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Chronik ├ľsterreich

Auslandseinsatz: Bundesheer-Ausbildner vor Gericht

Unteroffizier vor Gericht. Anklage wirft ihm Missbrauch der Amtsgewalt bei Auslandseinsatz in Sarajewo vor.

von Josef Kleinrath

02/16/2022, 06:21 PM

Camp Butmir, Sarajewo, Bosnien-Herzegowina, Herbst 2020. Eine Kompanie des ├Âsterreichischen Bundesheeres wird f├╝r den Einsatz ausgebildet. Infanteristen, Sch├╝tzen am Maschinengewehr. Junge ├ľsterreicher, bunt zusammengew├╝rfelt aus allen Teilen der Welt. Ausgebildet f├╝r den Einsatz im Krisengebiet.

Die jungen Soldaten, teils auslandserfahren, teils direkt vom Grundwehrdienst, etwa bei der Garde, werden sp├Ąter die Aussagen eines Ausbildners schriftlich festhalten und dem Heerespsychologen ├╝bergeben. Daraus wird ein Fall f├╝r das Gericht. Auf der Anklagebank landet ein 31-j├Ąhriger Stabswachtmeister aus Wien. Zehn Zeugen, Teilnehmer der Ausbildung an diesem Auslandseinsatz, sind geladen.

"Schlage euch Sch├Ądel ein"

"Ich k├Ânnte auch eine scharfe Munition aus dem Container holen, repetieren, sowie die scharf geladene Waffe an die K├Âpfe der Auszubildenden halten und abdr├╝cken, damit die Auszubildenden einmal einen anst├Ąndigen Druck versp├╝ren", soll der Angeklagte gegen├╝ber seinen Soldaten gesagt haben. Und: "Ich schlage euch die Sch├Ądel ein, weil ich das darf. Ich habe vom Psychologen best├Ątigt bekommen, dass ich ein Aggressionsproblem habe." Weiters d├╝rfte er angedroht haben, die ├ťbung mit scharfer Munition durchf├╝hren zu lassen: "Wenn ihr mir dann ins Bein schie├čt, schie├če ich euch in den Sch├Ądel." Au├čerdem soll es diverse Schikanen gegeben haben, etwa einen Marsch mit Lkw-Reifen.  

"Mission Sunshine"

Der Angeklagte bestreitet im Gespr├Ąch mit dem KURIER im Beisein seines Anwalts, derartige ├äu├čerungen get├Ątigt zu haben, und niemand h├Ątte Angst vor ihm gehabt. Er bekennt sich nicht schuldig. Fraglich sei auch, warum die Vorw├╝rfe erst Monate sp├Ąter erhoben worden seien. Vor der Richterin spricht er von einer "Mission Sunshine", die manche Auszubildende im sch├Ânen Sp├Ątherbst in Bosnien absolvieren wollten, ohne harte Ausbildung. "Die wollen eine ruhige Kugel schieben, Party machen und verstehen nicht, dass sie eine Ausbildung machen m├╝ssen."

Die Erinnerungen an die Tage im bosnischen Herbst 2020 sind unterschiedlich. Ein Soldat, der schon zum sechsten Mal auf Auslandseinsatz war, geh├Ârt zur Speerspitze jener Gruppe, die die Vorw├╝rfe erhoben hatten. Er schildert der Richterin, dass es immer wieder zu ├╝berzogenen ├äu├čerungen gekommen sei. "Wir liegen in der Wiese im Dreck, ich hatte ein geprelltes Schl├╝sselbein, andere hatten das erste Mal ein Maschinengewehr in der Hand. Warum muss das so versch├Ąrft werden?"

"Kommandanten halten zusammen"

Manchmal sei der Ausbildner auch witzig gewesen, eigentlich auch gut: "Und dann kommen pl├Âtzlich emotionale Aggressionsausbr├╝che." Dabei habe er sich h├Âchst unwohl gef├╝hlt. Irgendwann sei es zu viel gewesen, er habe sich die dienstrechtlichen Vorschriften angeschaut und gemeinsam mit anderen Soldaten ├ťbertretungen niedergeschrieben. Direkt Kritik zu ├╝ben h├Ątte sich kaum jemand getraut, Unterst├╝tzung von Zugsf├╝hrern habe es nicht gegeben: "Die Kommandanten halten zusammen."

Nach einem ersten Gespr├Ąch mit dem Psychologen sei die Problematik abgeflaut. "Ein Schuss vor den Bug", meint der Zeuge, "dann ist es ein bisschen besser geworden." 27 von 30 Mitgliedern des Zugs hatten ihre Unterschrift unter eine Liste mit Vorw├╝rfen gegen den angeklagten Unteroffizier unterschrieben. Weil es wieder zu aggressiven Vorf├Ąllen gekommen sei, wurde der Heerespsychologe neuerlich konsultiert. Als das internationale Kommando ├╝ber die Vorg├Ąnge in Kenntnis gesetzt wurde, erinnert sich der Zeuge, sei die Sache dann "zu einer gro├čen Geschichte geworden", Erhebungen der Milit├Ąrpolizei inklusive. Bis zur Strafanzeige.

Auf Durchzug geschaltet

Anders die Erinnerungen eines anderen Soldaten. "Beim Bundesheer darf es schon mal ein rauer Ton sein, ich habe bei manchen Sachen auf Durchzug geschaltet, weil es einfacher war", schilderte der Zeuge. Ein Beispiel, das viele an die eigene Zeit beim Bundesheer erinnern k├Ânnte, brachte der Soldat zur Sprache: "Wir h├Ątten um 8 Uhr in Uniform am Gang sein sollen", erinnert er sich, dann w├Ąre der Tag mit einem leichten Dienst abgelaufen. Zwei Burschen h├Ątten das nicht geschafft. "Also haben wir einen Marsch machen m├╝ssen."

Was in Ordnung sei - schlie├člich sei es ja nicht so schwer, um 8 Uhr fertig zu sein. "Mitgefangen, mitgehangen", quittierte der Staatsanwalt mit einem Verweis auf die eigene Bundesheerzeit. In Richtung des Angeklagten war dieser Zeuge jedenfalls ├╝berzeugt: "Sein F├╝hrungsverhalten hat gepasst. Es geh├Ârt dazu, dass es lauter wird. Dass er ausgezuckt ist, habe ich wirklich nicht mitbekommen." Milit├Ąrisch war dann auch der Abschluss der Verhandlung, die zur Einvernahme weiterer Zeugen auf Mitte M├Ąrz vertagt wurde. Die Richterin zum Angeklagten: "Haben sie noch etwas zu sagen?" - "Negativ!"

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