Touren durchs hohe Gras oder durch Felder können die Ernte beschädigen.

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Chronik Oberösterreich
06/30/2020

Wege in Oberösterreichs Landwirtschaft, die nicht existieren

Immer mehr toben sich zum Unmut der Bauern auf landwirtschaftlichen Flächen aus.

von Petra Stacher

„Ein Bett im Kornfeld, das ist immer frei, denn es ist Sommer und was ist schon dabei? Die Grillen singen, und es duftet nach Heu, wenn wir träumen.“

Was der deutsche Schlagersänger Jürgen Drews 1976 in seinem Hit so romantisch besingt, finden Bauern wohl weniger erfreulich. Vor allem in Zeiten von Corona dürften viele Menschen im Freien auf Feldern und Wiesen den nötigen Ausgleich gesucht und dort ihre Spuren hinterlassen haben.

Am Dienstag lud der oberösterreichische Bauernbund deshalb gemeinsam mit Agrarlandesrat Maximilian Hiegelsberger (ÖVP) zu einer Pressekonferenz.

Unwissenheit

„Viele Menschen denken sich nichts dabei, wenn sie über Wiesen und Weiden gehen oder mit dem Mountainbike dort fahren. Doch für Bauern bedeutet das Futter- oder Ernteeinbußen“, sagt Hiegelsberger. Zudem gebe es vermehrt Apps, auf denen Privatpersonen ihre selbst kreierten Routen veröffentlichen, die andere dann dort abrufen können.

„So kommt es zu Wander- und Radwegen, die eigentlich gar nicht existieren“, sagt Wolfgang Wallner, Direktor des OÖ Bauernbundes. Vor allem im Frühling und Frühsommer, wo die Pflanzen noch jung und empfindlich sind, führe das zu Schäden.

"Hundekot ist Gift"

Christian Mayr, Landwirt am Pöstlingberg, kann davon ein Lied singen. Er bekam dieses Jahr auf seinem Grund einiges zu sehen: Leute, die sogenannte Slacklines zwischen seinen Bäumen spannten, Menschen, die Federball spielten, Picknicker und sogar eine Kindergartengruppe.

„Wir müssen das Verständnis für die Landwirtschaft von Grund auf stärken. Die Pädagogen sind hier gefragt“, sagt Mayr. Aber nicht nur das zertrampelte Gras mache ihm Sorgen, auch die Hunde.

So berichtete er von fünf Rehen, die von Hunden zu Tode gebissen worden seien. „Unsere Wälder und Wiesen sind keine Freilaufzonen“, stellt Mayr, der auch Jagdpächter ist, klar. Zudem würden Hundebesitzer zwar ein „Gacki-Sackerl“ mitführen, dieses jedoch oft am Ort des Geschäfts zurücklassen. „Für Kühe ist Hundekot Gift“, sagt Hiegelsberger, weshalb die fachgerechte Entsorgung besonders wichtig sei.

Respekt bester Schutz

Macht man Menschen auf geltende gesetzliche Regelungen aufmerksam, würden Landwirte zudem immer wieder auf Widerstand stoßen. Laut dem OÖ Alm- und Kulturflächengesetz dürfen etwa Wiesen, Weiden und Äcker unter anderem während des Futteraufwuchses und auch danach nicht betreten werden.

Im Forstgesetz ist wiederum ein allgemeines Betretungsrecht des Waldes für Erholungszwecke verankert, welches sich jedoch nur auf das Gehen, nicht aber auf das Radfahren oder Reiten bezieht. „Ein konstruktives Miteinander ist nur dann möglich, wenn auf beiden Seiten Verständnis herrscht“, sagt Hiegelsberger.

Kein Verständnis bringt der Bauernbund jedoch für die neue sogenannte „Kulikitaka“-Challenge auf, die in sozialen Medien kursiert: Auch in Oberösterreich kam es zu Vorfällen, wo Jugendliche mit lauter Musik auf Kühe zuliefen, um diese zu erschrecken. „Fängt eine Kuh einmal zum Laufen an, dann ist es vorbei“, sagt Hiegelsberger. „Respekt vor der Umwelt ist der beste Natur- und Tierschutz, den es gibt.“

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