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Chronik | Österreich
05/13/2019

Feuerwehreinsätze und Ernteschäden nach Sturm und Hagel

Unwetter brachte Hunderte Einsätze und Probleme in NÖ, Burgenland, Steiermark und Kärnten. Ein paar Tage bleibt es noch kalt.

19 bis 21 Grad, sonnig, warm - also Speiseeiswetter. Im Mai 2018 konnten die Eisheiligen baden gehen.

"Heuer werden sie aber ihrem Namen voll und ganz gerecht", bedauert Manfred Spatzierer vom Wetterdienst Ubimet: "Es ist um zehn bis fünfzehn Grad kälter als in einem durchschnittlichen Mai." Schuld ist Tief "Zacharias", das sich noch bis zur Wochenmitte hartnäckig über Österreich hält.

Das brachte schon am Muttertagswochenende massive Probleme und Hunderte Einsätze der Freiwilligem Feuerwehren: In weiten Teilen Niederösterreichs, des Burgenlands, der Steiermark und in Kärnten gingen Unwetter nieder.

Schneepflüge in Niederösterreich

Bereits Samstagnachmittag bauten sich Gewitterzellen auf und entluden sich bis in die Nacht auf Sonntag nicht nur mit gezählten 16.000 Blitzen, sondern auch mit Starkregen und Hagelschlag. Am Wechsel zwischen Niederösterreich und der Steiermark mussten die Einsatzkräfte mit Schneepflügen Fahrbahnen frei machen.

Die Unterführung der Raststation Zöbern an der A2 war unterspült: Laut Feuerwehr stand dort das Wasser einen halben Meter hoch, zusätzlich zum Abpumpen mussten die Feuerwehrleute ein Auto aus dem Wasser hieven.

Am Schneeberg kam es auch zu einem kurios anmutenden Zwischenfall, der mit dem Unwetter zusammenhängt: Ein Wanderer verirrte sich und wurde vom heftigen Gewitter überrascht. Durchnässt und unterkühlt suchte der 25-Jährige gegen 22 Uhr in der Putzkapelle, Bezirk Wiener Neustadt-Land, Unterschlupf, setzte einen Notruf ab und machte Feuer.

Als die Helfer eintrafen, hatte der Burgenländer bereits eine Rauchgasvergiftung, weil das Mobiliar in Flammen stand.

Ernteschäden im Burgenland und in der Steiermark

Im Burgenland war die Lage ähnlich angespannt. Über den Süden des Landes zog in der Nacht auf Montag ein Sturm mit Windspitzen von bis zu 100 km/h. Er warf Bäume und Lastwagen um und ließ einen Schornstein abbrechen - mehrere Feuerwehren waren im Einsatz.

Hier waren speziell Landwirte betroffen: Kurz vor der Ernte zerstörte Hagel viele Erdbeerfelder, der Ausfall soll laut ersten Schätzungen bis zu 70 Prozent betragen.

Die Hagelversicherung bezifferte die landwirtschaftlichen Schäden im Burgenland, aber auch in der Steiermark mit insgesamt 500.000 Euro. Neben den Erdbeerkulturen wurden auch Äcker mit Mais und Weizen ruiniert.

Insgesamt waren rund 2.000 Hektar Acker- und Grünland betroffen, auch einige Marillen- und Apfelbäume wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Stadt Graz warnt vor Park-Besuch

Viele Schäden durch Überschwemmungen und kleinere Murenabgänge gab es in den obersteirischen Bezirken Liezen und Mürztal; im Bezirk Südoststeiermark machte der Hagel Probleme.

In Graz-Umgebung musste die Feuerwehr ausrücken, um beispielsweise entwurzelte und umgeknickte Bäume zu entfernen. Manche waren auf Hausdächer gefallen und haben Schäden angerichtet. In Stattegg nördlich von Graz fiel ein Baum auf das Blechdach eines Carports, teilte die Feuerwehr mit.

Außerdem wurde in Stattegg auch eine Lichtkuppel des Turnsaales der Volksschule von einem Baum getroffen. Daraufhin fielen Äste, Blätter, das zerborstene Plexiglas und Teile der Deckenverkleidung in die Turnhalle. Verletzt wurde niemand.

Die Stadt Graz warnte davor, Wälder und Parkanlagen angesichts der Sturmböen zu betreten. Auch der Schloßberg sollte gemieden werden. Bereits in der Nacht auf Montag wurden Bäume entwurzelt und Äste abgerissen. Besonders betroffen waren die Bereiche der Radegunderstraße und das Gebiet von St. Veit im Bezirk Andritz. Die Sturmböen fegten besonders über die nördlichen Grazer Bezirke hinweg und sorgten auch für Verkehrsbehinderungen.

Wegen Sturmspitzen über 90 Kilometer pro Stunde ging am Montag weder die Schöckl-Seilbahn noch der „Hexenexpress“ in Betrieb. Die Tierwelt Herberstein hat am Montag ebenfalls wegen des starken Windes seine Pforten geschlossen.

Badehütten-Dach auf Kärntner Bundesstraße

Wegen Sturmböen sind in der Nacht auf Montag auch in Kärnten mehrere Feuerwehren ausgerückt. In Millstatt (Bezirk Spittal an der Drau) wurde eine Hütte abgedeckt und nahe der Bezirkshauptstadt Wolfsberg blockierten umgestürzte Bäume eine Straße.

Am Sonntag gegen 22.30 Uhr war die Feuerwehr Forst bei Wolfsberg alarmiert worden: Eine Verbindungsstraße zwischen zwei Ortschaften war durch umgestürzte Bäumen blockiert, gegen Mitternacht war die Straße wieder frei, teilte die Feuerwehr mit. Starke Windböen deckten etwa zwei Stunden später eine Badehütte in Millstatt ab.

Das Dach flog davon und landete auf der Fahrbahn der Millstätter Straße (B98). Die Konstruktion wurde entfernt und gesichert.

Noch zwei kalte Tage

Ab Mitte der Woche soll sich das Wetter bessern. Ein paar Tage noch durchtauchen, geben Meteorologen aus und machen Hoffnung: Morgen, Dienstag, wird es für Mitte Mai mit Höchstwerten zwischen sieben Grad in Wien und zwölf in Bregenz noch ungemütlich, außerdem kann es je nach Region wegen "Zacharias" noch auf bis zu 700 Meter herab schneien.

Aber dann geht es aufwärts mit den Temperaturen: Ab Donnerstag verspricht Ubimet-Meteorologe Spatzierer Frühlingswetter, das seinen Namen verdient. Am Donnerstag sind bis zu 17 Grad möglich, am Freitag bis zu 20 Grad. "Aus heutiger Sicht setzt sich auch am Wochenende der Trend hin zu frühsommerlichen Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad fort."