Valentin wäre vor zwei Wochen sechs Jahre alt geworden

© APA/ERWIN SCHERIAU

Steiermark
09/23/2016

Amokfahrt: "Er war da, um uns umzubringen"

Am vierten Prozesstag behauptet Alen R., er sei selbst traumatisiert.

von Elisabeth Holzer

"Ich will ihn nicht sehen. Mit seinem Gesicht will ich nicht leben." Die Stimme des Zeugen zittert, immer wieder bricht der Mann in Tränen aus, doch Alen R. wurde längst aus dem Saal geführt. "Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht daran denke", schluchzt der Grazer. "Oh Gott, Valentin. Der Mann hat Gas gegeben und ihn voll mitgenommen."

Er ging am 20. Juni 2015 ein, zwei Schritte vor dem kleinen Buben. Valentin hüpfte da gerade in der Herrengasse in eine Wasserlacke und spielte: Er war das jüngste Todesopfer der Amokfahrt.

Der Lenker sei da gewesen, "um uns umzubringen", glaubt der Grazer, der mit seinem Sohn und einem Freund an dem Samstag in der Innenstadt war - Valentins Vater. Der Mann sollte als Zeuge kommen, aber es schaffte es nicht. "Verständlich", kommentiert Richter Andreas Rom.

Eine Tragödie

R. sitzt wie immer im zu großen weißen Anzug da. Wieder versucht Verteidigerin Liane Hirschbrich, ein Wort der Reue von ihm zu bekommen. "Der vierjährige Valentin wurde von Ihrem Auto erfasst. Als Vater zweier Kinder: Empfinden Sie das als Tragödie?" Es scheint nicht so. Denn R. wiederholt bloß, er könne nichts dafür, er kenne diese Leute nicht. "Ich hatte panische Angst um mein Leben." Richter Rom lässt ihm das Mikrofon abnehmen. "Danke, das kann ich auswendig."

Als R. später dann auch noch behauptet, er sei selbst traumatisiert worden, raunen Zuhörer empört auf. "Durch die Leute, die meine Spiegel gestreift haben."

Dumpfer Prall

Eine Grazerin, die gerade noch in ein Geschäft flüchten könnte, schildert weinend, sie sei erst durch einen "dumpfen Prall" überhaupt auf das Geschehen hinter sich aufmerksam geworden. Der "dumpfe Prall" war Michaela S., 54, die R. Sekunden vor Valentin erfasste. "Die Frau, die zu Tode gekommen ist, hat mir das Leben gerettet", schluchzt die Grazerin. "Ich hätt’ ja sonst nicht nach hinten geschaut. Der hätte mich voll erwischt."

Eines ist bei allen Zeugenaussagen gleich: R. habe gezielt gelenkt. "Er hat den Weg gewählt, wo die meisten Menschen waren", erinnert sich eine Frau. "Wen er erwischt, war ihm wurscht."

Alen R. indes hat eine neue Version parat: Er habe Brems- und Gaspedal verwechselt. Und das Auto habe die Kontrolle verloren.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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