„Immer gern und immer gut gespielt“: Hanni Knotzer hat Ball und Schläger für jede Bahn 

© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Österreich
06/27/2021

Die Ballkönigin

Minigolf ist wahrscheinlich kein Trendsport. Genau das macht seinen Charme aus. Ein Besuch am Postsportplatz in Wien-Hernals, wo Hanni Knotzer seit fast 50 Jahren „im Schlag“ ist.

von Barbara Mader

Hanni Knotzer hat immer eine Auswahl an Bällen dabei. Härtere und weichere, lackierte und unlackierte, schnellere und langsamere. Je nach Bahn. Daheim hat sie 3000 Minigolfbälle. An dieser Stelle passt es gut, zu erwähnen: Ja, es ist wichtig, dass der Partner Verständnis für Minigolf hat.

Hanni Knotzer, 66, ist Vizeobfrau und Kassierin im Postsportverein Wien, Sektion Minigolf. Und Vizepräsidentin im Bahnengolfverband, wie Minigolf und verwandte Sportarten im Fachjargon heißen. Sie ist Staatsmeisterin und Europameisterin. Außerdem dreifache Mutter und fünffache Großmutter. Seit den frühen 70ern spielt die pensionierte Transportversicherungsfachfrau Minigolf. Auch die beiden Ehemänner waren zugleich Partner zwischen den Bahnen. Alle Urlaube, alle Freizeitaktivitäten hatten mit Minigolf zu tun. Hanni Knotzer kennt sämtliche Minigolfplätze Österreichs, viele in der ganzen Welt. Die Hernalser Minigolfbahn ist ihre Heimat.

Als wär’s gestern gewesen

An das erste Mal, als sie sie betreten hat, kann sie sich erinnern, als wär’s gestern gewesen. Sie kam mit ihrem ersten Freund, dem Sohn des Platzbesitzers, trug Rock und Stöckelschuhe. Sie erzählt und lacht mädchenhaft, wie sie vielleicht auch damals gelacht hat. „Ich hab immer gern und immer gut gespielt.“ Ein Mann, der nicht Minigolf spielt, wäre ihr nie untergekommen.

100 Bälle, wie ein Kaiser

Vereinskollege Michael Wolf, 64, ist ebenfalls Minigolf-Veteran. Er spielt außerdem beim Angelibad in Floridsdorf, wo er einen Verein gegründet hat. Nicht zuletzt, um der Hanni Konkurrenz zu machen. Man kennt einander „ewig“.

1975 begann Herr Wolf, gerade neunzehn, klein zu putten. Auf einem der vielen schönen Wiener Plätze, die es heute nicht mehr gibt. Die Anlage vor der Votivkirche war besonders gut gelegen, das Buffett mittags immer voll. In den 80ern wurde sie aufgelassen, seither gab es einige Wiederbelebungsinitiativen. Vergebens.

Michael Wolf kann nicht mit Hanni Knotzers Ballreichtum mithalten, aber darum geht’s ja auch nicht. Was zählt: Man ist an der frischen Luft und tut was für die Konzentration. „Sechzig Prozent spielt sich da ab“, sagt er und deutet auf seinen Kopf. „Wer nicht konzentriert ist, trifft nix.“ Heute sei der Sport sehr ausgeklügelt, damals, in den 70ern, sei man, wenn man 100 Bälle besaß, „ein Kaiser“ gewesen. Es war eine schöne Zeit. „Gell, Hanni?“ Sie lächelt. Sie sagt jetzt nicht, wie viele Bälle sie besitzt, er weiß es eh.

An einem sonnigen Dienstagnachmittag im Juni ist der Minigolfplatz am Postsportgelände gut besucht. Eine Gruppe junger Mädchen, zwei Paare und mehrere Familien versuchen, den Ball ins Loch zu bewegen. Trendsport ist Minigolf längst nicht mehr, wenn es das denn je war. Die beste Zeit waren die 80er, damals zählte der Verein 70 Mitglieder. Heute sind es nur mehr 17. Der Computer sei schuld, glaubt Herr Wolf. Und das Vereinsleben will sich auch nicht mehr jeder antun. Dennoch, in letzter Zeit scheint es aufwärtszugehen. „Die Pandemie hilft uns. Es ist unkompliziert hier. Man kommt her, zahlt 3,50 Euro, spielt eine Runde, hat 18 verschiedene Bahnen, ist an der Luft.“

Bandscheiben, grüß Gott!

Minigolf ist ein Sport, für den man von Haus aus wenig können muss, aber mit Training viel können kann. Talent hilft, ist aber nicht alles. Auch Fitness ist ein wichtiger Faktor. Es ist eben ein Sport wie jeder andere, auch wenn die ganz großen Profis weniger berühmt sind als, sagen wir, ein Marcel Hirscher. Dafür sind die Ausgaben überschaubar. Wer es ernst meint, kauft einen eigenen Schläger, kostet um die 70 Euro, hat man ewig. Hanni Knotzer hat natürlich mehr als einen. Was sie nicht hat, ist ein „Sauger“, ein Gerät, mit dem man den Ball aus dem Loch herausholt, ohne sich bücken zu müssen. Praktisch, weil: „Bandscheiben, grüß Gott!“

Aber sie will jung bleiben und sich, so lange es geht, selbst bücken. Minigolf ist Erholung und Sport zugleich. Wenn’s nicht zu kalt ist, kann man auch im Winter spielen. Regelmäßig trainieren ist wichtig. Damit man im Schlag bleibt. So wie Hanni Knotzer, seit 49 Jahren.

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