© Nagl Matthias

Reportage
05/13/2020

Als der Grenzverkehr wieder Fahrt aufnahm

Die Öffnung kleiner Grenzübergänge sorgt in Salzburg bei Pendlern für Erleichterung. Unverständnis über Informationspolitik.

von Matthias Nagl

Um die Mittagszeit entwickelt sich auf der engen Grenzstraße in Großgmain sogar wieder ein kleiner Stau. Das hat es seit zwei Monaten nicht mehr gegeben. Die Grenze zum Nachbarort Bayerisch Gmain in Deutschland liegt gleich neben der Kirche mitten im Ortszentrum und war seit 17. März komplett gesperrt.

Seit Mittwoch, 6 Uhr früh, ist die Grenze zumindest für Pendler wieder offen. Beim KURIER-Lokalaugenschein einige Stunden später herrscht schon wieder reger Grenzverkehr. Einzelne Autofahrer werden auf beiden Seiten wieder zurückgeschickt, die meisten dürfen nach Vorweisen der notwendigen Papiere aber auf die andere Seite.

Gemeinsame Kläranlage

„Wegen der vielen Pendler ist die Öffnung für beide Orte extrem wichtig“, sagt Sebastian Schönbuchner, Bürgermeister von Großgmain. „Mehrere Großgmainer arbeiten in Bayerisch Gmain im Altenheim, von drüben arbeiten einige bei uns“, erzählt Schönbuchner. Sie sparen sich nun wieder den 24 Kilometer langen Umweg über den Walserberg und sind in wenigen Minuten in der Arbeit.

Das Coronavirus schaffte, was seit dem EU-Beitritt vor 25 Jahren undenkbar war. Ein Bauzaun – dank EU-blauer Folie noch dazu blickdicht – trennte die beiden Orte von einem Tag auf den anderen. „Unsere Orte sind seit Jahrhunderten eng verbunden“, sagt Armin Wierer, Bürgermeister von Bayerisch Gmain. „Wir haben eine gemeinsame Kläranlage und einen gemeinsamen Sportplatz“, erzählt er.

Ärger mischt mit

Michaela Metzger, Wirtin des Gasthofs „Kaiser Karl“ einen Steinwurf von der Grenze auf österreichischer Seite entfernt, erkundigt sich bei den Polizisten, ob ihr Kellner zu Fuß über die Grenze darf, um bei den Vorbereitungen für die Wiedereröffnung am Freitag zu helfen.

Ja, er darf, allerdings ist der Grenzübertritt weiter nur für Pendler erlaubt.

Das wird streng gehandhabt und gilt auch für TV-Teams. So filmt ein ORF-Team am Mittwoch von österreichischer Seite die Grenze, auf der anderen Seite dreht ein ZDF-Team. Beide Gruppen bleiben brav auf ihrer Seite. Ab Freitag soll an den Grenzen nur mehr mittels Stichproben kontrolliert werden. Was das heißt, wissen die betroffenen Bürgermeister aber noch nicht . „Die Informationslage ist extrem dürftig“, sagt Wierer.

Auch sonst mischt sich in die Erleichterung um die Grenzöffnung auch einiges an Ärger. Der „Kaiser Karl“ hat die Zwangspause kreativ mit einem Lieferservice überbrückt. „Ich habe viele Kunden von drüben. Denen habe ich das Mittagessenunter dem Zaun durchgeschoben“, erzählt Metzger. Dass ab Freitag viele Deutsche wieder zum Mittagessen nach Großgmain kommen, glaubt sie nicht. Auch für die tatsächliche Grenzöffnung Mitte Juni ist Metzger noch skeptisch. „Das glaube ich erst, wenn ich es sehe“, sagt sie.