© ÖBf-Archiv/F. Helmrich

Chronik Österreich
12/19/2020

Die Tanne und ihr Weg vom Christbaum zum Trendbaum

Während die Nordmanntanne viele Wohnungen schmückt, ist in den Wäldern die Weißtanne auf dem Vormarsch. Ihre Samen wurden im Herbst geerntet.

von Matthias Nagl

Sie werden in den kommenden Tagen die uneingeschränkten Stars in vielen Wohnzimmern des Landes sein. Viele, viele Tannenbäume werden in den Weihnachtsfeiertagen eine Hauptrolle spielen. Egal, wie viele Menschen sich um sie versammeln dürfen. Und anders als viele ihrer Bewunderer haben die Tannen ein ausgesprochen gutes Jahr hinter sich.

Nämlich ein ausgesprochen gutes Mastjahr. Das heißt, die Tannen trugen außergewöhnlich viele Zapfen, für ihren Nachwuchs ist also gesorgt. Ein solches Mastjahr wiederholt sich alle zwei bis drei Jahre, warum ist noch nicht restlos geklärt. Der Zeitraum seit der letzten Mast und die Witterung im Mastjahr sowie den Vorjahren dürfte eine Rolle spielen.

Herbst als Erntezeit

Viele Waldbesitzer, allen voran die Österreichischen Bundesforste, haben deshalb diesen Herbst genutzt, um sich bei der Zapfenernte neues Tannen-Saatgut zu sichern. Zumindest bei den Bundesforsten hat das aber nur wenig mit den weihnachtlichen Tannenbäumen zu tun.

Denn in den Wohnzimmern stehen überwiegend Nordmanntannen, und von denen haben die Bundesforste kaum welche in ihrem Bestand. „Wir haben zwar auch ein paar Exemplare in unseren Wäldern stehen, in der Regel findet man die Nordmanntanne aber fast nur in Christbaumkulturen“, erklärt Stefan Schörghuber, Vize-Betriebsleiter des Forstbetriebs Waldviertel-Voralpen und federführend an der Zapfenernte beteiligt.

4,5 Tonnen Zapfen

In den Bundesforste-Wäldern vorherrschend ist die Weißtanne. Sie kommt deutlich seltener, aber doch auch zum Christbaum-Einsatz. Bundespräsident Alexander van der Bellen etwa hat eine Weißtanne aus Salzburg in der Präsidentschaftskanzlei stehen. Salzburg zählt auch zu den häufigsten Standorten der Weißtanne in Österreich.

„In den nördlichen Randalpen fühlt sich die Tanne am wohlsten“, sagt Schörghuber. So lag der Schwerpunkt der heurigen Bundesforste-Zapfenernte im September auch in den Bundesländern Salzburg, Tirol, Oberösterreich und Niederösterreich. Rund 4,5 Tonnen Zapfen haben die Baumkletterer der Bundesforste dabei eingesammelt.

„Damit haben wir für die nächsten zwei Jahre eine gute Saatgutversorgung“, erklärt Schörghuber. Länger als zwei Jahre lassen sich die Tannensamen allerdings auch nicht wirklich gut lagern. Die Aufbereitung des eingesammelten Saatguts ist in vollem Gange. „In unserer Klenge in Arndorf bei Krems herrscht momentan Hochbetrieb“, erzählt Schörghuber.

Schwindelfreiheit
Tannen werden erst ab einem Alter von 40 bis 50 Jahren beerntet, wenn sie bereits bis zu 30 Meter hoch sind. Die Baumkletterer müssen also schwindelfrei sein. Von einem Baum holen sie bis zu 25 Kilogramm Zapfen. In Summe waren es heuer rund 4,5 Tonnen

Klenge
Die Klenge in Arndorf zählt zum Stolz der Österreichischen Bundesforste. Die Saatgutaufbereitungsanlage ist eine der letzten ihrer Art in Österreich. Dort werden die Samen aufbereitet und eingelagert

Widerstandsfähige Tanne

Die Samen werden aufbereitet, aus den Zapfen gelöst und nachgereift, sodass sie im Frühling zur Verfügung stehen. Dann werden sie auch gebraucht. „Wir wollen die Tanne wieder forcieren und haben das ambitionierte Ziel, ihren Anteil an unserem Baumbestand in den nächsten Jahrzehnten von drei auf sechs Prozent zu verdoppeln“, erklärt Schörghuber.

Die Tanne dürfte mit dem Klimawandel deutlich besser zurechtkommen als die derzeit noch vorherrschende Fichte. Die Tanne hält Hitze und Trockenheit weit besser aus und zählt zu den am tiefsten wurzelnden Nadelbäumen. Damit ist sie auch sturmresistenter als andere Bäume.

Wild als Gefahr

Das Aufziehen der Tannen ist allerdings keine einfache Sache. Denn sie gefällt nicht nur den Menschen, sie schmeckt auch dem Wild – und das buchstäblich. „Deshalb werden viele Jungbäumchen verbissen und bleiben dann im Wachstum zurück. Dadurch ist die Tanne in den vergangenen Jahrzehnten ins Hintertreffen geraten“, sagt der Forstwirt.

Ein großflächiges Einzäunen der Tannen wäre zu aufwendig und ist deshalb keine Option. „Es braucht ein gewisses Gleichgewicht zwischen Wald und Wild, dann kommen genug Bäume durch“, erklärt Schörghuber. Bis sich der Strategiewandel in den Wäldern zeigt, wird aber einige Zeit vergehen. Die Waldbewirtschaftung ist ein langfristiges Geschäft. „Die Weichen für das Aussehen der heutigen Wälder wurden vor 150 Jahren gestellt“, sagt Schörghuber.

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