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Chronik Österreich
10/22/2021

Blackout: Was tun, wenn das Licht ausgeht?

Tritt ein Blackout ein, wird sich unser Leben drastisch ändern. Anhand einer fiktiven Geschichte und unterstützt von Experten des Österreichischen Bundesheeres versuchen die FAKTEN, die ersten zwölf Stunden eines Blackouts zu skizzieren – und nützliche Ratschläge zu geben.

von Armin Arbeiter

Dieser Beitrag erschien im "Fakten"-Magazin des KURIER in Zusammenarbeit und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Landesverteidigung

Abrupt bleibt der U-Bahnwaggon stehen. Marie kann sich gerade noch an einer Stange festhalten, mit der anderen Hand erwischt sie gerade noch die ältere Dame, die der Ruck zu Boden geschleudert hätte. „Donkschen“, murmelt diese verwirrt, während sie sich umsieht. Plötzlich wird es heller, das Tunnellicht geht an. Ein Baby beginnt zu schreien. „Immer desselbe mit den Öffentlichen!“, raunzt ein Fahrgast. „Werte Fahrgäste, aufgrund eines Stromausfalls wird dieser Zug in der nächsten Station evakuiert. Bitte befolgen Sie die Anweisungen des Personals“, schallt es aus dem Lautsprecher. Marie zückt ihr Smartphone. „Kein Netz“ steht am Display. Das Baby schreit lauter.

„Im Optimalfall kann ein U-Bahn Zug über den Bahnsteig innerhalb von drei bis fünf Minuten vollständig evakuiert werden. Das passiert im Normalbetrieb regelmäßig auch bei kleineren Zwischenfällen“, heißt es von den Wiener Linien gegenüber den FAKTEN. „All unsere Stationen sind an die Notstromversorgung angeschlossen und daher mit Strom und Licht versorgt. Während einer Evakuierung funktionieren auch noch die Lautsprecher, Funk- und Telefonanlagen.“ Die Wiener Linien üben gemeinsam mit der Stadt Wien und Institutionen wie dem Bundesheer Prozesse für Blackout-Situationen. Aufgrund der Erfahrungen ist davon auszugehen, dass durch Ausrollen der Züge oder mit Hilfe der Notstromversorgung diese auch im Black-Out Fall bis in die nächste U-Bahnstation fahren können und die Evakuierung dort über den Bahnsteig erfolgen kann.

Bei einem Blackout kann es auch zu Wasserversorgungsproblemen kommen. Es kommen laut Herbert Saurugg häufiger Pumpen zum Einsatz, als man gemeinhin annimmt. Viele kleinere Wasserversorgungsanlagen sind zudem mit einer UV-Desinfektionsanlage ausgestattet, die bei Stromausfall sofort die Wasserzufuhr unterbrechen muss. Oftmals ist keine Notstromversorgung vorhanden. Dann bleibt nur mehr die Restmenge im Hochbehälter, bis kein Tropfen mehr aus der Leitung kommt. Je nach Größe kann dann die Wasserversorgung noch über mehrere Stunden und zum Teil Tage aufrechterhalten werden. Fällt die Wasserversorgung aus, funktioniert auch keine WC-Spülung mehr, und das ist deutlich früher zu spüren als der Durst. Aber auch kochen und waschen funktionieren dann nicht mehr.


 

„Kein Netz“, zeigt Klaus‘ Display an. „Auch das noch“, murmelt er und blickt durch die Windschutzscheibe. Die Autos vor ihm halten an. Zuerst war von einem größeren Verkehrsunfall auf der A2, knapp vor Leobersdorf die Rede gewesen. Er schaltet das Autoradio ein. „Österreichische Stromanbieter kämpfen derzeit mit Herausforderungen. Bleiben Sie ruhig und besonnen“, tönt es aus der Box. Ein Grauen beschleicht Klaus. Blackout. Er denkt an Marie, seine Frau und seine drei Jahre alte Tochter Sophie. Wenn das wirklich ein Blackout ist und sie beide in Wien? Er dreht die Sendersuche weiter, um einen Privatsender zu finden. Rauschen.

Ohne Handynetz und ohne Privatradioempfang hat Klaus zwei Indikatoren dafür, dass es sich tatsächlich um ein größeres Problem in der Stromversorgung, wenn nicht um ein Blackout handelt.

Zwei weitere wären Tunnelsperren und der Ausfall anderer elektronischer Geräte. „Im Gegensatz zu Privatradios hat der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk im Blackout-Fall die Kapazitäten, noch für mindestens 72 Stunden zu senden“, sagt Oberst Markus Reisner, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Theresianischen Militärakademie.

Das Österreichische Bundesheer schätzt in seiner Sicherheitspolitischen Jahresvorschau das Szenario Blackout mit einer sehr hohen Eintrittswahrscheinlichkeit binnen der nächsten fünf Jahre ein. Grund für ein Blackout muss nicht unbedingt ein Terroranschlag oder ein Hackerangriff sein. Immer wieder kommt es zu Problemen mit dem Stromnetz, das letzte Mal Anfang des Jahres, als in Kroatien eine überlastete Kupplung in Umspannwerk überlastet war. Dank raschem Handeln war das europäische Stromnetz, das in einen südöstlichen und einen zentral-westeuropäischen Teil gesplittet war, bald wieder synchronisiert. Es hätte auch anders kommen können.

Bereits nach einem mehrstündigen Stromausfall wird sich laut dem deutschen Ärzteblatt das Patientenaufkommen zunehmend auf Krankenhäuser verlagern. Große Diagnosegeräte wie Computertomografen würden komplett ausfallen, ebenso könnte die Warmwasser- beziehungsweise Fernwärmeversorgung gestört sein. Bei Stromausfällen in der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt, dass die Noteinrichtungen zur unterbrechungsfreien Stromversorgung für Krankenhäuser nicht die erwartete Schutzwirkung hatten. Hält ein Stromausfall länger an, verknappen sich wichtige Ressourcen wie medizinisches Fach- und Pflegepersonal, Beatmungsgeräte, Medikamente, Hygieneartikel, Verpflegungskapazitäten und Behandlungsmöglichkeiten – ein deutlicher Anstieg der Todesfälle ist zu erwarten.

„Hole Sophie, treffen uns daheim“, tippt Marie und schickt die Nachricht an Klaus. Auch wenn das Netz ausgefallen ist – es besteht eine Möglichkeit, dass die Nachricht während der Wiederherstellungsarbeiten durchkommt. Und wenn nicht? „Dann kann er froh sein, dass wir das im Vorhinein abgesprochen haben. Wer ist jetzt die ängstliche Prepperin, Liebster?“, schmunzelt Marie grimmig, während sie die ältere Dame stützt, die sie im Waggon aufgefangen hat. „Kein Lift, keine Rolltreppe, was is denn da los?“, fragt die Dame, während die beiden Stufe für Stufe nach oben nehmen. „Ich fürchte, wir haben keinen Strom mehr. Vielleicht auch länger. Wo müssen Sie denn hin?“

„Nimmer weit, im Zwanzigsten bin ich. Aber es ist so still in der Wohnung, seit der Franz nimmer ist und die Kinder sind in Deutschland und da ist man dann gerne ein bisserl draußen“, sagt sie. Marie schluckt. Sollte das wirklich ein langes Blackout sein, hätte die Dame wenig Chancen, sich zurechtzufinden. So wie Frau Huber, die Nachbarin. „Wissens was? Wenn wir oben sind, warten Sie kurz, dann hole ich meine Tochter aus dem Kindergarten und wir gehen gemeinsam heim. Wir wohnen auch im Zwanzigsten – und ich garantiere Ihnen, jetzt müssen wir aufeinander schauen“, sagt Marie. Von oben ist bereits das Hupen vieler Autos zu hören. Die Verkehrsampeln sind ausgefallen.

Kein Weiterkommen auf der Autobahn. „Bin vor Leobersdorf, schaue, dass ich heimkomme“, versucht Klaus an Marie zu senden. Hinter ihm halten immer mehr Fahrzeuge. Und niemand weiß, was vorne passiert. Sind Einsatzkräfte vor Ort? Was genau ist passiert? Wird die Autobahn noch geräumt?

„Ich gehe davon aus, dass die Einsatzkräfte bei einem schweren Verkehrsunfall die Priorität haben, zum Einsatzort zu gelangen. Vor allem wäre es bei Leobersdorf kein Problem, die Autobahn zu erreichen. Es ist daher empfehlenswert, beim Fahrzeug zu bleiben“, sagt Herbert Saurugg, ehemaliger Berufsoffizier und Blackout-Experte. „Anders wäre die Situation vor einem Tunnel. Bei einem flächendeckenden Blackout und mangelnder Infrastruktur müsste dieser lange gesperrt bleiben.“

Das Verkehrschaos, das ein Blackout verursacht, hätte auch drastische Auswirkungen auf die Nahrungsmittelversorgung. Transportfahrzeuge erreichen Großmärkte und Lebensmittel-Filialen verspätet oder gar nicht mehr, ganze Stadt- und Ortsteile wären blockiert. Doch auch in der Landwirtschaft käme es im Blackout-Fall bereits am zweiten Tag zu katastrophalen Situationen: Milchkühe könnten bei Ausfall der Melkmaschinen nicht mehr gemolken werden, müssten aufgrund schmerzhafter Euter-Entzündungen großteils notgeschlachtet werden, in Geflügel-Farmen verenden Tausende Tiere, weil Futtersysteme oder Wärmelampen ausfallen. Die Seuchengefahr würde steigen.


 

Nach wie vor kein Netz. Keine Möglichkeit, nach irgendwelchen Lageinformationen zu sehen. Keine Nachricht von Marie, kein Kontakt zu irgendwem. Und vor ihm steht alles still. Aus dem Autoradio hört er nur, dass es zu einem flächendeckenden Blackout gekommen ist und er sich ruhig verhalten soll. „Scheiße!“, entfährt es Klaus. Die Windschutzscheibe scheint näher zu kommen, der Gurt zieht sich enger um seine Brust. Was, wenn in Wien schon die Anarchie ausgebrochen ist? Wenn Supermärkte geplündert und Wohnungen aufgebrochen werden? Klaus„ Herz beginnt zu rasen. Die Autos vor ihm stehen still. „Ich muss hier raus!“, denkt er sich, öffnet den Gurt und steigt aus dem Wagen. „Tschick?“, fragt eine raue Stimme.

Überall hupen Autos, am Straßenrand streiten sich zwei Männer, deren Fahrzeuge ineinander gekracht sind – bei einem ist die Windschutzscheibe zu Bruch gegangen. „Bleiben Sie ruhig, gehen Sie nach Hause“, tönt es aus dem Lautsprecher eines Polizeiwagens, der im Schritttempo durch die Straße fährt. Viel mehr können die Beamten nicht tun – scheint es Marie. „Tritt ein Blackout ein, wird die Bevölkerung bald merken, dass der Staat ihr vor allem am Anfang nicht viel helfen kann. Die Gesellschaft ist viel mehr auf sich alleingestellt“, sagt Oberst Reisner.

Marie eilt weiter, geht all die Dinge durch, die sie für den Fall eines Blackouts besorgt hat. „Wasser, Reis, Mais…“ Vor allem, um sich abzulenken. Was, wenn sich jetzt schon Banden bilden, das Gesetz der Straße herrscht? „… Batterien, Radio, Kerzen…“

„Die Annahme, dass es bei einem Blackout sofort zu massiven Gewaltausbrüchen kommt, ist falsch. Zahlreiche Studien aus anderen Ländern belegen das. Die Gesellschaft ist solidarischer als man glauben mag“, erklärt Reisner. Dennoch sei es wichtig, entsprechend auf ein Blackout-Ereignis vorbereitet zu sein. „Je mehr Menschen eine ausreichende Versorgung sichergestellt haben, desto geringer das Risiko von Plünderungen zu einem späteren Zeitraum.“ Dennoch ist Vorsicht geboten: „Sollte es der Exekutive aber etwa nicht gelingen, Plünderungen zu verhindern sowie die Ordnung und Sicherheit im Land aufrechtzuerhalten, muss mit Ausschreitungen und Unruhen - insbesondere in Städten - nach drei bis vier Tagen gerechnet werden“, gibt Oberst Gottfried Pausch zu bedenken.

Schon als Marie durch das Einfahrtstor zum Kindergarten geht, hört sie Kinderstimmen, wie sie nur beim Spielen klingen können. Gekreische, Gelächter, Gelärm. Sophie tollt im Innenhof mit ihren Freundinnen herum – keine Anzeichen einer Panik. „Ich habe sie nach draußen gebracht, als das Licht ausging“, sagt die Kindergartenpädagogin mit einem leichten Beben in der Stimme. „Hoffentlich sind bald alle Kinder abgeholt. Meine Tochter liegt mit Fieber daheim und ich habe keine Ahnung, wie lange der Strom noch weg ist.“ Marie denkt an ihre eigenen Ängste um Sophie. An die ältere Dame, die bei der U-Bahnstation wartet. An Klaus, der vielleicht schon daheim ist und sich Sorgen macht.

„Holen Sie Ihre Tochter. Ich passe währenddessen auf die Kinder auf“, sagt sie schließlich. Die Dame findet sich besser zurecht als ein kleines Mädchen mit Fieber. Und Klaus wird die Nerven ebenfalls behalten.

„Danke“, sagt Klaus und nimmt einen Zug von der Zigarette. Es ist die dritte, die ihm Fredl anbietet. Seit einer guten Stunde stehen sie auf der Autobahn, fragen sich, wie es weitergeht. Überall sind die Menschen aus ihren Autos gestiegen, unterhalten, beruhigen einander. Vor einer Viertelstunde haben sich Fredls Sohn und ein paar andere aufgemacht, zur Unfallstelle zu gehen – um zu schauen, ob Einsatzkräfte vor Ort sind und im schlimmsten Fall Erste Hilfe zu leisten. „Bin ich froh um unser Notstromaggregat daheim“, sagt Fredl, der eine Buschenschank in Gumpoldskirchen betreibt. „Da können wir den Schaß aussitzen.“

Fällt der Strom aus, müssen die meisten Geschäfte schließen, da weder Beleuchtung, noch Kühlung oder Kassensysteme funktionieren und auch keine Bezahlung mit Bankomat- bzw. Kreditkarten möglich ist. Sollte Geschäfte nach dem Stromausfall wieder öffnen, dann werden die Regale ziemlich rasch leer sein – sofern nicht bereits hungrige Menschen dort gewaltsam eingedrungen sind und die Waren geplündert haben. Einige Supermarktketten planen, für so einen Ernstfall Wachleute zu engagieren, andere spielen mit dem Gedanken, die Geschäfte offen zu halten, damit die Infrastruktur nicht im Zuge von Plünderungen zerstört wird. So oder so drohen bereits nach wenigen Tagen heftige Zusammenstöße – es herrscht das Recht des Stärkeren.


 

Ein Notstromaggregat für den Ernstfall zu besitzen ist grundsätzlich keine schlechte Idee, allerdings ist allein damit noch nichts erreicht. Es sollte regelmäßig gewartet und getestet werden, zusätzlich stellt sich die Frage der Treibstofflagerung. Und natürlich, welche Geräte problemlos damit betrieben werden können – und welche nicht.

„Mama, warum gehen die Ampeln nicht mehr?“, fragt Sophie, als sie zwischen den wartenden Autos über die Straße gehen. In der Ferne sind Sirenen zu hören, immer wieder durch wütende Rufe und Hupkonzerte unterbrochen. „Weil gerade kein Strom mehr da ist. Und bis der wieder geht, müssen wir eben ohne auskommen“, antwortet Marie geistesabwesend. Zu unsicher scheint ihr die ganze Situation. „Also kein Fernsehen?“, schluchzt Sophie. „Nein, kein Fernsehen, aber dafür ein Campingurlaub daheim“, versucht Marie ihre Tochter zu beschwichtigen. Es scheint zu funktionieren: „Mit Zelt im Wohnzimmer?“ „Aber klar doch.“ Sie erreichen die U-Bahnstation, wo die Dame noch immer auf der Bank wartet.

„Es geht weiter!“, ruft Fredls Sohn, als er und die anderen zwischen den Autos zurückgerannt kommen. „Gottseidank!“, entfährt es Klaus. Vorne starten schon die ersten Motoren. „Ich danke für die Tschick!“, ruft er Fredl noch zu, ehe er ins Auto steigt. Schon bald wird er bei seiner Familie sein. „Das Bundesheer hat seine Sicherheitsinseln geöffnet, um Treibstoff und Freiflächen für Blaulicht- und Hilfsorganisationen zur Verfügung zu stellen. Bleiben Sie weiterhin ruhig und besonnen“, hört Klaus im Autoradio.

„Rommé!“, ruft Sophie und legt ihre Karten auf den Tisch. Frau Huber, die Nachbarin, und Rosa, die Dame von der U-Bahnstation klatschen, schmunzelnd holt Marie die Kaffeekanne vom Gaskocher, schenkt ein und stellt die Tassen neben die vollen Wassergläser am Tisch. Noch fließt das Wasser – zumindest kalt – und nachdem sie so viel wie möglich in Flaschen abgefüllt hatten, beschlossen sie, zur Auflockerung Karten zu spielen.

„Während eines Blackouts ist es wichtig, ein Gemeinschaftsgefühl herzustellen, sich auch einmal abzulenken – etwa durch Spiele. Das ist allerdings nur möglich, wenn die notwendigen Vorsorgen getroffen wurden“, sagt Oberst Reisner. „Vor allem im urbanen Raum sollte man im eigenen Haus nach den Nachbarn sehen und Hilfe anbieten.“

Rosa und Frau Huber kommen gut miteinander aus, kennen sich von früher. „Na jessas, die Traudl vom Kirchenchor! Wie lang is denn des her?“, hat Rosa gerufen, als Frau Huber die Türe geöffnet hat. „So können die beiden aufeinander schauen, was uns allen viel abnimmt“, denkt sich Marie. Wenn nur Klaus bald käme.

Beim Verteilerkreis geht es nicht mehr weiter. Überall stauen sich die Autos, einige stehen leer mitten auf der Straße. Und Klaus„ Tank droht, leer zu werden. Die Tankstellen funktionieren nicht mehr. Vielleicht könnte er irgendwo Benzin in einem Kanister auftreiben, aber was würde es ihm bringen? Der Verkehr ist lahmgelegt. Er fährt ab, stellt sein Auto auf einer der wenigen och freien Flächen ab. „Nur noch zehn Kilometer“, denkt sich Klaus, als er sich in der Dämmerung in Richtung Donaukanal aufmacht.

Der Kerzenschein beleuchtet Sophies Gesicht. Sie ist neben dem Zelt, das im Wohnzimmer steht eingeschlafen, als sie ihren Stofftieren gute Nacht sagen wollte. Marie deckt sie mit dem Schlafsack zu – Camping eben. Rosa und Frau Huber haben sich in der Wohnung gegenüber viel zu erzählen. Gut so – immerhin wohnt Rosa im vierten Stock. Und ohne Lift wäre das für sie eine Katastrophe geworden. Der erste Tag ist überstanden, die ganzen Vorratseinkäufe haben sich bezahlt gemacht. Aber es ist völlig unklar, wie lange dieses Blackout dauern wird. Und vor allem, ob es dann nicht doch unsicher wird, in der Stadt. Wenn es in drei Tagen noch immer keinen Strom gibt, sollten sie zu ihren Eltern nach Niederösterreich gehen… Ein Geräusch schreckt Marie aus ihren Gedanken auf. An der Türe kratzt es. So als wolle jemand das Schloss aufbrechen. Adrenalin schießt durch Maries Adern. Sie läuft zu Türe, schlägt mit der flachen Hand dagegen, schreit laut.

„Sollten Sie Einbrecher oder verdächtige Personen vor ihrer Türe bemerken, tun Sie am besten das, was diese nicht erwarten. Schlagen Sie gegen die Tür und brüllen Sie. Das verunsichert einen Einbrecher massiv“, erklärt Oberst Reisner.

Erschrockenes Brüllen auf der anderen Seite der Tür. Dann Stille. „Marie?“, fragt Klaus verdattert. Sie öffnet. „Ich hatte kein Licht und hab das Schlüsselloch nicht gleich gefunden. Erschreck mich doch nicht so“, sagt Klaus, ehe sich die beiden erleichtert küssen.

Epilog


Diese Geschichte soll die Leser zur Eigenvorsorge motivieren, damit sie im Fall eines Blackouts nicht völlig hilflos dastehen, sondern in der Lage sind, zumindest die ersten Tage einer solchen Katastrophe aus eigener Kraft zu überstehen. Bei einem überregionalen Strom- und Infrastruktur-Ausfall dauert es Wochen, wenn nicht Monate, bis wieder „Normalität“ im Alltag herrscht. Ein Blackout läuft in mehreren Phasen ab. Phase 1: Ein totaler bis weitgehender Strom- und Infrastrukturausfall, welcher je nach Region tagelang dauern kann. Phase 2: Ausfall der Informations- und Kommunikationsmittel (Internet, Handynetze, PCs, Festnetztelefone, Fernseh- und Radiosender). Selbst Einsatz-, Rettungs- und Hilfskräfte müssen mit dem Ausfall ihrer Funksysteme rechnen. Phase 3: Allmähliches Wiederhochfahren der Stromversorgung über schwarzstartfähige Kraftwerke. Dies kann je nach Ausmaß der Infrastrukturschäden, aber auch Wochen und Monate dauern und zu einer enormen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Belastungsprobe werden. Es drohen lang anhaltende Versorgungsengpässe und enorme volkswirtschaftliche Schäden.

 

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