© Birdlife/Josef Stefan

Chronik Burgenland
02/17/2021

Vogelzählungen: Aufwind nach dem Sinkflug

Aktuelle Zählungen von Greifvögel sowie der Großtrappe belegen, dass die Population der gefährdeten Tiere in Summe steigt.

Der Bestand vieler Greifvogelarten war vor 50 Jahren in Österreich am Tiefpunkt. „Seit Ende der 1990er Jahre erholen sich diese Arten und der Bestand geht generell nach oben“, sagt Matthias Schmidt, Greifvogelexperte der Vogelschutzorganisation Birdlife. Vor allem bei seltenen Arten gebe es eine „Erholung“, aber es gebe auch „Sorgenkinder“.

763 Kaiseradler gleiten in Mitteleuropa durch die Lüfte, wie die vierte internationale pannonische Adlerzählung im Jänner ergab – laut Birdlife ein Rekordwert. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 535.

In Österreich wurde ein leichter Rückgang verzeichnet: Nach 83 Sichtungen im Vorjahr wurden nun 65 der Vögel gezählt.

"König der Lüfte"

Am häufigsten hielt sich der „König der Lüfte“ im Jänner im Nordburgenland und in NÖ auf. Die geringere Anzahl an Sichtungen dürfte mit einer lokalen, witterungsbedingten Nahrungsknappheit zusammenhängen, die die streng geschützten Vögel offenbar in die östlichen und südlichen Nachbarländer ausweichen habe lassen, sagt Schmidt. Die Zahl liege aber im natürlichen Schwankungsbereich.

"Reisefreudige" Kaiseradler

Vorallem junge Kaiseradler gelten als überaus reisefreudig und können in wenigen Tagen hunderte Kilometer zurücklegen. Diese hohe Mobilität unterstreiche die Bedeutung großräumiger Monitoringsprogramme, wie dieser internationalen Adlerzählung, heißt es von Birdlife.

Illegale Greifvogelverfolgung

Aufwind verspüren die Seeadler: Im gesamten pannonischen Raum wurden 1.347 Exemplare gezählt, in Österreich 105. Im Vorjahr waren es international 1.110 Seeadler. Der Zuwachs sei auf „langjährige Schutzbemühungen vieler internationaler Organisationen“ zurückzuführen, so Schmidt. Er gibt allerdings zu bedenken: „Wenn diese Zahlen erfreulich hoch erscheinen, so ist es dennoch wichtig, diese im Verhältnis zum riesigen Erhebungsgebiet zu sehen.“

Mehr als 500 Freiwillige aus Österreich, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Serbien, Rumänien und Slowenien beteiligten sich an der Zählung. 17 Greifvogelarten und mehr als 20.000 Individuen wurden dabei erhoben.

Durch die Ausstattung  mit Sendern habe sich  allerdings auch gezeigt, dass die illegale Greifvogelverfolgung noch immer noch Todesursache Nummer eins bei jungen Kaiseradlern ist.

Rotfußfalken brüten im Burgenland

Bei andere Arten, wie etwa dem Rotfußfalken, sei die Population hingegen im Sinken – in dem Fall etwa durch den Mangel an Großinsekten. Bis zuletzt habe der geschützte Vogel im Burgenland gebrütet, wo es in den vergangene jahren zwischen ein bis sechs Brutpaare gab.

Die Großtrappe

Von Erfolg gekrönt ist jedenfalls die Rückkehr des größten flugfähigen Vogels der Welt. Dabei waren die Aussichten für die Großtrappe in den 1990er Jahren noch weniger rosig. Dank eines EU-Schutzprojektes geht es aber bergauf. Das zeigen die Ergebnisse der zweiten Winter-Synchronzählung in Mitteleuropa im Jänner, sagt Rainer Raab, Zoologe und Koordinator für das Artenschutzprojekt.

Den stärksten relativen Zuwachs gab eslaut der Zählung von Jänner  bei der deutschen Population: Sie ist um etwa 59 Prozent (von 221 auf 352 Individuen) angestiegen.

In Mitteleuropa ist der Bestand seit 2017 um 22 Prozent gestiegen, in Westpannonien hat sich die Zahl der Vögel von 463 auf 620 erhöht. Die Region Parndorfer Platte-Heideboden sei vor dem westlichen Weinviertel (NÖ), dem Marchfeld und dem Hanság das wichtigste Trappenschutzgebiet in Österreich. Etwa 500 Großtrappen leben im Raum Parndorfer Platte-Heideboden.

"Paradies" im Nordburgenland

„Aus Trappensicht ist das Nordburgenland das Paradies“, sagt Raab. Rund 1.000 Hektar landwirtschaftliche Schutzfläche stehen dem Vogel zur Verfügung. Etwa 800 Hektar davon seien Brache, 200 Hektar Winteräsungsfläche. In Niederösterreich beträgt die Schutzfläche rund 3.000 Hektar.

Den Raum teilt sich die Großtrappe mit Kaiser- und Seeadler, auch wenn die jungen Trappen am Speiseplan der Adler stehen, sagt Raab. Bisher habe man einige Jungtiere an Adler verloren. "Ideal ist das nicht", sagt Raab und räumt ein, dass die Situation für die Großtrappe bislang nicht stark bestandsgefährdend sei.

Mögliche Gefahr sieht der Zoologe für seine Schützlinge aber nicht nur durch Prädatoren (Räuber, Anm.), sondern auch durch die steigende Bodenversiegelung. 

"Bisher ist die Großtrappe nur nicht gefährdet, weil man sie schützt."

Man müsse aber alle Arten im Blickfeld behalten. "Es geht nicht darum, eine zu dezimieren“, sagt Raab. Wäre eine Art in Gefahr, sei ein Management notwendig. Dann müsse man die Situation als Ganzes betrachten und überlegen "wohin geht die Reise".

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