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Bundesheer-Beschwerden
03/27/2013

"Ich schieß' Sie aus dem Leben"

Die Beschwerdezahl im Bundesheer ist 2012 zwar gesunken – heftig waren die Äußerungen aber dennoch.

Von "Sind Sie geistig zurückgeblieben oder nur dumm?" über "Trottel" bis "Hirsch" reichen die Beschimpfungen – der Ton im österreichischen Bundesheer ist bekanntlich ein rauher. Dennoch hat sich die Lage, so scheint es, gebessert: Nach einem Anstieg im Jahr 2011 ist die Beschwerdezahl 2012 wieder gesunken. Gab es 2011 noch 504 Beschwerden, waren es im Vorjahr nur mehr 394. Das geht aus dem am Mittwoch präsentierten Jahresbericht der parlamentarischen Bundesheerkommission hervor.

16-Mann-Zimmer

Die Hälfte der Beschwerden betrafen die Bereiche Ausbildung und Dienstbetrieb – vor allem die Unterkünfte waren Grund zur Klage. Es gebe noch immer 16-Mann-Zimmer mit nur einer Dusche und mangelhaften Sanitäranlagen.

Für die als Folge der Volksbefragung angestrebte Attraktivierung des Grundwehrdienstes empfahl der aktuelle Kommissionsvorsitzende Walter Seledec eine Verbesserung der Unterkünfte, denn diese weisen zum Teil noch immer gravierende Mängel auf - der Schlüssel hierfür sei aber das Geld, ohne finanzielle Mittel werde es nicht gehen. Angesichts der angespannten Budgetsituation zeigte sich Seledec allerdings entsprechend pessimistisch. Wenn etwa kein Geld für Überstunden und Sprit vorhanden sei, werde man keine Nachtübungen und sonstige Spezialausbildungen machen können.

Weitere 24 Prozent der Beschwerden bezogen sich auf Personalangelegenheiten, zwölf Prozent auf Versorgung und Infrastruktur.

Von Trotteln und Hirschen

Insgesamt 41 Beschwerden gab es im Zusammenhang mit Beschimpfungen, die als berechtigt anerkannt wurden. Laut der Kommission ist das allerdings eine relativ niedrige Zahl. So hat etwa ein Kompaniekommandant zu einem Soldaten mit Sonnenbrille gesagt: "Wenn Sie in der Einteilung noch einmal eine Sonnenbrille tragen, dann schieß' ich Sie aus dem Leben." Ein Truppenarzt soll Rekruten als "Trottel" und "Hirsch" bezeichnet haben und gefragt haben: "Sind Sie geistig zurückgeblieben oder nur dumm?"

Im Jahresbericht dokumentiert sind auch ein Fall, bei dem ein Unteroffizier Rekruten für Tischlerarbeiten in seinem Haus herangezogen hat sowie die nächtliche Ausfahrt zweier Offiziere zu einem Nachtlokal. Die Männer ließen sich von einem Rekruten mit einem Dienstauto ins Lokal führen und befahlen dem Grundwehrdiener, zu warten. Nach drei Stunden ließen sie sich vom Rekruten im Morgengrauen zurückchauffieren.

Die Kommission berichtet auch über einen Raufhandel zwischen Grundwehrdienern, bei dem Aussagen wie "Nazis" und "Scheiß Türke" gefallen sind. Vier Rekruten mit Migrationshintergrund wurden wegen Bedrohungen und Tätigkeiten gegenüber anderen Grundwehrdienern versetzt. Seledec betonte aber, dass "Integration beim Bundesheer wahrscheinlich besser funktioniert als sonst wo".

Spiegel der Bevölkerung

Auf das Beschwerdeaufkommen habe sich die Diskussion über das Bundesheer nicht ausgewirkt, sagte Seledec. Er sprach insgesamt von einer "positiven Bilanz" trotz des für das Bundesheer schwierigen Jahres. Es gebe beim Heer zwar Probleme, aber nicht mehr als bei anderen ähnlichen Organisationen. Unter dem Strich bilde das Bundesheer die Bevölkerung ab. Auch die Personenkreise, aus denen die Beschwerden kamen, waren gleichmäßig verteilt: Je ein Viertel der Beschwerdeführer waren Rekruten und Unteroffiziere, je rund 20 Prozent waren Chargen und Offiziere. Rund 80 Prozent der Beschwerden wurden als berechtigt anerkannt.

Von Sautrottel bis Depp: Bundesheer-Beschimpfungen

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