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Chronik Österreich
12/03/2021

Neuer Innenminister: Gerhard Karner, der niederösterreichische Hardliner

Mit Gerhard Karner holt Karl Nehammer einen Innenminister in sein Regierungsteam, der vor einigen Jahren in der Landesparteizentrale in St. Pölten sein Chef gewesen war. Ein Mann mit viel Polit- und Innenministeriumserfahrung.

von Martin Gebhart

Politisch hatten einige den 54-jährigen Gerhard Karner bereits abgeschrieben. Seine Funktion als 2. Landtagspräsident in St. Pölten und als Bürgermeister von Texingtal im Bezirk Melk wurden nicht als so prickelnd eingeschätzt, dass sie in Niederösterreich die Basis für neue politische Aufgaben sein könnten.

Noch dazu war noch abzuwarten, ob er sich bei der Landtagswahl 2023 in seinem Wahlkreis auch durchsetzen wird. Doch alle, die ihn schon abgeschrieben hatten, müssen heute sehr gestaunt haben, als ihn der künftige Kanzler Karl Nehammer als seinen Nachfolger im Innenministerium nannte. Nehammer und Karner kennen sich gut.

Erst vor wenigen Wochen gab es ein Treffen in Wiener Neustadt, wo Reminiszenzen aus der gemeinsamen Zeit in der Parteizentrale in St. Pölten, dem Haus 2.1, ausgetauscht worden waren. Gerhard Karner war damals als Landesgeschäftsführer der Chef von Karl Nehammer, der für die Gemeinden im Land zuständig gewesen war.

Start unter Strasser

Sein Weg in die ÖVP-Politik hatte mit dem ehemaligen Innenminister Ernst Strasser begonnen. Den hatte der damalige Landeshauptmann als Landesgeschäftsführer nach St. Pölten geholt. Und Strasser machte Gerhard Karner zu seinem Pressereferenten. Das blieb er auch, als Strasser im Jahr 2000 in der schwarz-blauen Bundesregierung in das Innenministerium wechselte. Erwin Pröll holte ihn 2003 nach einer gewonnenen Landtagswahl als Landesgeschäftsführer zurück nach Niederösterreich.

Karner folgte damals Johanna Mikl-Leitner, die in die Landesregierung gewechselt war. Karner konnte danach gemeinsam mit Erwin Pröll zwei Landtagswahlen gewinnen - mit einer klaren absoluten Mehrheit der ÖVP.

2015 wechselte Gerhard Karner dann plötzlich von der Landesparteizentrale in den Landtag, wo er die Funktion des 2. Landtagspräsidenten übernahm. Der Wechsel in diese eher ruhige Position kam für die Öffentlichkeit völlig überraschend. Karner selbst wollte sich allerdings nach dem aufreibenden Job als Landesgeschäftsführer - unter Erwin Pröll war er der Hardliner in der Partei - ein wenig aus der Schusslinie nehmen. 2015 wurde er dann auch noch Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Texingtal.

Freund harter Worte

Das Innenministerium hatte Karner nie wirklich losgelassen. Im Landtag blieb er Sicherheitssprecher auch dann noch, als er zum 2. Landtagspräsidenten gewählt worden war. Und er war bis zuletzt Mitglied im Strategieteam von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Wobei der Wechsel an der Spitze in Niederösterreich im Jahr 2017 für ihn auch eine große Veränderung brachte. Er musste ab sofort sanftere Worte wählen, wenn er als Sicherheitssprecher im Landtag auftrat. Unter Erwin Pröll war er dafür bekannt gewesen, dass er verbal doppelt so hart und auch deftig zurückgeschlagen hatte, wenn sein Landeshauptmann oder seine Partei von politischen Gegnern attackiert worden war.

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