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Chronik Österreich
01/14/2021

Als falsche Polizisten "alte Leute ausgenommen"

Mutter und Schwester des mutmaßlichen Bandenchefs Kerim Y. mussten sich vor Gericht verantworten.

von Michaela Reibenwein

Seit Jahren soll die Bande ihr Unwesen getrieben haben. Unzählige Pensionisten sind bereits in die Falle getappt, der (bekannte) Schaden beträgt 4,5 Millionen Euro. Am Donnerstag standen erstmals sechs Beschuldigte aus der Führungsebene der Betrüger vor der Richterin – darunter auch die Mutter und die Schwester des mutmaßlichen Bandenchefs Kerim Y.

Die beiden Frauen wollen nichts mit den Machenschaften zu tun haben. „Ich schäme mich für meinen Sohn, dass wir unsere Namen befleckt haben und hier sind“, sagt sie. Doch die Unschuld nimmt ihr der Staatsanwalt nicht ab. So reisten die Frauen mehrmals aus der Türkei an, ein Beschuldigter bestätigt, dass er 20.000 Euro in einem Kuvert an sie übergeben hat – Geld, das falsche Polizisten zuvor verängstigten Pensionisten abgenommen haben sollen.

Angstmache

Die Masche war immer gleich: Von der Türkei aus soll Kerim Y. (ein ehemaliger Mietwagen-Unternehmer) betagte Personen angerufen haben – teils mit einer Polizei-Telefonnummer. Man habe bei Einbrechern die Namen und Adressen der Betroffenen gefunden, eine Straftat stünde unmittelbar bevor. Sie sollten das Geld und Schmuck sofort der Polizei übergeben.

Unzählige Pensionisten taten es wirklich. Geld und Schmuck wurden schließlich über Umwege in die Türkei gebracht. „Sie haben alte Leute ausgenommen“, sagt der Staatsanwalt.

Der Hauptbeschuldigte sei ein „aggressiver Mensch, der das Kommando in der Familie führte“, sagt Anwältin Astrid Wagner, die Mutter und Schwester vertritt. „Er hatte sie in der Hand. Sie wussten nichts von seinen Machenschaften.“

Das Gericht sah das anders und verurteilte die beiden – nicht rechtskräftig – zu je drei Jahren Haft. Die restlichen Angeklagten fassten geringere bedingte und unbedingte Haftstrafen aus.

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