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Chronik Österreich
02/11/2022

50.000 Betrugsfälle via Anruf oder SMS: Zahlen explodieren

Das Bundeskriminalamt warnt vor neuen Technologien, die Telefonschwindlern die Arbeit erleichtern.

von Antonio Šećerović

Sie setzen auf psychischen Druck und nutzen Stress und Angst ihrer Opfer, um so viel Geld wie möglich zu ergaunern: internationale Telefonbetrüger. Gerald Rak, Leiter der Betrugsermittlungen im Bundeskriminalamt (BK), spricht von einer Verschiebung der Betrugsphänomene. Was früher der klassische „Enkeltrick“ war, sind heute computergesteuerte Anrufe, die im Fachjargon „Call Bots“ heißen.

Dabei handelt es sich um Anrufe, bei denen die Opfer mit einer Tonbandaufnahme in englischer Sprache konfrontiert werden. Mittels „Call ID Spoofing“ werden Telefonnummern gefälscht, das Display des Empfängers zeigt stets eine echte österreichische Nummer an. Damit können Täter fast unmöglich ausgeforscht werden.

Doch nicht nur mit diesem Trick haben die Betrüger ihre Masche weiterentwickelt: „Sie haben einen Weg gefunden, um eine Vorauswahl von leichtgläubigen Personen zu treffen, die nicht bemerken, dass es sich beim Anrufer um ein Tonband handelt“, sagt Rak. Konkret müssen die Opfer eine bestimmte Tastenkombination auf ihrem Telefon eingeben, um das Gespräch fortzusetzen.

Die Meldestelle für Rufnummernmissbrauch der Rundfunk- und Telekom-Regulierung (RTR) verzeichnete im Vorjahr insgesamt 56.418 Betrugsanrufe und Betrugs-SMS, doppelt so viel wie im Jahr 2020.

Aggressive Anrufer

Die am häufigsten gemeldeten Call-Bot-Anrufe in Österreich kommen von angeblichen Beamten und von Microsoft-Support-Mitarbeitern. In beiden Fällen versuchen die Täter, in meist schlechtem Englisch Druck auszuüben, was die Opfer durchaus verunsichert. Oft werden die Täter aggressiv, wenn Fragen gestellt werden.

Meistens stellen sich die Schwindler als Beamte vor und unterstellen den Angerufenen strafbare Handlungen. „Dann wird angeboten, sich freizukaufen. Dafür werden bis zu 60.000 Euro pro Überweisung verlangt“, sagt der Betrugsexperte.

Bei Fake-Anrufen von angeblichen Microsoft-Mitarbeitern behaupten die Betrüger, von einem Problem auf dem Computer des Benutzers zu wissen. Als Teil der Lösung werden Einmalzahlungen, Abos oder die Installation einer Software angeboten, mit der die Betrüger zu Bankdaten kommen, um so Geld zu ergaunern, erklärt Rak.

70 Phänomene

Seine Abteilung setzt heuer auf noch schnellere Auswertungen und Analysen der mehr als 70 Phänomene, die im Zusammenhang mit Telefonbetrug stehen. „Die Ermittler scannen das Bundesgebiet und arbeiten eng mit Opfern zusammen. Falls die Betroffenen die Überweisungen nicht storniert haben, benutzen wir die Kanäle der Geldwäschemeldestelle und versuchen das Geld bei den Banken einzufrieren“, sagt der Leiter und spricht von einer Rückholsumme von 100.000 Euro nur im Jänner. 

Wie viel Geld insgesamt im Vorjahr sichergestellt wurden konnte, wird von offizieller Seite noch erhoben. „Die Zahl der Anzeigen ist derzeit überschaubar, die Dunkelziffer soll aber sehr hoch sein“, schätzt der BK-Mann.

Misstrauen wichtig

Um Telefonbetrug zu vermeiden, rät der Experte bei unbekannten Nummern immer misstrauisch zu sein: „Wenn sie rangehen und ein Tonband erkennen, am besten sofort auflegen und die Polizei verständigen“.

Wichtig ist es in Erinnerung zu rufen: Polizei, Justiz oder ähnliche Ämter ersuchen die Bürger niemals, eine Software zu installieren oder Geld zu überweisen. Und: die österreichischen Beamten benutzen bei Anrufen keine Tonbänder.

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