Es schneite bis in tiefere Lagen

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Chronik Österreich
05/13/2019

Dieser Mai ist Wintermonat statt Wonnemonat

Es ist bisher zu kalt und zu nass. Immerhin dürfte der Regen die befürchtete Dürre abfedern.

von Elisabeth Holzer

Am Ende des Monats wird alles gut. „Es kann passieren, dass die zweite Monatshälfte zu warm wird. Dann ist der Mai statistisch wieder ausgeglichen“, meint Nikolas Zimmermann vom Wetterdienst Ubimet.

Jetzt allerdings frieren die Österreicher. „Die Temperaturen sind heuer bisher deutlich unterdurchschnittlich“, erklärt Meteorologe Zimmermann: In Wien gab es im Vorjahr über den gesamten Mai gerechnet 15 Grad als Tagesdurchschnitt. Heuer sind es bis jetzt um 2,4 Grad weniger und das ist empfindlich viel. Zum Vergleich: 2014 war um 0,7 Grad zu kühl, 2016 um 0,3 Grad. Dabei ist so ein Mittelwert noch gnädig, mildert er doch Ausreißer wie prognostizierte acht Grad heute, Dienstag, als Höchsttemperatur ab.

Acht Grad? „Acht Grad“, kommentiert der Meteorologe. „Die Eisheiligen gibt es ja nicht ohne Grund.“ Kälteeinbrüche bis Mitte Mai sind per se nichts Außergewöhnliches, das begründet die Bauernregel der Eisheiligen. Heute, Dienstag, etwa ist Bonifatius an der Reihe, Mittwoch die „kalte Sophie“. Doch so markant tiefe Temperaturen mit Schneefall bis in tiefe Lagen sind dann schon wieder selten: Zuletzt gab es Ähnliches in Österreich 2004. Der Mai war vor 15 Jahren um rund zwei Grad zu kühl.

Zusätzlich habe ein gewisser Gewöhnungseffekt eingesetzt, glaubt Zimmermann: „Im Flachland war es jetzt 13 Monate lang im Durchschnitt zu warm. In jüngerer Vergangenheit hat es solche Kälteeinbrüche gar nicht mehr gegeben.“

Es wurde wärmer

Eine Einschätzung, die Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) teilen. „Vor den 1990er-Jahren waren derartige Kaltlufteinbrüche deutlich häufiger als in den vergangenen Jahren“, sagt Klimatologie Alexander Orlik. „Wie alle anderen Monate ist auch der Mai in den letzten Jahrzehnten deutlich wärmer geworden.“

Davon war in den vergangenen Tagen wenig zu spüren. Schnee fiel am Wochenende regionsweise sogar bis auf 700 Meter herunter, in einigen Gemeinden mussten Bergstraßen wieder gesperrt werden, die gerade erst für den Verkehr freigegeben worden waren. In tieferen Lagen fiel Regen und zwar in Gewittern, die massiv waren.

Mehr Regen als üblich

Auch das auffallend am Mai 2019 er ist viel zu nass. „Vielfach ist das Soll für diesen Monat schon jetzt erfüllt“, betont Ubimet-Meteorologe Zimmermann. So gab es allein in Mattersburg im Burgenland am Wochenende 98 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – das ist mehr als dort sonst im gesamten Mai zusammenkommt.

Zwar klagen Landwirte über Schäden aber der Regen hatte auch sein Gutes: Die vor zwei Wochen befürchtete Dürregefahr scheint abgewendet. „Der Regen bringt sicher eine Entspannung“, meint Mario Winkler von der Hagelversicherung. „Aber vor allem in Ober- und in Niederösterreich haben große Gebiete schon unter der Trockenheit gelitten. Da wird es Einbußen geben.“

Wettertechnisch geht es nun aufwärts. Ab Donnerstag ist das Tief „Zacharias“ Geschichte, am Freitag soll es um die 20 Grad geben, bedingt durch Föhn. „Die ersten Trend deuten für die zweite Monatshälfte auf eine föhnige Wetterlage mit Südströmung hin“, wagt Zimmermann eine erste Prognose.