Agrarlandesrat Maximilian Hiegelsberger

© Hermann Wakolbinger

Chronik Oberösterreich
05/24/2020

„Für das Grünland wird es zunehmend zu trocken“

Der Klimawandel wirkt sich auf die Landwirtschaft teilweise dramatisch aus, sagt Oberösterreichs Agrarlandesrat Maximilian Hiegelsberger.

von Josef Ertl

Maximilian Hiegelsberger ist seit zehn Jahren Agrarlandesrat und seit neun Jahren Landesobmann des Bauernbundes. Der 54-Jährige ist Landwirt in Meggenhofen (Bez. Grieskirchen).

KURIER: Die Konsumenten wurden in der Corona-Krise aufgefordert, stärker regional einzukaufen. Haben Sie hier ein Wachstum festgestellt?

Maximilian Hiegelsberger: Ja, ganz eindeutig. Die Krise hat gezeigt, dass die Versorgung mit Lebensmitteln eine Grundvoraussetzung ist, sie kommt sogar noch vor der Medizin. Es ist sichtbar geworden, dass wir eine funktionierende Struktur und Vielfalt in der Landwirtschaft haben. Das hat sich besonders in der Direktvermarktung bemerkbar gemacht. Hier hatten wir Zuwächse von 50 Prozent und mehr. Viele waren Neukunden.

Die Onlineshops der Direktvermarkter sind viel schneller und stärker gewachsen. Wir haben vom Genussland mit dem Zusteller DPD ein gutes Paket geschnürt.

Es sind zwar die Bereiche Gastro und Großküchen weggefallen, aber dafür ist der Fleischabsatz im Handel gestiegen.

Sie haben beklagt, dass die Konsumenten in der Krise zwar in die Supermärkte geströmt sind, nicht aber in die Bäckereien und Fleischhauereien.

Es hat verschiedene Entwicklungen gegeben. Bei manchen war ein verstärkter Zulauf, es gab aber einige Bereiche, wo es ganz schwierig war. Viele Konsumenten sind aus Angst vor Ansteckung nur in ein Geschäft gegangen. Das Ganze hat sich erst wieder einspielen müssen. Der Lebensmitteleinkauf ist ein Stressfaktor, das ist etwas anderes als shoppen.

War die Krise für die Landwirtschaft gut oder schlecht?

In der öffentlichen Aufmerksamkeit war es sehr positiv, denn es wurde klar, wie wichtig Eigenversorgung und Souveränität in der Ernährung sind. Die Marktverwerfungen in den Preisen schlagen sich natürlich genauso nieder wie in anderen Bereichen. Wir sind beim Rindfleisch und bei den Milchprodukten exportabhängig. Probleme gab es auch beim Schweinefleischexport nach China. In den USA beträgt der Schweinefleischpreis derzeit nur die Hälfte von dem der EU. Damit drücken sie die Preise am chinesischen Markt.

Es ist wichtig, die produzierende Landwirtschaft zu erhalten. Man darf die Bauern nicht permanent zu Sündenböcken stempeln und sie mental in ihrer Existenz ruinieren. Sie halten sich an die gesetzlichen Vorgaben, da marschieren dann Leute nachts in die Ställe und stellen die Lage so dar, als ob alles nur schlimm wäre.

Italien war immer schon ein wichtiger Exportmarkt. Hat sich die Grenzschließung ausgewirkt?

Jein. Es gab Rindfleischexporte, aber die Schließung des öffentlichen Lebens hat sich negativ auf die Mengen ausgewirkt. Sie waren um ein Drittel weniger, aber es baut sich wieder auf. Beim Holz ist es dramatisch, weil die Wirtschaft nach wie vor steht.

Italien ist nach Deutschland unser zweitwichtigster Exportmarkt. So wird zum Beispiel der Teig für den größten italienischen Pizzahersteller aus Österreich importiert.

Wie ist das Verhältnis der Bauern zu den Supermärkten? Es gab auch heuer wieder Demonstrationen gegen deren Marktmacht.

Man muss hier immer wieder öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen. Der Salat kommt aus Holland, der Spargel aus Spanien, und das genau in der Phase, in der es dieses Gemüse in großen Mengen bei uns gibt. Wenn man die heimischen Ernten absichern will, braucht es vom Handel eine höhere Flexibilität. Die Landwirtschaft kann es sich nicht aussuchen, dass die Ernte wegen der Wärme heuer früher ist. Der Handel antwortet, wir haben die Verträge mit den Importpartnern und müssen sie einhalten.

Vor zwei Jahren war es ähnlich, der Handel hat unsere Erdbeeren nicht genommen, sie mussten vernichtet werden. Die Landwirte sind verunsichert, sie fragen sich, ob sie diese Produkte noch anbauen sollen, wenn sie keine Abnehmer haben. Bei der Milch und beim Rindfleisch konnten wir aber in der Vergangenheit mit dem Handel positive Einigungen erzielen.

In welcher Art und Weise macht sich der Klimawandel für die Bauern bemerkbar?

Dramatisch. Man kann ihn jedes Jahr sehen. Die Verteilung der Niederschläge ist eine andere, die Temperaturen sind deutlich höher. Das Winterhalbjahr wird feuchter, das Sommerhalbjahr trockener. Das trifft das Grünland im Mühlviertel und im Alpenvorland extrem. Der Ackeranbau ist auch betroffen, nur kann man hier andere Kulturen anbauen. Im Grünland kann man das nicht machen. Im ersten Schnitt (Mitte Mai) fehlt viel Menge, das zieht sich dann über das Jahr dahin, weil der Sommer trockener wird. Das sind extreme Verwerfungen.

Mit welcher Konsequenz?

Dass der Bauer immer wieder Schwierigkeiten haben wird, genügend Futter für die eigenen Tiere zu haben. Es betrifft vor allem die Gegend von Vöcklabruck Richtung Flachgau. Auch im Oberen Mühlviertel wird es fast zu trocken für das Grünland.

Wie können die Bauern reagieren?

Sie müssen sich mit ihrem eigenen Bestand zwischen Futtergrundlage und den zu versorgenden Tieren auseinandersetzen. Man muss sich auf veränderte Grünlandbedingungen einstellen.

Mit der Düngung, den Schnittzeitpunkten, mit trockenresistenteren Gräsern.

Neben dem Klimawandel schlägt auch die Digitalisierung in der Landwirtschaft durch und befördert den Strukturwandel.

Der Strukturwandel ist ein emotionales Thema. Die Tierhalter werden permanent an den Pranger gestellt, obwohl sie sich an die Tiergesundheit, an die Regeln und Gesetze halten und sie permanent kontrolliert werden. Das betrifft auch den Pflanzenschutz. Hier sind wir in Oberösterreich sehr gut unterwegs. So beim Grundwasserschutz. Die Emotionen, die auf die Betriebe einprasseln, bewirken viel öfter die Betriebsaufgabe als der Preis bzw. der Markt. Die Bauern sagen, warum müssen wir uns permanent verteidigen für etwas, was wir richtig machen?

Nach der Corona-Krise braucht es nun Signale für die bäuerliche Landwirtschaft. Und nicht so, wie Spar-Chef Drexel bei einer Diskussion gesagt hat, Österreich hat in der Landwirtschaft ein reines Strukturproblem. Wenn das so stimmen würde, hätten wir nur mehr ein paar Großbetriebe und vieles würde nicht mehr bewirtschaftet werden. Dann stellt sich die Frage, was ist mit dem Tourismus?

Kommen wir zum Thema Digitalisierung.

Wir sind in der Tierhaltung schon viel weiter als der Ackerbau auf den Feldern mit GPS. Vor 20 Jahren wurden die ersten Melkroboter eingeführt. Hier werden alle Daten aufgezeichnet. Der Einsatz der Digitalisierung hat aber nur dann eine Rechtfertigung, wenn dem Betrieb etwas bleibt.

Beim Thema Nachvollziehbarkeit und Transparenz bin ich von der Digitalisierung überzeugt. Die Bauern können nachweisen, was auf ihren Flächen passiert.

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