PRESSEKONFERENZ "GRIPPEIMPFUNG FÜR KINDER GRATIS": ANSCHOBER

© APA/HERBERT NEUBAUER / HERBERT NEUBAUER

Chronik Österreich
09/21/2020

Anschober: Grippeimpfung im kostenfreien Kinderimpfprogramm

Kinder unter zehn Jahren sind keine Corona-Superspreader. Anders verhält es sich bei Influenza.

Kinder unter zehn Jahren sind nach derzeitigem Wissensstand keine Superspreader, was Coronaviren betrifft, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober am Montag bei einer Pressekonferenz. Anders verhält es sich bei Influenza: Kinder seien ein Hauptverbreiter saisonaler Viren. Sie können auch selbst schwer erkranken, sogar Todesfälle gab es in den vergangenen Jahren. Heuer wird die Grippeimpfung erstmals im kostenfreien Kinderimpfprogramm angeboten. 

Kinderimpfprogramm

Man dürfe Influenza und Corona nicht gegenseitig aufrechnen, beide Krankheiten seien ernst zu nehmen.Um eine Reduktion zu erreichen, wirken die Basismaßnahmen Mindestabstand, Mundnasenschutz und Hygiene reduzierend in beiden Bereichen. Die Aufnahme der Grippeimpfung in das Kinderimpfprogramm sei ein großer strategischer Hebel. „Ich bin froh, dass wir die Influenzaimpfung jetzt in das österreichische Kinderimpfprogramm aufgenommen haben. Sie ist ab den vollendeten 6. Lebensmonat empfohlen.“ Empfohlener Zeitpunkt ist Ende Oktober, vorher wird der Impfstoff nicht ausgeliefert. 

Vergangene Saison habe es  rund 300.000 Influenza-Erkannte in Österreich gegeben, die Mortalität liege bei 1000 Todesfälle pro Jahr. Der große Unterscheid zwischen Grippe und Corona bei Kinder sei, dass Corina bei den meisten Kindern asymptomatisch verlaufe. Welche Rolle Kinder im Infektionsgeschehen spielen, werde derzeit untersucht.  Bei Grippe hingegen könnten Kinder selbst schwer erkranken. Vorige Saison habe es neun Influenza assoziierte Todesfälle bei Kindern gegeben. Und: „Kinder tragen stark zur Ausbreitung bei. Daher ist Impfung bei Kindern zielführend. Auch, um Weiterverbreitung zu vermeiden.“

Keine Fächerbegrenzung mehr

Auch Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, betonte die große Rolle von Kindern bei der Übertragung von Grippeviren.  Neben Kindern solle man bei der Impfung auch auf Schwangere und ältere, chronisch kranke Menschen und Gesundheitspersonal fokussieren. Die Impfung werde beim Kinder- und Hausarzt zu bekommen sein. Die Fächerbegrenzung ist dabei gefallen: Der Kinderarzt kann auch Erwachsene impfen.  Die bisherigen Impfquote bei Grippe liege bei zehn Prozent. „Das gehört angehoben. Nutzen Sie die Möglichkeit, sich zum impfen. Gerade in Zeiten, wo es mehrere Infektionskrankheiten gibt, sollte man sich schützen.“

Bessere Schutzwirkung

Impfstoffexpertin Ursula Wiedermann-Schmid, Vorsitzende des Nationalen Impfgremiums, betonte, dass eine Grippeinfektion tödlich ausgehen kann. 450.000 bis 1,3 Millionen Österreicher betrifft jährlich die Influenza. Pro Jahr gibt es 500 bis 1.000 Grippe-Todesfälle. Durch eine Impfung können etwa Influenzabedingte Herzinfarkte und Schlaganfälle reduziert werden. Auch Schwangere gehören zur Risikogruppe. Kinder impfen zu lassen sei nicht zuletzt deshalb wichtig, weil die jüngere Population eine bessere Schutzwirkung aufbauen könne und deshalb zur Herdenimmunität beitrage. Zu Grippe-Erkrankung selbst sagte Wiedermann-Schmid, dass der Schweregrad bei Kindern, die Zahl der Hospitalisierungen und die schweren Verläufe oft unterschätzt werden. Außerdem seien Kinder hauptverantwortlich für Verbreitung. „Sie tragen die Krankheit nach Hause in die Familien. Daher ist es sinnvoll,  die Kinder besonderes gut zu schützen. Das hat auch einen Kosten-Nutzen-Effekt. Wir wollen mit dem gezielten Impfen der Kinder eine Überlastung des Gesundheitssystems vermeiden.“ 350.000 Impfdosen stehen für das kostenfreie Kinderimpfprogramm zur Verfügung.

Hohe Todesrate

Auch Jürgen Dornbusch, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, betonte  die hohe Todesrate bei Grippe. „Wir haben über tausend Fälle pro Jahr, man versteht das bei Älteren, etwa durch Vorschädigung von Herz und  Lunge, aber es sterben auch Kinder,  und zwar nicht nur Vorerkrankte. Es gibt keine Meldepflicht, daher war das in diesem Ausmaß bisher nicht bekannt.“ Die Infektionsrate sei bei Kindern wesentlich höher. „Daher spielen sie die Hauptrolle in der Verbreitung der Influenza -  ganz im Gegenteil zu den Daten, die wir bisher über Corona haben.

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