© Adlerarena Landskron

04/18/2021

Den Adlern ganz nahe: "Falknerei hat nichts mit Zirkus zu tun“

25 Greifvogelarten leben im Kärntner Landskron in historischen Gemäuern. Demnächst will man wieder aufsperren.

von Anja Kröll

Noch bevor man die Schützlinge von Franz Schüttelkopf sieht, hört man sie. Zwei Tiere der Art Haliaeetus pelagicus. Also Riesenseeadler. Gefühlt: Sehr laute gefiederte Zeitgenossen mit durchdringendem Schrei. „Sie brüten, darum sind sie aufgeregt, wenn sich jemand nähert“, erklärt Schüttelkopf. Der 59-Jährige ist einer der Gründer der Adler-Arena Landskron in Kärnten. 25 verschiedene Greifvogelarten werden hier jährlich von gut 100.000 Besuchern bestaunt.

Dass sich hinter der Arbeit von ihm und seinem Team mehr verbirgt als eine Flugshow, bei der Geier, Milane, Adler oder Uhus im freien Flug aus nächster Nähe beobachtet werden können, wird mit jedem Vogel deutlich, den einem Schüttelkopf quasi persönlich vorstellt.

Kleinste Eulenart

„Das ist Bilbo, ein Sperlingskauz und somit die kleinste heimische Eulenart“, sagt der Adler-Arena-Chef. Wenige Stufen oberhalb von Bilbos Zuhause, auf dem Aussichtsturm der Burg Landskron, erblickt man rechts den Ossiacher See und links die Anfänge der Adlerarena. 1983 gründete Schüttelkopf mit seinem Freund Michael Holzfeind die Adlerwarte, aus der die Adler-Arena entstand. „Michael und ich haben uns in der HTL kennengelernt. Wir haben die Leidenschaft für Greifvögel geteilt und in Hochbaukunde immer zum Leidwesen unserer Lehrer Voliere entworfen“, erzählt Schüttelkopf. Seine eigene Begeisterung für Vögel entwickelte sich bereits in der Kindheit. „Zu einer Zeit, als noch Pestizide zum Einsatz kamen, weshalb Greifvögel jahrelang keinen Nachwuchs bekommen haben“, erzählt der passionierte Falkner.

Vom Aussterben bedrohte Vögel findet man heute noch in den historischen Gemäuern von Landskron. Rotmilane, oder Mönchsgeier. Die gute Nachricht: Bei beiden gab es bereits Nachwuchs. „Bei den Mönchsgeiern erblickte eines von nur zwei nachgezüchteten Tieren des weltweiten Artenerhaltungsprogamms bei uns das Licht der Welt“, erzählt Schüttelkopf.

Steinadler als Helfer

Es ist nicht das einzige Unternehmen zum Schutz und der Erforschung der Tiere. Eng zusammengearbeitet wird beim Steinadlerprojekt auch mit der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle der Universität Wien. Dabei werden wilde Steinadler mit GPS-Loggern ausgestattet, um Erkenntnisse über ihr Verhalten zu gewinnen. Bei der Entwicklung der Logger waren die Steinadler der Adler-Arena beteiligt. „Die Geräte sollen die Tiere nicht beeinträchtigen. Das haben wir an unseren Tieren getestet“, sagt Schüttelkopf.

Ohne Sender, dafür frisch gefüttert, lernt man wenig später einen dieser Steinadler kennen: Florence, kurz Flo. Gemeinsam mit Falkner Lukas hat das majestätische Steinadler-Weibchen in der Arena vor leeren Tribünen ihr Training beendet und beäugt einen nun mit ihren bernsteinfarbenen Adleraugen aufmerksam. „Adler haben ihren eigenen Kopf“, sagt Lukas, der seit zehn Jahren Teil des Adler-Arena-Teams ist. Ganz nah ist sein Gesicht neben dem riesigen Schnabel des Vogels. „Man muss den Charakter des Tieres kennen, dann kann man das machen“, sagt er, als er den skeptischen Blick bemerkt. Und Chef Schüttelkopf fügt hinzu: „Falknerei hat nichts mit Dressur oder Zirkus zu tun.“

Flo nimmt alles gelassen. Normalerweise ist sie mehr Publikum gewohnt. Bis zu 700 Menschen finden hier Platz. In Corona-Zeiten die Hälfte. Noch ist Winterpause, doch am 23. April sollen sich die Tore der Arena wieder öffnen – hofft man zumindest. „Wir sind ein privat finanziertes Unternehmen, das sehr personalintensiv ist.“ Doch nicht nur vor Live-Publikum sind die Tiere der Adler-Arena gefragt. Lange ist die Liste der Auftritte der Greifvögel in Film- und Fernsehproduktionen. Bei Universum, Musikvideos, für National Geographic oder den Kinofilm „Wie Brüder im Wind“ standen die Vögel der Adler-Arena schon vor der Kamera.

Ein Rabe als Methusalem

Nur einer ist nicht mehr ganz so kamerafit: Kolkrabe Max. Stellt sich Franz Schüttelkopf vor seine Voliere, wird seine Stimme tiefer. „Max, Max“, ruft er dann. Normalerweise würde Max, der sprechen kann, mit „Hallo, Max“ antworten. Aber heute hüpft er nur ein wenig herum. Max, ist der älteste Vogel in der Adler-Arena, Jahrgang 1983.

Welcher sein Lieblingsvogel sei, will man von Schüttelkopf am Ende des Rundgangs wissen. „Ich mag alle. Mir ist nur wichtig, dass die Leute, wenn sie bei uns sind, die Tiere kennenlernen. Denn alles was man kennt, schützt man“, sagt er.

Und während die Riesenseeadler erneut mit ihrem Schrei aufgeregt Alarm schlagen, sagt ihr Chef ruhig: „Ich wurde einmal gefragt, was diese Tiere bringen. Ich habe gesagt: Nichts. Wie Mozart. Menschen, können in einer Welt ohne Greifvögel und ohne Mozart leben. Aber was ist das für eine Welt?“

Eulen: Ihre Beute finden sie mit den Ohren

In der Adler-Arena Landskron leben verschiedene Greifvogel- und Eulen-Arten in Volieren. Diese mögen Besuchern auf den ersten Blick spartanisch erscheinen, dies hat jedoch einen guten Grund. Umso weniger Geäst sich dort befindet, umso seltener müssen wir die Tiere beim Aufräumen stören“, erklärt Franz Schüttelkopf, einer der Gründer der Arena. Die Falkner betreten die Voliere dabei durch einen eigenen Falknergang auf der Rückseite der Käfige. 

Die größte Familie bei den Greifvögeln bilden die habichtartigen Greifvögel. Sie umfassen rund 240 Arten wie etwa Adler, Bussarde, Milane, Habichte oder Sperber. Die meisten habichtartigen Greifvogelarten töten ihre Beute mit den Fängen oder den dolchartigen Krallen.

Die zweitgrößte Familie mit über 60 Arten sind die Falken. Sie töten ihre Beute hingegen durch einen gezielten Genickbiss (Bisstöter). Ihr bekrallten Füße dienen zum Fixieren.

Eulen stellen eine selbstständige Vogelgruppe dar. Die meisten Eulenarten sind dämmerungs- und nachtaktiv. Bei Tageslicht jagen vor allem die nordischen Arten. Da die Eulenaugen fest mit dem Schädelknochen verbunden sind, ist das Gesichtsfeld der Eule stark eingeschränkt. Die Ohren sind darum das wichtigste Sinnesorgan der nachtaktiven Tiere.  Alleine durch das Gehör kann ein Beutetier lokalisiert werden und der Stoß ohne Hilfe der Augen ausgeführt werden. Anja Kröll

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