Chronik | Österreich
18.04.2018

Der Putztrupp der Schummelschüler

Schüler rückten zu Säuberungsaktion aus, nachdem erschlichene Zugangsdaten für „zu gute Noten“ sorgten

Putzen, um Buße zu tun. Um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen, rückte am gestrigen Mittwoch eine ganz Klasse der Handelsakademie Steyr (HAK) zur Müllsammlung aus. In ihrer Nähe waren stets Kameraleute und Fotografen. Teenager hatten sich nämlich aus Professoren-Computern Schularbeitsbeispiele erschlichen.

Ob die Aktion etlicher Mitglieder der dritten Klasse freilich sogar noch zu einem Gerichtstermin führen kann, ist derzeit noch nicht klar. Über die Zugangsdaten zu Lehrer-Computern hatte sich eine kleine Gruppe die Aufgaben in Betriebswirtschaftlehre, Englisch und Spanisch ergaunert– und von den Klassenbesten auch gleich lösen lassen.

Weil selbst bekannt schwache Schützlinge plötzlich bei den Klassenarbeit en Bestleistungen auswiesen, wurden die laut Pädagogen laut OÖ Nachrichten stutzig. Der schräge Coup flog auf und sorgte an der Schule für viel Aufregung. Selbst die Polizei fuhr vor und stellte Ermittlungen an.

„In der Aufarbeitung der Angelegenheit habe ich vorgeschlagen, dass sich die Betroffenen zur Wiedergutmachung an der Aktion ,Steyr putzt‘ beteiligen. Dann hat sich gleich die ganze Klasse solidarisch erklärt und mitgemacht“, berichtet HAK-Direktorin Ute Wiesmayr. „Es gab zuerst Diskussionen, dann haben die Schüler ihr Unrecht erkannt.“ Letztendlich kündigte die Klasse an, als Wiedergutmachung auch etliche Räume in der Schule freiwillig auszumalen, schildert die Leiterin.

Rummel

Durch Medienberichte aufmerksam geworden, wollten Mittwoch sogar Kamerateams vom Fernsehen die Schüler auf ihrer Sammeltour durch den Stadtteil Steyr-Tabor begleiten. „Ich habe sie gebeten, das nicht zu tun“, erzählt Wiesmayr über ihr Bemühen die Jugendlichen nicht an den öffentlichen Pranger zu stellen. „Die ganze Sache war ja nicht als Publicity-Aktion gedacht.“

Der Arbeitseinsatz der Reumütigen ging allerdings dann sehr ruhig und unauffällig über die Bühne. Bei „Steyr putzt“ sind derzeit ohnehin viele Vereine, Privatpersonen und auch andere Schulklassen in Sachen Stadtreinigung unterwegs. 1960 Freiwillige bemühen sich so, ihre Heimatstadt von Unrat zu säubern. Da fiel die 24 köpfige HAK-Gruppe auch gar nicht so sehr auf.

Vor allem für die Rädelsführer der Schummelaktion dürfte die Sache noch nicht ganz ausgestanden sein. Die Polizei hat die Ermittlungen rund um den Verwurf der missbräuchlichen Verwendung von Passwörtern und Daten zwar schon abgeschlossen. Ob es zu einer Anklage kommt, habe die Justiz aber noch nicht entschieden, berichtet die Direktorin.