Chronik | Österreich
20.03.2014

AMS-Kunden werden "spürbar aggressiver"

1137 Vorfälle registrierten AMS-Mitarbeiter im Vorjahr. Am Donnerstag wurde eine Wiener Filiale nach einer Bombendrohung evakuiert.

Der raue Ton am heimischen Arbeitsmarkt ist auch in den Stuben des Arbeitsmarktservice (AMS) spürbar. Erstmals liegen einheitliche Zahlen zur Sicherheitslage in den Jobcentern vor. Das geht aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung durch das Sozialministerium hervor. Fazit: Die Zahl an Vorfällen ist hoch und dürfte, wie es etwa im Kärntner AMS heißt, aufgrund "der prekären Situation ... und dem existenzgefährdenden Druck der Arbeitslosigkeit" weiter steigen.

Um die Lage besser beurteilen zu können, setzte das AMS ein Projekt zur einheitlichen Erfassung von Vorfällen auf. Beschimpfungen, Drohungen, Gewalt – all dies wird nun von den Regional- und Landesstellen nach Kriterien erfasst. Insgesamt registrierten die AMS-Stellen im Vorjahr 1137 solcher Vorfälle. Mit jenen 1400 gemeldeten aus dem Jahr zuvor ist diese Zahl deshalb schwer zu vergleichen, weil damals noch nicht einheitlich erfasst wurde. Die Arbeitsvermittler aus dem Burgenland berichten in der Beantwortung etwa von "spürbar aggressiveren" Kunden. Anzeigen sind im Vergleich dazu selten: Im Vorjahr waren es 23.

Die Gründe für Entgleisungen liegen auf der Hand: "Das sind Themen, die an die Existenz gehen", erklärt Sebastian Paulick, Sprecher des Wiener AMS. Wenn das Arbeitslosengeld auslaufe, sei die Verzweiflung groß.

Wachmänner

Das AMS beobachtet die Entwicklung nicht nur, sondern steuert gegen. In Wien sind flächendeckend Wachmänner im Einsatz. Sprecher Paulick betont, dass dies eine "abschreckende Wirkung" habe. Überdies setzt man in der Bundeshauptstadt auf Mitarbeiterschulungen – etwa Deeskalationstrainings.

Die Statistik hat aber eine Schwäche: Zwar gibt es einen Kriterien-Katalog, allerdings nimmt jeder Mitarbeiter Vorfälle anders wahr. Ein Beispiel: Aus Wien, wo die Mitarbeiter im Umgang mit schwierigen Klienten "abgehärtet" sind, kamen "nur" 119 Meldungen, aus dem Burgenland mit 284 die meisten. Dafür sind auch die in den einzelnen Bundesländern gesetzten Maßnahmen verantwortlich. Während sich im konflikterprobten Wien die AMS-Mitarbeiter sicher fühlen, berichten ihre niederösterreichischen Kollegen von einer "Tendenz zur steigenden Aggression".

Einen seltenen Zwischenfall gab es am Donnerstag um neun Uhr: Nach einer telefonischen Bombendrohung wurde die Wiener AMS-Filiale Hauffgasse evakuiert. Polizisten samt Spürhunden fanden aber nichts. Nach eineinhalb Stunden durften die 48 Mitarbeiter zurück in ihre Büros.