Die ARA betreibt drei Standorte in Österreich: Einen in Fresach, einen in Reutte und einen saisonalen am Kärntner Nassfeld.

© ARA/Tomas Kika

Chronik Österreich
11/22/2021

ARA-Flugrettung: Erste Nachteinsätze mit Windenbergung

Als erstes Flugrettungsunternehmen darf die ARA nächtliche Windenbergungen in Österreich und Deutschland durchführen.

von Anja Kröll

Es war – ohne Übertreibung – eine gute letzte Woche für die ARA-Flugrettung. Zunächst wurde bekannt, dass das Land die ausstehenden Genehmigungen für die notärztliche Versorgung für Kärntens größtes Skigebiet, das Nassfeld, einem rot-weiß-roten ARA-Hubschrauber (ARA-3) erteilt. Dann folgte die nächste frohe Botschaft. Die ARA erhält als erstes Flugrettungsunternehmen in Österreich und Deutschland die Erlaubnis, nächtliche Windenbergung durchzuführen.

Vorerst für den Standort in Reutte in Tirol. „Dass die Nachtwinde vorerst nur in Tirol zum Einsatz kommt, hat interne, logistische Gründe. Die Tiroler Kollegen sind darauf bereits geschult. In Kärnten wird es dann im Frühjahr soweit sein“, erklärt ARA-Geschäftsführer Thomas Jank.

Einparken ohne Licht

Wer sich nun fragt, was eine Windenbergung überhaupt ist: „Man muss sich das so vorstellen, als ob man mit seinem Auto in einem Parkhaus ist, das Licht geht aus, du siehst nichts, und dein Kollege auf der Rückbank des Autos weist dich in eine kleine Parklücke ein. Also Rückwärtseinparken ohne Licht. Jeder Schritt wird mit Checklisten abgearbeitet“, erklärt ein Pilot.

Im Einsatz bedeutet dies: Der Winden-Operator, der für die Winde verantwortlich ist, sitzt vor dem Einsatz aus Sicherheitsgründen als Co-Pilot neben dem Piloten im Cockpit. Sobald der Pilot in den Schwebeflug geht, steigt der Winden-Operator außen über die Kufen in den hinteren Teil des Hubschraubers. Dann wird der Notarzt oder Sanitäter mit der Seilwinde zum Verletzten hinuntergelassen.

Der größte Vorteil der Windenbergung gegenüber der Seilbergung sei laut Experten, dass man in einem Notfall, bei dem jede Minute zählt, wesentlich schneller agieren kann. Denn mit einem Seil benötigt man zunächst einen Zwischenlandeplatz, bei dem der Flugretter am Seil angehängt wird, dann wird er zum Verletzten transportiert, dann geht es wieder zu einem Zwischenlandeplatz, um den Verletzten in den Hubschrauber zu heben.

Bei der Windenbergung sei die Verladung des Verletzten während des Fluges möglich – ohne Zwischenlandung.

Kostenintensiv

Bereits zwei Mal hat die Nachtwinde in der Praxis ihr Können in Tirol unter Beweis gestellt. Zuletzt bei einem Nachteinsatz der Bergrettung Ehrwald auf der Zugspitze: Gemeinsam mit dem Team des Notarzthubschraubers RK-2 bargen die Einsatzkräfte in der Dunkelheit einen abgestürzten, schwer verletzten deutschen Gleitschirmflieger.

Bleibt die Frage, ob der schulungsintensive Einsatz der Nachtwinden-Rettung auch eine Verteuerung bei der Abrechnung der Flugminuten (aktuell 119 Euro pro Minute) mit sich bringen wird. „Der Einsatz ist eine kostenintensive Sache. Momentan versuchen wir die Kosten selbst zu stemmen. Die Frage ist, ob dies dauerhaft möglich sein wird“, sagt Jank.

20 Jahre
Die ARA Flugrettung ist eine Tochtergesellschaft der DRF Luftrettung und wurde im Jahr 2001 gemeinsam mit dem Österreichischen Roten Kreuz und dem Landesverband Kärnten ins Leben gerufen.

32 Tausend
Einsätze wurden seither absolviert. Für die ARA arbeiten 94 Personen: 13 Piloten, 13 Windenoperatoren, 19 Flugretter, 39 Notärzte und sieben Verwaltungskräfte. Geflogen wird derzeit von 7 Uhr Früh bis Sonnenuntergang. Maximal 16 Stunden.

Das Go für die Windenbergung bei Dunkelheit, bedeutet übrigens nicht automatisch, dass die ARA-Flugrettung nun auch ihrem Ziel näherkommt, auf einen 24-Stunden-Flugbetrieb umzustellen. Bisher dürfen „nur“ 16 Stunden am Tag geflogen werden. „Wir sind bereit für den 24-Stunden-Betrieb. Aber das ist eine Frage der Politik, weil es auch finanziert werden muss“, sagt Jank. Teuer wird ein 24-Stunden-Flugbetrieb, da statt einer Crew, zwei zum Einsatz kommen. Aber vielleicht wäre dies dann ja die dritte Frohe Botschaft für die ARA.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.