch tödlich wird die Kombination vor allem durch einen Aspekt: Fallende Preise auf der einen Seite und steigende Qualität auf der anderen. „Früher hat ein Drogenkonsument vielleicht ein Gramm Heroin genommen und mehr dafür bezahlt. Heute bezahlt er weniger, nimmt ein Gramm, aber das ist qualitativ viel besser und somit auch stärker in der Wirkung und im schlimmsten Fall tödlich“, erklärt der Drogenfahnder.

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