Der Fall Leon: Vater bricht sein Schweigen und schreibt ein Buch

Der Fall Leon: Vater bricht sein Schweigen und schreibt ein Buch
Für die Ermittler war Florian Apler der Schuldige. Ein Gericht sprach ihn frei. Nun schildert er seine Geschichte selbst und übt harte Kritik an Justiz und Polizei.

Zusammenfassung

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  • Florian Apler wurde nach 522 Tagen Untersuchungshaft vom Vorwurf freigesprochen, seinen Sohn Leon getötet zu haben.
  • Apler kritisiert Justiz und Polizei für zahlreiche Ermittlungsfehler und veröffentlicht seine Erfahrungen in einem Buch.
  • Er fordert, die Suche nach dem Täter fortzusetzen, und hofft, dass der Fall als Lehre dient.

"Wir gehen weiter, und über die rauschende Ache hinweg gelangen wir in einen Park. Es ist finster, und rechts von uns wird der Spazierweg von einer Baumreihe gesäumt. Wir gehen auf die Brücke zu, die mit einem Stahlnetz verkleidet ist, sie scheint die perfekte "Spielbrücke" zu sein. Plötzlich tritt von rechts aus der Finsternis hinter den Bäumen ein Mann heraus, und ich erschrecke mich."

Wenig später liegt Florian Apler bewusstlos auf dem Boden. "Plötzlich blitzt es in meinem Kopf", schildert er. Als er aufwacht, sind Sanitäter um ihn herum. Doch sein Sohn Leon ist weg.

Am 28. August 2022 gegen 5 Uhr Früh wird Apler bei der Uferpromenade der Kitzbüheler Ache gefunden. Neben ihm liegt der leere Buggy seines Sohnes. Der sechsjährige Leon wird wenig später tot flussabwärts gefunden. 

Was folgt, ist einer der rätselhaftesten Kriminalfälle der vergangenen Jahre in Österreich. Apler wird festgenommen, verbringt 522 Tage in Untersuchungshaft und wird im August des Vorjahres vom Vorwurf, seinen eigenen Sohn getötet zu haben, freigesprochen.

Am 6. Februar erscheint nun das Buch: "Der Fall Leon" - geschrieben von Apler selbst im Molden-Verlag. Freitag Vormittag präsentierte es der Personal Trainer im Wiener Presseclub Concordia - unter gewaltigem Medieninteresse.

"Es ist kein schöner Anlass", sagt Apler. "Unser geliebter Schnuffi ist auf schlimmste Art und Weise ums Leben gekommen." In die Trauer mische sich Wut. "Es ist eine Wunde, die nicht verheilt. Und wir werden nicht ruhen, bis wir den Täter finden."

Der Fall Leon: Vater bricht sein Schweigen und schreibt ein Buch

Das Buch ist um 25 Euro erhältlich

Auf 255 Seiten schildert Apler seine Geschichte. Und die seines Sohnes. "Das Buch ist aus meinem Tagebuch entstanden, das ich in der Untersuchungshaft geführt habe. Es war ein wichtiger mentaler Anker für mich. Hier konnte ich meine Ängste, Sorgen und meine Trauer mitteilen", schildert er.

Scherben und Videoaufnahmen

Es ist auch eine Abrechnung mit Justiz und Ermittlern. Denn die, das betont Apler mehrmals, hätten fehlerhaft gearbeitet. "Wir haben schon mehr als 100 Fehler, Versäumnisse und Pannen zusammengetragen", holt Apler aus. Und meint damit etwa die Scherben der Flasche, mit der er niedergeschlagen worden sein dürfte. "Nicht einmal die Hälfte davon wurden gesichert." Und es geht um Videoaufzeichnungen umliegender Kameras, die nicht gesichert worden seien. Oder Aufnahmen möglicher Verdächtiger, nach denen nicht gesucht worden sei.

Der Fall Leon: Vater bricht sein Schweigen und schreibt ein Buch

Der Tatort

Was in dieser Nacht tatsächlich passiert ist, ist noch immer unklar. Leon litt an einem Gendefekt, konnte nicht sprechen, benötigte viel Aufmerksamkeit. Auch in dieser Nacht war er unruhig. Apler stand mitten in der Nacht auf, fuhr mit ihm zur Ache und ging dort mit ihm spazieren. Er sei überfordert gewesen, vermuteten die Ermittler später. Apler habe seinen Sohn "von seiner unheilbaren Krankheit erlösen wollen", steht in einem Amtsvermerk. 

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Aplers Prozess in Innsbruck dauerte drei Tage

Die Geschworenen kamen bei einem dreitägigen Gerichtsprozess zu einem anderen Urteil. Sie sprachen den 40-Jährigen einstimmig frei. "Total unwirklich" sei dieser Moment für ihn gewesen, beschreibt Apler. Und: "Die letzten Minuten vor dem Urteil waren die allerschlimmsten."

Familie stand hinter ihm

Rückhalt habe ihm die Familie gegeben. "Ich habe nie Zweifel gehört. Auch in meinem Ort gab es kein böses Wort." Hunderttausende Euro habe er für seine Verteidigung investieren müssen, unter anderem für aufwendige Privatgutachten. "Hätte ich diese Möglichkeit nicht gehabt, wäre es anders ausgegangen", ist er überzeugt.

Drei Botschaften will Apler den Lesern mitgeben: "Schnuffi war ein unglaublich toller Junge", sagt er. Die Tätersuche müsse weitergehen. Und: "So etwas widerfährt hoffentlich niemandem wieder. Ich hoffe, dass daraus Lehren gezogen werden."

Wie es ihm und seiner Familie heute geht? "Ich versuche, so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen. Meiner Tochter geht es von Tag zu Tag besser. Sie ist wieder happy."

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