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Chronik Österreich
02/11/2021

Ärzte können sich Impfstoff nicht aussuchen

Ob Mediziner mit Vakzinen von Biontech Pfizer oder Astra Zeneca immunisiert werden, orientiert sich nicht an deren Wünschen, betont der Ärztekammer-Chef.

von Martin Gebhart

Ärzte und medizinisches Personal werden bereits in ganz Österreich durchgeimpft, sofern genügend Impfstoff vorhanden ist. Für Diskussionen hat dabei gesorgt, dass sich Mediziner bei der Anmeldung den Impfstoff aussuchen können, wobei derzeit die Vakzine von Biontech/Pfizer und Astra Zeneca zur Verfügung stehen.

Im KURIER-Talk zieht Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres diese Option zurück und verweist auf die Empfehlung des nationalen Impfgremiums, wonach mit Astra Zeneca nur Personen unter 65 Jahren geimpft werden sollen.

Szekeres zerstreut aber die Bedenken seiner Berufskollegen: „Der Impfstoff Astra Zeneca ist ähnlich gut wie alle Impfstoffe, die von der europäischen Behörde zugelassen worden sind. Sie sind wirkungsvoll und sicher, sonst hätten die das nicht zugelassen. Astra Zeneca schützt sehr wohl vor schweren Erkrankungen. Das ist das Wesentliche und das Wichtige.“

Zu wenig Impfstoff

Deswegen eigne sich der Impfstoff sehr wohl für alle Mediziner, die jünger als 65 Jahre sind. Biontech/Pfizer sei für die älteren Ärzte vorgesehen, von denen noch sehr viele im Dienst stehen würden. Dass man auf der Homepage der Ärztekammer die Option geboten habe, den Impfstoff auswählen zu können, „das war sicher ein Fehler“.

Das große Problem sei momentan allerdings nicht, welcher Vakzine verimpft werden, sondern, wie viele Dosen überhaupt zur Verfügung stehen. Szekeres: „Im Moment ist die Hauptschwierigkeit, dass wir zu wenig Impfstoff haben. Der Impfstoff, der reinkommt, der wird mittlerweile relativ zeitnah verimpft.“ Jetzt hoffe man, dass im März wieder mehr Impfdosen geliefert werden.

Szekeres: „Das Impfen selbst ist kein Problem. In Wien gibt es eine Impfstraße, wo etwa die niedergelassenen Ärzte und ihre Mitarbeiter geimpft werden. Das funktioniert hervorragend. Da kann man ganz viele Menschen in kurzer Zeit impfen. In ländlichen Gegenden ist es sinnvoll, wenn die Hausärzte wohnortnahe impfen. Auch die können das. Und die stehen Gewehr bei Fuß und freuen sich darauf, impfen zu dürfen. Sobald der Impfstoff kommt.“

Als hauptberuflicher Mitarbeiter des Wiener AKH ist der Ärztekammerpräsident selbst bereits geimpft. „Bei uns sind das schon zirka die Hälfte der Mitarbeiter. Es wird laufend geimpft und ich bin auch geimpft worden“, sagt Szekeres. Nebenwirkungen habe er keine gehabt. „Ich habe das kaum gemerkt. Aber es gibt einige Kollegen, die haben ein bisschen über erhöhte Temperatur und Müdigkeit geklagt. Aber das vergeht nach ein bis zwei Tagen.“

Die Lockdown-Frage

Die Sorge vieler Experten, dass das Ende des harten Lockdowns zu einem starken Ansteigen der Infektionszahlen führen können, teilt der Ärztekammerpräsident. Auf der anderen Seite kann er auch mit der Entscheidung der Bundesregierung leben.

Szekeres: „Ich verstehe die Entscheidung. Man wird das jetzt sehr engmaschig kontrollieren müssen und schauen, was mit den Zahlen passiert. Die Gefahr besteht natürlich, dass wir in den nächsten Lockdown schlittern, sollten die Zahlen plötzlich stark ansteigen. Das ist ja das Fatale, wenn die Infektionskette beginnt, dann kann es dazu kommen, dass diese Zahlen exponentiell, also sprunghaft ansteigen. Und dann wird man sicherlich etwas dagegen tun müssen.“

Gleichzeitig appelliert Szekeres an die Eigenverantwortung der Menschen: „Verantwortlich sind wir in letzter Konsequenz alle dafür. Das heißt, ich appelliere an die Menschen: Halten Sie sich an die Vorgaben. Tragen Sie Masken. Diese FFP2-Maske schützt besser als eine selbst gebastelte. Halten Sie Abstand. Und seien Sie vorsichtig. Besonders in geschlossenen Räumen. Lüften Sie regelmäßig. Dann hoffen wir natürlich, dass sich mit dem Frühjahr die Lage auch ein bisschen entspannt, weil die Menschen mehr außerhalb und weniger in geschlossenen Räumen sind.“

Die Situation von Gesundheitsminister Rudolf Anschober sieht Szekeres in Zeiten der Pandemie so: „Der Gesundheitsminister ist natürlich extrem belastet und in einer Situation, in der keiner von uns gerne sein möchte.“

Aber im Herbst habe man Fehler gemacht und mit dem Lockdown zu lange zugewartet. Bei den Menschen sei damals die Akzeptanz für einen harten Lockdown auch erst gekommen, als die Infektionszahlen rasant nach oben gegangen sind. Szekeres: „Dem war es vermutlich geschuldet, dass hier ein bisschen zu lange zugewartet wurde. Wenn man eine Woche früher reagiert hätte, wäre es besser gewesen. Der Bundeskanzler hat das ja auch so artikuliert.“

Die Frage, die der Ärztekammerpräsident derzeit noch nicht beantworten kann: Wann werden wir unser normales Leben wieder zurückhaben? Szekeres: „Na ja, es wird schon einige Monate in Anspruch nehmen, fürchte ich. Und meine große Hoffnung ist, dass es uns gelingt, mehr Impfstoffe einzukaufen.“

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