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Analyse
03/07/2021

Corona-Demo: Warum sich die Gewaltspirale weiter dreht

20.000 Demonstranten auf der Straße. Erstmals gab es Pfefferspray-Einsätze und Verletzte. Der Verfassungsschutz warnte schon vor zwei Monaten.

von Dominik Schreiber, Nina Oezelt

Aus einer Handvoll „Spaziergänger“, die gegen Corona-Maßnahmen protestieren wollten, ist mittlerweile eine Bewegung geworden, die 20.000 Personen auf die Straße bringt. Am Samstag eskalierte die Situation in Wien: Zehn Mal musste die Polizei nach Attacken etwa mit Glasflaschen Pfefferspray einsetzen. 42 Personen wurden festgenommen, über 3.000 Anzeigen (einige davon gegen prominente FPÖ-Politiker) werden erstattet.

Selbst die linksextremen Demonstrationen gegen den Akademikerball hatten niemals eine derartige Bilanz.

Bereits vor zwei Monaten hatte die Leiterin des Extremismusreferates im Verfassungsschutz in einem aufsehenerregenden Interview auf kurier.at vor einer drohenden Gewaltspirale gewarnt. Selbst Terroranschläge wollte die Spitzenbeamtin nicht ausschließen: „Das passiert vielleicht nicht heute oder morgen, aber vielleicht übermorgen.“

Sie sehe ein „staatsgefährdende Potenzial“ bei dieser Bewegung. Dafür müsse die Zahl der Sympathisanten allerdings eine Zahl gegen die 200.000 Personen erreichen.

Immer radikaler

Verfolgt man die internen Chats in diversen Gruppen der Corona-Verharmloser, dann sieht man auch dort, dass von Tag zu Tag die Radikalität zunimmt. In einzelnen Videos wird sogar zum Sturz der Regierung aufgerufen, manche der Filme werden aber rasch wieder gelöscht, weil Konsequenzen gefürchtet werden.

Auch wenn die Demonstranten selbst keine homogene Gruppe sind, so sind die Organisatoren dahinter politische Figuren aus dem rechten bis rechtsextremen Sektor. Sie halten die Fäden im Hintergrund in der Hand. In den vergangenen Wochen spielte sich dabei Ähnliches ab, wie man es auch von rechtsextremen Parteien kennt.

Es gibt Richtungskämpfe und stets setzt sich der radikalere Ansatz durch, die zur Besonnenheit mahnenden hingegen spalten sich ab und verschwinden bald in der Bedeutungslosigkeit. In der Folge nimmt die Polarisierung zu, und auch der Zulauf zu den radikalen Ansichten.

Ähnlich wie beim Sturm auf das Kapitol werden auch so manche eher verwirrte Personen von der Stimmung mitgerissen. Bei der Erstürmung der Wiener Städtischen soll etwa eine Person ein großes Kreuz wie Jesus auf dem Rücken getragen haben.

Mit Messer zur Demo

Festgenommen wurden im Umfeld der Versicherung ein paar bereits bekannte Corona-Leugner (einer davon sogar mit einem Messer bewaffnet), darunter einer mit einer Fahne von Donald Trump. Weiters ging auch der ein oder andere Rechtsextreme ins Netz, einer davon filmte sich beim Hitlergruß und einem Sieg-Heil-Sager. Und das ausgerechnet am Sabath im jüdischen Viertel. Ein weiterer hob genauso die rechte Hand bei einer FPÖ-Veranstaltung.

Glaubt man aktuellen politischen Umfragen, dann verliert die ÖVP derzeit an Boden, die FPÖ gewinnt dazu. Der Ärger wegen der Corona-Pandemie kommt langsam der Opposition zugute, die Demonstrationen sind dafür das ideale Vehikel. Entsprechend gehen die Wogen bereits hoch.

Der Tag danach

Am Sonntag war die Polizei immer noch damit beschäftigt, die gesamten Details der Krawallnacht von Samstag zu analysieren.

Was war passiert? Wie konnte es zu diesem Sturm auf das Versicherungsgebäude kommen?

Bilder, der Wärmebildkameras aus den Polizeihubschraubern zeigen Menschen mit Fahnen und Stecken – die das Gebäude stürmten. Am Sonntag räumten Sicherheitsbeamten Bierdosen vor dem Bürogebäude weg. Das Gittertor zum Innenhof wurde dort mutwillig aufgebrochen, es ist jetzt kaputt.

Ein Security-Mitarbeiter erlitt einen Schienbeinbruch und liegt mit einem Schock im Spital. „Er hatte Angst, rief Verstärkung, doch es war zu spät“, erzählt sein Security-Kollege dem KURIER.

Die 100 bis 150 Menschen vor dem Gebäude der Versicherung im zweiten Wiener Bezirk waren bereits eine Stunde von der Polizei einkesselt worden. Die Polizei wollte die Identitäten der Demonstranten feststellen.

„Als einer das Tor aufbrach, dachten die Demonstranten wahrscheinlich sie könnten vor den Anzeigen flüchten“, erzählt ein dort anwesender Demonstrant.

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