Flugplatz Wiener Neustadt (NÖ)

© Wammerl Patrick

Chronik Österreich
03/29/2019

Kompletter Flugverein hat Startverbot: Rätsel um Hintergründe

Brief mit schweren Vorwürfen gegen Verein mit guten Verbindungen zum Verkehrsministerium.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Vor knapp zwei Wochen dürfte das Verhängnis seinen Lauf genommen haben. Da startete die Kontrolle eines Wiener Neustädter Flugvereins durch die heimische Luftfahrtbehörde Austro Control. Seither stehen sieben Flugzeuge auf dem Boden – mehr oder weniger freiwillig. Brisant dabei: Der Fluginstruktor des Vereins ist der für Flugunfälle zuständige Leiter der Untersuchungsstelle im Verkehrsministerium.

Bisher machen  zwei verschiedene Versionen der Angelegenheit die Runde: Der Verein teilte seinen Mitgliedern mit, dass „der Vorstand aus eigener Motivation“ den Schulbetrieb mit mehreren Flugzeugen vorerst eingestellt habe. Das sagt auch Vereinsobmann Harald Ledwinka zum KURIER, der eine Anzeige von einem „frustrierten Vereinsmitglied oder einem anderen Verein“ bei der Austro Control vermutet. Es seien aber tatsächlich nicht alle Wartungsaufzeichnungen korrekt geführt worden, „beim Übersiedeln sei etwa ein Papier falsch eingeheftet worden“, es habe zwei Fehler gegeben.  Kommende Wochen sollen zwei Maschinen des  „Sport Flieger Club Austria“ (SFCA) wieder abheben können. Diese seien sicher.

In einem anonymen Schreiben, das dem KURIER vorliegt und das von Insidern als durchaus glaubwürdig eingestuft wird, werden hingegen schwere Vorwürfe gegen den SFCA erhoben. Es habe zu lange keine Kontrollen gegeben und zuletzt mehrfache Anzeigen bei der Austro Control. Darin wird außerdem behauptet, es hätte sogar gefälschte Wartungsprotokolle gegeben, auch andere möglicherweise strafrechtlich relevante Vorwürfe werden in den Raum gestellt. Der Obmann sieht „Neid“ als Motiv dafür und bestreitet das alles vehement.

Austro Control schweigsam

Die Austro Control gibt sich wortkarg. „Es finden regelmäßige Kontrollen aller Flugvereine statt“, betont Sprecher Markus Pohanka. Zu einzelnen Prüffällen könne aber keine Auskunft erteilt werden. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hat bisher noch nichts dazu vorliegen, wie deren Sprecher Erich Habitzl mitteilt.

Jedenfalls soll es in der Causa zuletzt hektische Betriebsamkeit  gegeben haben – bis in höchste Stellen, heißt es. 

Tödliche Absturzserie

Der Flugplatz in Wiener Neustadt, der den betroffenen Flugverein beherbergt, wird von Diamond Aircraft betrieben. Dieser Flugzeughersteller sorgte vor über einem Jahrzehnt mit einer Absturzserie für Aufsehen, die zahlreiche Tote forderte. Diese ist bis heute nicht aufgeklärt.

Zuständig dafür wäre aktuell jener Leiter der Untersuchungsstelle, der Fluginstruktor bei dem nun freiwillig (?) gegroundeten Verein ist. Das Verkehrsministerium sieht darin aber kein Problem.

Zuständig dafür wäre aktuell jener Leiter der Untersuchungsstelle, der Fluginstruktor bei dem nun freiwillig (?) gegroundeten Verein ist. Das Verkehrsministerium sieht dabei aber kein Problem.

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