Spurensuche nach Anschlagsversuch in Deutschland

© APA/dpa/Daniel Karmann

Chronik Österreich
03/27/2019

IS-Verdächtiger: Weitere Festnahme in Wien

Anschlagsversuche auf Züge: Die Welt des 42-jährigen Irakers aus dem Gemeindebau.

von Dominik Schreiber, Patrick Wammerl

Auf den ersten Blick wirkt der mutmaßliche IS-Terrorist Qaeser A. (42) auf seinem Facebookprofil wie ein ganz normaler Iraker, der in Wien lebt. Er interessiert sich für arabische Unternehmen, einen bekannten Elektrofachmarkt, eine Hausärztin in der Leopoldstadt und er postet Fotos von seinem Arbeitsplatz als Sicherheitsmann – in einem Fußballstadion, in einem Supermarkt sowie in einem großen Möbelhaus.

Politisch interessiert er sich offenbar vor allem für die SPÖ und auch ein wenig für die Grünen. Außerdem folgt er dem deutschen Autor Jürgen Todenhöfer, der sich mit dem Islamischen Staat beschäftigt, Integrationsvereinen und Weiterbildungs-Initiativen. Und er scheint Paintball gespielt zu haben.

Ärger über Christchurch

Doch dazwischen kommt auch Ärger durch, etwa über die Anschläge gegen Muslime in Christchurch oder über eine Rede von Vizekanzler Heinz-Christian Strache, der keinen muslimischen Feiertag in Österreich haben möchte. Doch die große Freundschaft zur Terrororganisation Islamischer Staat kommt dabei nicht durch.

Qaeser A. gab nach seiner Festnahme gegenüber der Polizei nun aber zu, für mehrere Anschlagsversuche gegen ICE-Züge in Deutschland verantwortlich zu sein. Er soll in den vergangenen Monaten Spannseile über die Bahn gespannt und Steinplatten auf die Schienen gelegt haben. Offenbar sind drei versuchte Anschläge aktenkundig.

„Nur aufgrund eines technischen Fehlers kam es nicht zur geplanten Tötung von Menschen“, sagt Nina Bussek von der Staatsanwaltschaft Wien.

Laut seinem Anwalt, dem Wiener Strafverteidiger Wolfgang Blaschitz, beteuert Qaeser A. „mit Terrorismus nichts am Hut zu haben. Die Attentate hätten eine politische Message an die deutsche Regierung sein sollen“, sagt Blaschitz. Wie das genau gemeint ist, habe er auf Grund der Sprachprobleme mit seinem Mandanten am Dienstag noch nicht klären können. Ein Dolmetsch soll diesbezüglich Abhilfe schaffen. Die Aussagen decken sich jedenfalls nicht mit den bisher bekannten Ermittlungsergebnissen der deutschen Behörden. Demnach wurden neben der Bahnstrecke an den Anschlagsorten aus IS-Flaggen und islamische Botschaften gefunden, die als Beweismittel dienen.

Flüchtling aus Irak

Qaeser A. ist vor sieben Jahren aus dem Irak als Flüchtling nach Österreich gekommen, bestätigt sein Anwalt. Er habe sich in der Zeit gut integriert, habe als Lagerarbeiter in einem Supermarkt und als Security-Mitarbeiter für eine Wiener Firma gearbeitet.

„Er sagt, dass er alleine gehandelt hat. Seine Frau und Familie wusste von dem Treiben nichts“, sagt Blaschitz. Doch das sehen die Ermittler anders, seine Frau wurde am Mittwoch festgenommen. Das bestätigte Nina Bussek von der Staatsanwaltschaft dem KURIER.

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