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Spieltrieb
08/16/2021

20 Jahre Carcassonne: 10 Dinge, die Sie nicht über das Kult-Spiel wussten

Das Plättchen-Spiel feiert seinen 20. Geburtstag mit einer edlen Jubiläums-Edition und neuen Inhalten. Es hat sich laufend neu erfunden – und ist in Würde gealtert. Ein anekdotischer Rückblick.

von Christoph Schwarz

Das Problem an Jubiläen ist ja mitunter, dass sie einem vor Augen führen, wie alt man selbst geworden ist. Mit dem Alter kommen die Anekdoten – und derer gibt es im Fall von Carcassonne nach 20 Jahren so einige zu erzählen. Oder wussten Sie, dass ...

... das Spiel auf einer Recherchereise für ein Buch entstand?

Im Jahr 1999 begab sich Autor Klaus-Jürgen Wrede in die Region um Carcassonne, um über den Kreuzzug gegen die ketzerischen Katharer zu forschen. Dabei entstand die Idee für das Spiel, das im Jahr 2000 als sein Erstlingswerk im „Hans im Glück“-Verlag erschien. Das geplante Buch veröffentlichte Wrede übrigens auch – aber erst 2015.

...dass sich das Spiel seit 2001 mehr als 13 Millionen Mal verkauft hat?

Insgesamt erblickten also mehr als vier Milliarden der ikonischen Spielfiguren das Licht der Welt. Carcassonne wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und mit Preisen überhäuft. Es spielt damit in einer Liga mit den bekanntesten Spielen der Welt.

... das Spiel als einer der Wegbereiter der heute populären Spielmechanik des Worker Placement gilt?

Kluges Spielfiguren-Management ist alles bei Carcassonne: Die – in der Zahl knapp bemessenen – Gefolgsleute müssen punktebringend auf neu angelegte Geländeplättchen mit Burgen, Wegen, Klöstern und Wiesen – die nach und nach das Spielfeld formen – gesetzt werden. Das strategische Element: Einmal ausgespielt, erhält man die Figur spät oder gar erst am Spielende zurück. Eine Art Vorstufe der Worker-Placement-Mechanik, die sich ab 2000 großer Beliebtheit erfreut.

Was hinter dem Fachbegriff steckt: Die Spieler können beim Worker Placement mit ihren Figuren pro Runde eine Anzahl an Aktionen setzten – und so gemeinschaftliche Felder belegen, die anderen vorübergehend nicht zur Verfügung stehen. Bekannte Beispiele: Agricola, Village, Die Säulen der Erde.

... die Spielfiguren von Carcassonne einen eigenen, ganz besonderen Namen tragen?

Das gibt es in keinem anderen Spiel. Die Internet-Community hat der Spielfigur einen speziellen Namen verpasst: Meeple. Wahrscheinlich handelt es sich um ein Kofferwort aus my und people. Vielleicht spielt der Begriff auch auf die Form der Figur an – sie erinnert an das Blatt eines Ahorns (eng: maple), aus maple people wurden Meeple.

Mittlerweile hat der Verlag den Namen übernommen, in der wissenschaftlichen Literatur ist er ebenfalls zu finden. Heute gibt es sogar Abziehbilder , mit denen man die Meeple in echte kleine Charaktere verwandeln kann.

Warum Carcassonne nicht mit normalen Figuren – wie bei Mensch ärgere dich nicht – arbeitet? Weil Sie, anders als damals üblich, zwei Zustände einnehmen können müssen. Stehend und liegend.

... der Autor keine Erweiterungen publizieren wollte?

Wrede soll sich gesträubt haben, das Spielprinzip durch Erweiterungen zu adaptieren oder zu verwässtern. Der Erfolg dürfte ihn umgestimmt haben. Heute sind (je nach Zählweise) zehn große Erweiterungen sowie Dutzende Mini-Sets, Sondereditionen und Spin-Offs entstanden.

So wurden nicht nur die Meeple und ihre Fähigkeiten vielfältiger – eine Auswahl siehe oben –, sondern auch die Plättchen. Flüsse und Abteien gibt es ebenso wie Jahrmärkte und – ja, tatsächlich – Kornkreise. Über die vollständige Liste verlieren da selbst eingefleischte Fans den Überblick.

... manche Erweiterungen den Ärger der Fans weckten?

Nicht alles passt schlüssig in die Spielewelt. So monierten Fans, dass die wachsende Zahl diverser Meeple das Spielprinzip ausheble: Meeple sind kein knappes Gut mehr, das geht zulasten des Taktierens.

Tiefpunkt: Ein Holz-Katapult (wegen seiner Form als „Grillgabel“ verspottet), mit dem die Spieler Plättchen infantil übers Spielfeld schnippten und Figuren umkegelten. In 20 Jahren darf auch bei Spielemachern mal die Midlife Crisis zuschlagen – man war aber einsichtig: Die Katapult-Erweiterung ist die einzige, die nicht mehr vertrieben wird.

... das ein Raubritter auf der Spieleschachtel zum Suchrätsel wurde?

In der ersten Auflage des Grundspiels ist auf der Spieleschachtel an prominenter Stelle ein Raubritter abgebildet, der den Spieler grimmig anblickt. In einer späteren Auflage ist an derselben Stelle plötzlich eine Frau abgebildet. Der Raubritter ist allerdings (noch nicht) verschwunden: Er versteckt sich nun in Miniatur-Version hinter einem Busch. Erst in späteren Cover-Designs muss er ganz weichen.

... sogar eine Carcassonne-WM abgehalten wird?

Seit 2006 findet neben nationalen Wettkämpfen eine eigene Carcassonne-WM statt. Österreich schaffte es zwei Mal aufs Stockerl – Silber! 2019 siegte der Rumäne Marian Curcan.

... das Spiel einen Weltrekord hält?

26 Spieler legten im Jahr 2006 exakt 4.194 Plättchen in 42 Stunden und 48 Minuten aus. Sie kamen damit ins Guinness-Buch der Rekorde – mit dem „längsten Brettspiel-Marathon“. 2016 übertrumpften drei Schweden diesen Wert locker: Sie legten 10.007 Plättchen aus.

... die Jubiläumsedition mit vielen kleinen Überraschungen aufwartet?

Erst seit Kurzem ist die Sonderausgabe – in edlem Design! – verfügbar. Die Plättchen wurde liebevoll mit neuen optischen Details angereichert – die Dächer der Burgen sind etwa nicht mehr rot, sondern blau. Auch ganz neue Plättchen und Sticker für die Meeple sind enthalten. Happy Birthday!

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