© Bird Life Austria/Michael Dvorak

Krems
02/13/2020

Erstmals Anklage im Fall vergifteter Greifvögel

Im Vorjahr wurden in Österreich 65 geschützte Tiere getötet, 42 davon alleine in Niederösterreich.

von Patrick Wammerl

Österreichweit sind laut der Organisation BirdLife alleine im Vorjahr nachweislich 65 streng geschützte Greifvögel bei Fällen illegaler Verfolgung getötet worden, davon 42 in Niederösterreich. „Und das sind nur die bekannt gewordenen Angriffe, die Dunkelziffer ist weit höher“, heißt es bei der Tierschutzorganisation.

Deshalb ist die Freude über den Erfolg niederösterreichischer Ermittler umso größer. Erstmals seit Jahren ist es in den Fällen vergifteter Tiere zu einem Durchbruch bei den Ermittlungen gekommen. Die Staatsanwaltschaft Krems hat nun einen 69-jährigen Jäger und ehemaligen Hegeringleiter (Hegering, ist ein kleiner jagdlicher Bezirk, Anm.) aus dem Bezirk Waidhofen an der Thaya wegen Tierquälerei angeklagt. Das bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Franz Hütter. Der Verdächtige soll laut Strafantrag im vergangenen Jahr im Raum Raabs an der Thaya Giftköder ausgelegt und auf so artgeschützte Vögel gequält und getötet haben. Der 69-Jährige muss sich in den kommenden Wochen am Landesgericht Krems in der Sache verantworten.

Auf die Spur waren Ermittler der Umweltgruppe des nö. Landeskriminalamtes gekommen, nachdem in der Region ein mit dem hochtoxischen Nervengift Carbofuran vergifteter Seeadler aufgefunden wurde. Außerdem häuften sich die Fälle verendeter Marder, Füchse und verschiedenster Greifvögel. Nach intensiven Ermittlungen bekamen die Fahnder einen sachdienlichen Hinweis, der zu dem damaligen Hegeringleiter führte.

Wegen des dringenden Tatverdachts ordnete die Staatsanwaltschaft Krems eine Hausdurchsuchung an. Dabei stellten die Kriminalbeamten nicht nur das seit 2008 verbotene Nervengift Carbofuran in zwei Dosen sicher.

In einer Tiefkühltruhe fanden sich außerdem die Kadaver eines Uhu sowie mehrere tote Füchse und Marder. Bei einer veterinärmedizinischen Untersuchung an der Uni-Wien wurde in den toten Tieren tatsächlich Carbofuran nachgewiesen. Laut Anklage sollen die mit dem Gift präparierten Tiere auf Feldern ausgelegt worden sein, um Greifvögel anzulocken. Diese sehen die Kadaver als Beute, fressen sie und verenden schließlich qualvoll am Gift.

Sender

„Die illegale Verfolgung von Greifvögeln ist das massivste Problem für diese Tierart“, sagt Matthias Schmidt, Greifvogelexperte von BirdLife Österreich. Im Rahmen eines Schutzprojekts hat BirdLife seit 2011 27 junge Kaiseradler mit einem Sender versehen, um die Flugrouten und Lebensweise der Tiere zu erforschen. In den ersten beiden Jahren starben vier der fünf besenderten Vögel an illegaler Greifvogelverfolgung, das fünfte Tier verschwand spurlos. „Heute sieht die traurige Bilanz so aus. Nur ein Drittel der Kaiseradler lebt noch, ein Drittel wurde Opfer illegaler Verfolgung und ein Drittel ist verschollen“, so BirdLife.