Bei Almtour und Baumpflanzungen tauschten sich Bürgermeisterinnen in NÖ aus

© Österreichischer Gemeindebund/ Gleiss

Jahrestreffen
08/05/2021

Bürgermeisterinnen wollen nicht bloß „Ersatz“ sein

Gemeindechefinnen klagen über schlechte soziale Absicherung

von Wolfgang Atzenhofer

Klimafitte Bäume, die sie im Rahmen ihres Treffens im niederösterreichischen Ötscherland heuer gepflanzt haben, ließen Bürgermeisterinnen aus ganz Österreich als sichtbares Andenken zurück. Bei dem Austausch der 60 Ortschefinnen wurden aber auch Botschaften und grundsätzliche Erkenntnisse zur politischen und sozialen Situation weiblicher Gemeindeoberhäupter in den Blickpunkt gerückt.

„Trotz der strengen 3-G-Vorschriften hat es gutgetan, sich wieder mit Kolleginnen auszutauschen“, berichtete Waltraud Stöckl, Bürgermeisterin von St. Anton/Jeßnitz, wo das Treffen stattfand. Einig war man sich unter den 60 Teilnehmerinnen, dass Corona einen gesellschaftlichen Wandel beschert hat. „Die Vorsicht ist größer geworden, Nähe zueinander praktiziert man zurückhaltend“, so Stöckl.

Auch die Rolle der Frau in der Kommunalpolitik wurde diskutiert. Im Vorfeld des Treffens, das vom Gemeindebund organisiert wurde, gab es eine Befragung unter rund 100 österreichischen Bürgermeisterinnen, die für Diskussionsstoff gesorgt hat. So sind etwa nur 24 Prozent mit der sozialen Absicherung des Amtes zufrieden. Die übrigen fanden die Regelungen für Gehaltsfortzahlung, Arbeitslosen- oder Pensionsversicherung und Karenz als nicht zufriedenstellend.

Anfeindungen im Netz

Neben der Debatte über die größten Herausforderungen im Amt, wie Finanzen, Bürokratie, Bauordnung oder Wohnraumbeschaffung, ließen die Bürgermeisterinnen auch mit politischen Statements aufhorchen. Nur neun Prozent von ihnen haben direkt als Kandidatin das Amt angestrebt. Allen anderen sei eine Amtsübernahme angetragen worden. Man wolle aber die Rolle der Ersatzkandidatinnen verlassen, erklärten Gemeindebund-Vizepräsidentinnen Sonja Ottenbacher und Roswitha Glashüttner.

Auch mit Anfeindungen im Netz waren 50 Prozent der Bürgermeisterinnen bereits konfrontiert worden. Im persönlichen Austausch, aber auch in Workshops wurden Strategien besprochen. Eine Almtour oder den Besuch in einer Kosmetikfirma nützte man zum Kräfte sammeln.

Anlässlich des Treffens der Bürgermeisterinnen gab es auch einen Galaabend mit Alfred Riedl, Präsident des Gemeindebundes, und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner. Außerdem wurde das Treffen mit einer eigens aufgelegten Briefmarke dokumentiert.

Wissenswertes

Nur 199 Frauen bekleiden in den 2.095 österreichischen Gemeinden das Amt der Bürgermeisterin. Das ist ein Anteil von 9,5 Prozent. Die meisten Ortschefinnen gibt es in NÖ mit 75, in OÖ sind es 48, in der Steiermark 22, in Tirol 17, im Burgenland 12, in Kärnten 10, in Salzburg  9 und in Vorarlberg 6.
In der Umfrage geben 50 Prozent der Bürgermeisterinnen an, dass sie das Amt nebenberuflich führen, obwohl die Befragung bestätigt, dass die Tätigkeit eigentlich ein Vollzeitjob ist. Mehr als die Hälfte der befragten Bürgermeisterinnen gibt auch an mehr als 40 Stunden pro Woche für das Bürgermeisteramt zu arbeiten

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