Haustiere sind süß anzusehen, aber auch mit einer großen Verantwortung verbunden.

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Chronik Österreich
12/13/2021

Das Lockdown-Tier unterm Weihnachtsbaum

In Pandemie-Zeiten spendeten Haustiere Trost. Im Sommer wurden sie massenhaft an die Tierheime zurückgegeben. Mit Weihnachten steigt die Nachfrage wieder.

von Anja Kröll

Paris ist intelligent, loyal und treu. Zumindest, wenn man ihrem Profil auf der Dating-App Tinder glaubt. Und doch unterscheidet sich Paris von allen anderen, die auf der Plattform nach Liebe suchen. Paris ist ein Hund.

Im Sommer hatte ein Münchner Tierheim mit der Aktion für Aufsehen gesorgt: Für sieben Hunde und sieben Katzen, die auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind, wurden Profile angelegt. Lustige Marketing-Idee mit traurigem Hintergrund.

Wundermittel 
Zahlreiche Experimente und Untersuchungen bestätigen, dass Haustiere Depressionen, Angst und Schmerzen lindern können. Allein ihre Anwesenheit wirkt beruhigend, wie eine Studie aus der Fachzeitschrift „Stress and Health“ nachweist. Das Wohlbefinden von Studenten bei Prüfungen verbesserte sich, wenn ein Therapiehund im Raum war

827 Tausend
Hunde  werden
in Österreich laut Schätzungen  gehalten, allein in Wien sind es 55.000.   Monatlich sollte man 
60 bis 150 Euro 
an Futterkosten für einen Vierbeiner einplanen
 

Tier gegen Einsamkeit

Seit Beginn der Pandemie haben sich viele Menschen einen tierischen Freund gegen die Einsamkeit nach Hause geholt. Der KURIER berichtete. Nach Ende der Lockdowns lautete das Motto oft: Einschränkungen vorbei, Wunsch nach dem Haustier ebenso ausgelaufen. Für viele Hunde und Katzen ging es wieder zurück in die Tierheime. Alleine in den Sommermonaten wurde eine Verdreifachung bei zurückgegebenen Tieren gemeldet.

Nun könnte der Trend wieder in die Gegenrichtung ausschlagen. Gerade vor Weihnachten und nach Lockdown Nummer vier scheint der Wunsch nach einem treuen Vierbeiner stark zu steigen: „Die Menschen wissen nicht, was noch alles auf sie zukommt. Ein Gefährte zu Hause gibt Sicherheit.

Noch dazu steht Weihnachten vor der Tür, wo nach wie vor oft Tiere verschenkt werden“, erklärt Elisabeth Penz, Sprecherin von „Vier Pfoten“. Nachsatz: „Tiere sind keine Ware, die man nach kurzer Zeit wieder zurückgeben kann.“ Gerade Jung-Hunde ereilt dieses Schicksal besonders oft. Als süßer Welpe gekauft, als größerer Hund, der erzogen werden will, eine zu große Herausforderung für Frauchen oder Herrchen.

Vor der Anschaffung eines Haustiers sollte man sich daher überlegen, ob es zur Familiensituation und zum Lebensstil passt, ob man die Kosten für Tierarzt, Futter und Pflege langfristig aufbringen kann oder ob Tierhaarallergien vorhanden sind. Und man muss damit rechnen, dass sich die Pandemiesituation wieder ändern und sich das Leben nicht hauptsächlich in den eigenen vier Wänden abspielen wird.

„Bevor man für sich selbst ein Tier anschafft, sollte man unbedingt alle relevanten Fragen beantworten. Weil das aber beim Kauf für jemand anderen nicht möglich ist, landen viele dieser tierischen Geschenke im Tierheim“, erklärt Elisabeth Mannsberger, Berufsgruppensprecherin der Tierbetreuer in der Wirtschaftskammer Wien.

Verantwortung

Die Beschenkten seien oft mit der unverhofft übertragenen Verantwortung überfordert. Sollte der Wunsch nach einem Tier bestehen bleiben, so empfiehlt Expertin Penz, den zukünftigen Gefährten aus dem Tierheim zu holen: „Das ist eine Win-win-Situation für Tier und Mensch. Außerdem besteht die Möglichkeit einer Tierpatenschaft. Man kann das Tier kennenlernen, sich mit ihm vertraut machen und erst dann entscheiden, ob man miteinander harmoniert.“

Zudem wird durch ein Tierheim-Tier auch dem illegalen Welpenhandel vorgebeugt, der in der Pandemie aufgeblüht ist. Online werden scheinbar süße Welpen zum Kauf angeboten. Viele der Tiere erkranken jedoch schwer oder sterben unmittelbar nach dem Kauf. Sie werden zu früh von ihrer Mutter getrennt und erhalten keinerlei medizinische Versorgung.

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