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Kriminalität
07/05/2019

Angeblicher russischer Mafia-Pate aus der U-Haft entlassen

Der 61-jährige Mann soll einen Mordauftrag gegen einen wirtschaftlichen Konkurrenten erteilt haben. Jetzt befindet er sich wieder auf freiem Fuß.

von Michaela Reibenwein, Dominik Schreiber

Fast einen Monat lang saß der russische Geschäftsmann K. in Graz in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Er soll einen Mordauftrag gegen einen teilweise in Österreich lebenden wirtschaftlichen Konkurrenten erteilt haben - und der Russen-Mafia angehören.

Seit Donnerstagmittag befindet sich der 61-Jährige nun überraschend wieder auf freiem Fuß. Der Belastungszeuge (der Mann aus Aserbaidschan sollte den Auftrag angeblich für 500.000 Euro ausführen) hatte sich in Widersprüche verheddert. Das Oberlandesgericht Graz hat nun zugunsten des Russen entschieden. Die (einzige) Belastungsaussage sei zu vage. Im Umfeld des mutmaßlichen Opfers zeigt man sich erschüttert darüber, der Geschäftsmann fürchte um sein Leben.

K. ist in Österreich kein Unbekannter. Er hatte versucht, eine Bank zu kaufen und hat auch seine Finger bei einem österreichischen Mineralwasser-Erzeuger im Spiel. Mit einem Geschäftspartner soll er schließlich in Streit geraten sein - es ging ums Geld. Und genau diesen Partner hätte er im Rahmen dessen Urlaubs in Bulgarien aus der Welt schaffen wollen, sind die Staatsanwaltschaft Graz und das Bundeskriminalamt überzeugt.

Dieb im Gesetz?

K., der mit seiner Familie in Wien lebt, stritt die Vorwürfe seit jeher ab. "Ich bin ein großer Geschäftsmann", erklärte er. "Man will mir einfach mein Geschäft und mein Unternehmen zerstören."

"Es gibt keinen Nachweis, dass mein Mandant jemals einen derartigen Mord in Auftrag gegeben hat. Das stammt nur von einem Zeugen, der bei seinen Aussagen verschiedene Angaben gemacht hat", sagt Rechtsanwalt Alexander Stimmler, der den Russen gemeinsam mit Elisabeth Rech vertritt. Auch die Mafia-Vorwürfe seien unrichtig. K. sei im Zuge einer großen Ermittlung, die gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg geführt wird, "hineingerutscht", sagt Anwalt Stimmler. Das steht im krassen Widerspruch zur Annahme der Ermittler, die sogar davon ausgehen, dass K. ein "Dieb im Gesetz" sei - mit diesem Namen werden Anführer (Paten) der russischen Mafia bezeichnet.

Insgesamt acht Personen wurden im Zuge der Ermittlungen in U-Haft genommen, deutlich mehr werden als Verdächtige betrachtet. Jener Mann, der den Mord angeblich hätte ausführen sollen, soll dem Vernehmen nach vorerst noch einsitzen. Dessen Haftverhandlung ist für Dienstag angesetzt.