HITZE: WASSERLIEFERUNG AUF DIE ALM LECKNERTAL IN HITTISAU

© APA/DIETMAR STIPLOVSEK / DIETMAR STIPLOVSEK

Chronik Oberösterreich
05/18/2020

Versicherungslösung nach Kuh-Urteil: "Es ist kein Emmentaler"

In Oberösterreich soll nun ein Versicherungspaket Almwirte vor horrenden Zahlungen schützen.

von Petra Stacher

Auf der Alm, do gibt’s koa Sünd – besagt ein Sprichwort, rechtliche Konsequenzen gibt es aber auch in den Bergen. Seit am 12. Mai die Teilschuld eines Tiroler Almwirts wegen eines tragischen Todesfalles durch eine Kuhattacke im Jahr 2014 vom Obersten Gerichtshof bestätigt wurde, sind die Almwirte verunsichert.  Um ihnen dieses Gefühl vor der startenden Saison zu nehmen, gibt es in Oberösterreich nun eine Versicherung, um künftig solche Fälle zu vermeiden.

 „Es ist niemandes Absicht, dass ein Almwirt zu Schaden kommt, schon gar nicht jene der Touristen“, sagt Agrar-Landesrat Maximilian Hiegelsberger (ÖVP) in der Pressekonferenz am Montag. Es brauche deshalb eine rechtliche Absicherung  für die Almwirte, um im Notfall diese vor horrenden Zahlungen zu schützen, die ihre Existenz gefährden.

Denn die Almbewirtschaftung sei essenziell, um auch künftig begehbare Wege für Wanderer anbieten zu können. Das Land Oberösterreich schnürte deshalb gemeinsam mit der OÖ Versicherung ein Paket, geschlossen mit dem OÖ Almverein.

Bis zu 2,5 Millionen Euro

Durch diese ist nun jeder Almbauer  pro Vorfall mit bis zu 2,5 Millionen Euro versichert.  Sowohl Rechtskosten, als auch Schadensersatzzahlungen seien gedeckt. Es sei ein Paket, welches den gesamten „Almauftrieb“ absichere:  angefangen bei den Vorbereitungen am Heimathof bis hinauf auf die Weideflächen.

Auch unterschiedliche Eigentümerverhältnisse der Tiere und die Tierarten seien breit gefächert.  „Die Versicherung deckt nicht nur Vorfälle mit klassischem Weidevieh wie Rindern ab, sondern auch modernere Varianten wie etwa mit  Alpakas“, erklärt Josef Stockinger, Generaldirektor der OÖ Versicherung AG.

Auch geografisch wurde auf Vollständigkeit geachtet: Almen, die sich etwa in Grenzgebieten zu Salzburg oder der Steiermark befinden, seien ebenso inkludiert. Mit diesem Paket können Wanderwege deshalb offenbleiben, da sich die Wirte nicht vor etwaigen Vorfällen fürchten müssen.

„Es ist ein lückenloses Paket – und kein Emmentalerkäse“, sagt Stockinger. Das Paket sei deshalb auch Vorreiter für andere Bundesländer. Erst am Wochenende wurde bekannt, dass aufgrund des Kuh-Urteils etwa in der Steiermark Landwirte bereits Wege  sperrten.

443 Almwirtschaften

Für Johann Feßl, Obmann des OÖ Almvereins, ist das Versicherungspaket eine große Erleichterung. Dennoch macht er auf die Verhaltensregeln für Wanderer aufmerksam, die vergangenes Jahr erarbeitet wurden, um das Risiko eines erneuten Vorfalls so gering wie möglich zu halten (siehe Box unten).

„Es ist ein lückenloses Paket – und kein Emmentalerkäse“, sagt Stockinger. Das Paket sei deshalb auch Vorreiter für andere Bundesländer. Erst am Wochenende wurde bekannt, dass aufgrund des Kuh-Urteils etwa in der Steiermark Landwirte bereits Wege  sperrten.

443 Almwirtschaften

Für Johann Feßl, Obmann des OÖ Almvereins, ist das Versicherungspaket eine große Erleichterung. Dennoch macht er auf die Verhaltensregeln für Wanderer aufmerksam, die vergangenes Jahr erarbeitet wurden, um das Risiko eines erneuten Vorfalls so gering wie möglich zu halten (siehe Infobox).

Vor allem nach den Corona-Einschränkungen freut er sich, endlich wieder Gäste auf der Alm begrüßen zu dürfen: „Wir können es nicht erwarten. Wir wollen rauf auf  die Alm, dort arbeiten und leben. Und wir glauben, die Touristen haben das gleiche Verlangen.“ Ganz nach dem Motto: „Urlaub daheim, Almen laden ein“, rechnen sowohl Hiegelsberger als auch Feßl mit viel Besuch in den Bergen. Allein in Oberösterreich sind 638 Almen im Almkataster eingetragen, 443 werden bewirtschaftet.

Auch Almbäurin Martina Platzer ist guter Dinge, trotz Corona eine gute Saison zu haben: „Wir haben den Vorteil, dass wir viele Gäste im Freien unterbringen und die Abstandsregeln somit gut einhalten können“, sagt sie.  Laut Feßl müsse für eine gute Saison jetzt nur noch das Wetter schön werden.